Wahl­ver­fah­ren für neue Bun­des­rich­ter – und die Stel­lung­nah­me des Prä­si­di­al­rats

Ein Beam­ter oder Rich­ter, der für die Wahl als Rich­ter zu einem Bun­des­ge­richt vor­ge­schla­gen, aber nicht gewählt wor­den ist und der die Stel­lung­nah­me des Prä­si­di­al­rats des Bun­des­ge­richts für rechts­wid­rig hält, kann die­se Stel­lung­nah­me nicht iso­liert gericht­lich angrei­fen, son­dern nur im Zusam­men­hang mit einem Rechts­schutz­an­trag gegen die Ernen­nung vom Rich­ter­wahl­aus­schuss gewähl­ter Kan­di­da­ten.

Wahl­ver­fah­ren für neue Bun­des­rich­ter – und die Stel­lung­nah­me des Prä­si­di­al­rats

In dem hier vom Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in Leip­zig ent­schie­de­nen Rechts­streit hat­te ein Bun­des­be­am­ter geklagt, der in den Jah­ren 2013 und 2014 für die Wahl als Rich­ter am Bun­des­ge­richts­hof vor­ge­schla­gen wur­de. Der Prä­si­di­al­rat des Bun­des­ge­richts­hofs – das rich­ter­li­che Mit­wir­kungs­or­gan bei Wah­len von Rich­tern am Bun­des­ge­richts­hof – hielt in sei­nen bei­den Stel­lung­nah­men den Bewer­ber jeweils für "nicht geeig­net". Der Bewer­ber wur­de nicht gewählt. Er hält die Stel­lung­nah­men des Prä­si­di­al­rats für rechts­wid­rig.

Mit sei­ner Kla­ge begehrt der Bewer­ber die Auf­he­bung der bei­den Stel­lung­nah­men des Prä­si­di­al­rats, hilfs­wei­se die Fest­stel­lung ihrer Rechts­wid­rig­keit. Die Kla­ge hat­te in den Vor­in­stan­zen vor dem Ver­wal­tungs­ge­richt Karls­ru­he und dem Ver­wal­tungs­ge­richts­hof Baden-Würt­tem­berg in Mann­heim kei­nen Erfolg 1. Der Ver­wal­tungs­ge­richts­hof hat in sei­nem Beru­fungs­ur­teil ange­nom­men, dass dem Bewer­ber für den Haupt­an­trag das Rechts­schutz­in­ter­es­se und für den Hilfs­an­trag das Fest­stel­lungs­in­ter­es­se feh­le. Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat nun auch die Revi­si­on des Bewer­bers zurück­ge­wie­sen:

Ein Beam­ter oder Rich­ter, der für die Wahl als Rich­ter zu einem Bun­des­ge­richt vor­ge­schla­gen, aber nicht gewählt wor­den ist und der die Stel­lung­nah­me des Prä­si­di­al­rats des Bun­des­ge­richts für rechts­wid­rig hält, kann die­se Stel­lung­nah­me nicht geson­dert gericht­lich angrei­fen. Rechts­schutz gegen die Nicht­be­rück­sich­ti­gung bei der Wahl zum Bun­des­rich­ter kann ein zur Wahl Vor­ge­schla­ge­ner durch einen Rechts­schutz­an­trag gegen die Ernen­nung vom Rich­ter­wahl­aus­schuss gewähl­ter Kan­di­da­ten erlan­gen. In die­sem Ver­fah­ren kann der Vor­ge­schla­ge­ne gel­tend machen, dass die Stel­lung­nah­me des Prä­si­di­al­rats rechts­wid­rig und des­halb kei­ne taug­li­che Grund­la­ge für die Wahl­ent­schei­dung ist.

Hin­ge­gen gibt es kein Rechts­schutz­in­ter­es­se für eine geson­der­te Kla­ge auf Auf­he­bung einer sol­chen Stel­lung­nah­me oder auf Fest­stel­lung ihrer Rechts­wid­rig­keit. Außer­halb des Bun­des­rich­ter­wahl­ver­fah­rens kom­men der Stel­lung­nah­me des Prä­si­di­al­rats kei­ne Rechts­wir­kun­gen zu.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 13. Novem­ber 2019 – 2 C 35.18

  1. VG Karls­ru­he, Urteil vom 06.12 2016 – 1 K 2198/​14; VGH Baden-Würt­tem­berg, Urteil vom 06.06.2018 – 4 S 756/​17[]