Streik­ver­bot für Beam­te

Das Streik­ver­bot für Beam­te ist ein her­ge­brach­ter Grund­satz des Berufs­be­am­ten­tums i. S. d. Art. 33 Abs. 5 GG. Den Vor­ga­ben des Art. 11 EMRK kann nicht durch eine kon­ven­ti­ons­kon­for­me Aus­le­gung des Art. 33 Abs. 5 GG, son­dern nur durch den Gesetz­ge­ber Rech­nung getra­gen wer­den 1.

Streik­ver­bot für Beam­te

Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat in sei­nem Urteil vom 27.02.2014 2 aus­ge­führt, dass einer­seits das umfas­sen­de Streik­ver­bot für Beam­te als her­ge­brach­ter Grund­satz nach Art. 33 Abs. 5 GG Gel­tung bean­sprucht, ande­rer­seits die­ses Streik­ver­bot für außer­halb des genu­in hoheit­li­chen Bereichs täti­ge Beam­te mit der Koali­ti­ons­frei­heit des Art. 11 der Euro­päi­schen Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on (EMRK) unver­ein­bar ist, der Gesetz­ge­ber ver­pflich­tet ist, einen kon­ven­ti­ons­kon­for­men Zustand her­zu­stel­len, und bis zu einer Auf­lö­sung der Kol­li­si­ons­la­ge durch den dazu allein beru­fe­nen Gesetz­ge­ber das sta­tus­be­zo­ge­ne beam­ten­recht­li­che Streik­ver­bot nach wie vor gel­ten­des Recht ist.

In dem erwähn­ten Urteil ist im Ein­zel­nen dar­ge­legt, dass Art. 33 Abs. 5 GG als her­ge­brach­ter Grund­satz des Berufs­be­am­ten­tums ein umfas­sen­des Streik­ver­bot für alle Beam­ten ent­hält, das auf­grund sei­ner inhalt­li­chen Bestimmt­heit unmit­tel­bar gilt und des­halb auch ohne aus­drück­li­che ein­fach-gesetz­li­che Ver­bots­re­ge­lun­gen beach­tet wer­den muss. Die ver­fas­sungs- und völ­ker­recht­li­che Ver­pflich­tung, die Vor­ga­ben des Art. 11 EMRK zur Koali­ti­ons­frei­heit der Ange­hö­ri­gen des öffent­li­chen Diens­tes in die deut­sche Rechts­ord­nung zu inte­grie­ren, kann nicht durch eine kon­ven­ti­ons­kon­for­me Aus­le­gung des Art. 33 Abs. 5 GG oder im Wege rich­ter­li­cher Rechts­fort­bil­dung erfüllt wer­den; denn die her­ge­brach­ten Grund­sät­ze des Berufs­be­am­ten­tums gel­ten mit dem­je­ni­gen Inhalt, der sich im tra­di­ti­ons­bil­den­den Zeit­raum her­aus­ge­bil­det hat. Die­ser Tra­di­ti­ons­be­stand darf nicht im Wege der Aus­le­gung geän­dert wer­den. Viel­mehr kann allein der Gesetz­ge­ber den Gel­tungs­an­spruch eines her­ge­brach­ten Grund­sat­zes in Wahr­neh­mung sei­nes Auf­trags zur Rege­lung und Fort­ent­wick­lung des Beam­ten­rechts in Gren­zen ein­schrän­ken. Es ist Auf­ga­be des Bun­des­ge­setz­ge­bers, einen Aus­gleich zwi­schen den inhalt­lich unver­ein­ba­ren Anfor­de­run­gen des Art. 33 Abs. 5 GG und des Art. 11 EMRK her­zu­stel­len. Solan­ge dies nicht gesche­hen ist, bean­sprucht das beam­ten­recht­li­che Streik­ver­bot nach Art. 33 Abs. 5 GG wei­ter­hin Gel­tung und ist dis­zi­pli­na­risch zu ahnen­des Recht 3.

Dem kann auch nicht ent­ge­gen gehal­ten wer­den, dass sich das Streik­ver­bot für Beam­te nicht aus­drück­lich aus dem Grund­ge­setz erge­be, son­dern rich­ter­recht­lich ent­wi­ckelt wor­den sei; eine durch Rich­ter­recht geschaf­fe­ne Rechts­la­ge kön­ne und müs­se eben­falls durch Rich­ter­recht – näm­lich durch kon­ven­ti­ons­kon­for­me Aus­le­gung des Art. 33 Abs. 5 GG – abge­än­dert wer­den, ohne dass es hier­für einer gesetz­li­chen Grund­la­ge bedür­fe. Damit negiert sie die Aus­füh­run­gen des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts, wonach das Streik­ver­bot für Beam­te ein her­ge­brach­ter Grund­satz des Berufs­be­am­ten­tums und gera­de kei­ne rich­ter­recht­li­che Rechts­schöp­fung ist. Somit ent­fällt auch die Grund­la­ge für die Schluss­fol­ge­rung der Beschwer­de, dass die durch Rich­ter­recht geschaf­fe­ne Rechts­la­ge auch durch Rich­ter­recht abge­än­dert wer­den kön­ne. Viel­mehr ist allein der Gesetz­ge­ber befugt, den Gel­tungs­an­spruch eines her­ge­brach­ten Grund­sat­zes in Wahr­neh­mung sei­nes Auf­trags zur Rege­lung und Fort­ent­wick­lung des Beam­ten­rechts ein­zu­schrän­ken. Der Durch­füh­rung eines Revi­si­ons­ver­fah­rens zur – erneu­ten – Klä­rung der von der Beschwer­de auf­ge­wor­fe­nen Fra­ge bedarf es nicht. Dies gilt unab­hän­gig davon, dass vor dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt eine Ver­fas­sungs­be­schwer­de gegen das Urteil des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts vom 27.02.2014 4 anhän­gig ist.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 26. Febru­ar 2015 – 2 B 62015 -

  1. wie BVerwG, Urteil vom 27.02.2014 – 2 C 1.13, BVerw­GE 149, 117[]
  2. BVerwG, Urteil vom 27.02.2014 – 2 C 1.13, BVerw­GE 149, 117[]
  3. BVerwG, a.a.O.[]
  4. BVerwG, Urteil vom 27.02.2014, a.a.O.[]