Kein "PRO NRW"-Funktionsträger im Poli­zei­dienst

Dis­zi­pli­nar­ge­richt­li­che Ent­fer­nung eines ehe­ma­li­gen Funk­ti­ons­trä­gers und Wahl­kan­di­da­ten von "PRO NRW" aus dem Poli­zei­dienst ist zuläs­sig.

Kein "PRO NRW"-Funktionsträger im Poli­zei­dienst

Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat mit jetzt die Beschwer­de eines ehe­ma­li­gen Funk­ti­ons­trä­gers und Wahl­kan­di­da­ten der Par­tei "Bür­ger­be­we­gung pro Nord­rhein-West­fa­len" (PRO NRW) gegen sei­ne dis­zi­pli­nar­ge­richt­li­che Ent­fer­nung aus dem Poli­zei­dienst zurück­ge­wie­sen. Die­se ist damit rechts­kräf­tig gewor­den.

Der Beschwer­de­füh­rer ist Poli­zei­haupt­kom­mis­sar im Dienst des Lan­des Nord­rhein-West­fa­len. Er war Mit­glied, Kreis­vor­sit­zen­der und stell­ver­tre­ten­der Lan­des­vor­sit­zen­der von "PRO NRW"; zur Land­tags­wahl 2012 und zur Euro­pa­wahl 2014 trat er als deren Kan­di­dat auf vor­de­ren Lis­ten­plät­zen an. Inzwi­schen ist er aus der Par­tei aus­ge­tre­ten und hat sei­ne Par­tei­äm­ter nie­der­ge­legt.

Im Mai 2011 lei­te­te der ört­li­che Poli­zei­prä­si­dent gegen den Beam­ten wegen sei­ner Akti­vi­tä­ten für "PRO NRW" ein Dis­zi­pli­nar­ver­fah­ren ein. Das Ver­wal­tungs­ge­richt Düs­sel­dorf ent­fern­te den Beam­ten aus dem Dienst 1. Das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt für das Land Nord­rhein-West­fa­len in Müns­ter wies die dage­gen gerich­te­te Beru­fung des Beam­ten zurück 2. Zur Begrün­dung hat es im Wesent­li­chen aus­ge­führt, dass der Beam­te durch sei­ne her­aus­ge­ho­be­nen Funk­tio­nen und als Wahl­kan­di­dat für "PRO NRW" gegen sei­ne beam­ten­recht­li­che Pflicht zur Ver­fas­sungs­treue (§ 33 Abs. 1 Satz 3 BeamtStG) ver­sto­ßen habe. Dabei ist das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt davon aus­ge­gan­gen, dass "PRO NRW" nach Erkennt­nis­sen der Ver­fas­sungs­schutz­be­hör­den aus­weis­lich zahl­rei­cher gegen Aus­län­der, ins­be­son­de­re gegen sol­che mus­li­mi­schen Glau­bens, gerich­te­ter Par­tei­ak­tio­nen und Äuße­run­gen füh­ren­der Par­tei­funk­tio­nä­re ver­fas­sungs­feind­li­che Zie­le ver­fol­ge, die mit der grund­ge­setz­lich garan­tier­ten Men­schen­wür­de und Reli­gi­ons­frei­heit nicht ver­ein­bar sei­en. Wer sich wie der Beschwer­de­füh­rer in her­aus­ra­gen­der Funk­ti­on für sei­ne Par­tei ein­set­ze, müs­se sich dies als Aus­druck eige­ner ver­fas­sungs­feind­li­cher Ein­stel­lung zurech­nen las­sen.

Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat die Beschwer­de des Beam­ten gegen die Nicht­zu­las­sung der Revi­si­on zurück­ge­wie­sen. Die Beschwer­de beschränk­te sich im Wesent­li­chen auf die Rüge von (ver­meint­li­chen) Ver­fah­rens­feh­lern im behörd­li­chen und gericht­li­chen Dis­zi­pli­nar­ver­fah­ren. Dass sol­che vor­lä­gen, hat das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt ver­neint. Zu einer inhalt­li­chen Befas­sung mit dem Vor­wurf, der Beam­te habe gegen sei­ne Ver­fas­sungs­treue­pflicht ver­sto­ßen, und mit der Beur­tei­lung von "PRO NRW" als ver­fas­sungs­feind­lich gab die Beschwer­de kei­nen Anlass.

Zur Ver­fas­sungs­treue­pflicht von Beam­ten hat sich das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt zuletzt mit Urteil vom 17.11.2017 3 rechts­grund­sätz­lich geäu­ßert, dort zur Ent­fer­nung aus dem Poli­zei­dienst wegen Täto­wie­run­gen mit ver­fas­sungs­feind­li­chem Inhalt.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 20. August 2018 – 2 B 6.18

  1. VG Düs­sel­dorf, Urteil vom 26.05.2014 – 35 K 6592/​12.O[]
  2. OVG NRW, Urteil vom 27.09.2017 – 3d A 1732/​14.O[]
  3. BVerwG, Urteil vom 17.11.2017 – 2 C 25.17[]