Kriegs­dienst­ver­wei­ge­rung, vor­zei­ti­ge Ent­las­sung aus der Bun­des­wehr – und die Rück­for­de­rung der Aus­bil­dungs­kos­ten

Bei vor­zei­ti­ger Ent­las­sung aus der Bun­des­wehr nach Aner­ken­nung als Kriegs­dienst­ver­wei­ge­rer darf die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land von ehe­ma­li­gen Berufs­sol­da­ten nur die Erstat­tung der Kos­ten der bei der Bun­des­wehr absol­vier­ten Aus­bil­dun­gen im Umfang des geld­wer­ten Vor­teils ver­lan­gen, der den frü­he­ren Sol­da­ten für ihr wei­te­res zivi­les Berufs­le­ben ver­bleibt.

Kriegs­dienst­ver­wei­ge­rung, vor­zei­ti­ge Ent­las­sung aus der Bun­des­wehr – und die Rück­for­de­rung der Aus­bil­dungs­kos­ten

Bei der Fach­aus­bil­dung zum Flug­si­che­rungs­of­fi­zier, für die Aus­bil­dungs­kos­ten von ca. 200.000 € anfal­len, ist die­ser geld­wer­te Vor­teil mit 74.000 € für das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt revi­si­ons­recht­lich nicht anfecht­bar bewer­tet.

In den bei­den hier vom Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt ent­schie­de­nen Streit­fäl­len absol­vier­ten zwei ehe­ma­li­ge Sol­da­ten ein Stu­di­um der Wirt­schafts- und Orga­ni­sa­ti­ons­wis­sen­schaf­ten an der Uni­ver­si­tät der Bun­des­wehr und eine wei­te­re Fach­aus­bil­dung zum Flug­si­che­rungs­of­fi­zier, die zum gro­ßen Teil bei der Deut­schen Flug­si­che­rung GmbH (DFS) statt­fand. Für Letz­te­re zahl­te die Bun­des­wehr an die DFS rund 200.000 € pro Per­son. Nach Abschluss ihrer Aus­bil­dun­gen wur­den die bei­den ehe­ma­li­gen Sol­da­ten auf ihren Antrag als Kriegs­dienst­ver­wei­ge­rer aner­kannt und schie­den vor­zei­tig aus der Bun­des­wehr aus. Unmit­tel­bar anschlie­ßend nah­men sie eine Tätig­keit als Flug­lot­sen bei der DFS auf.

Die Bun­des­wehr for­der­te von Bei­den die teil­wei­se Erstat­tung der für ihre Aus­bil­dun­gen ent­stan­de­nen Kos­ten i.H.v. jeweils rund 130.000 € unter Gewäh­rung von Raten­zah­lung. Die dage­gen gerich­te­ten Kla­gen sind vom Baye­ri­schen Ver­wal­tungs­ge­richts­hof in Mün­chen abge­wie­sen wor­den [1]; die Erstat­tungs­be­trä­ge sei­en auf der Grund­la­ge des Sol­da­ten­ge­set­zes (SG) feh­ler­frei fest­ge­setzt wor­den.

Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat die Revi­sio­nen der bei­den ehe­ma­li­gen Sol­da­ten zurück­ge­wie­sen: Der Ver­wal­tungs­ge­richts­hof habe, so das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, die von der Bun­des­wehr fest­ge­setz­ten unmit­tel­ba­ren und mit­tel­ba­ren Aus­bil­dungs­kos­ten von Stu­di­um und Fach­aus­bil­dung zu Recht nicht bean­stan­det hat. Die mit­tel­ba­ren Aus­bil­dungs­kos­ten (ins­be­son­de­re für Woh­nung, Ver­pfle­gung und Kran­ken­ver­si­che­rung) sei­en auf der Grund­la­ge trag­fä­hi­ger Bemes­sungs­grund­sät­ze fest­ge­setzt wor­den. Der Anspruch des frü­he­ren Sol­da­ten erstreckt sich dabei nur auf eine rea­li­täts- und sonst sach­ge­rech­te Kos­ten­er­mitt­lung und nicht auf eine für den jewei­li­gen Sol­da­ten güns­tigs­te Berech­nungs­me­tho­de. Hin­sicht­lich der unmit­tel­ba­ren Aus­bil­dungs­kos­ten für die Fach­aus­bil­dung zum Flug­si­che­rungs­of­fi­zier hat sich die Bun­des­wehr an dem arbeits­ver­trag­li­chen Rück­zah­lungs­be­trag von 74.000 € für fehl­ge­schla­ge­ne zivil­ver­trag­li­che Aus­bil­dun­gen bei der DFS infol­ge vor­zei­ti­ger Ver­trags­auf­lö­sung durch den aus­ge­bil­de­ten Flug­los­ten als Bewer­tungs­hil­fe ori­en­tie­ren dür­fen.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urtei­le vom 12. März 2020 – 2 C 37.18 und 2 C 38.18

  1. BayVGH, Urtei­le vom 13.12.2017 – 6 B 17.299 und 6 B 17.300[]