Dub­lin-III-VO – und das Asyl­ver­fah­ren in Ungarn

Das Asyl- und Auf­nah­me­sys­tem in Ungarn weist sys­te­mi­sche Schwach­stel­len im Sin­ne von Art. 3 Abs. 2 UAbs. 2 Dub­lin III VO auf.

Dub­lin-III-VO – und das Asyl­ver­fah­ren in Ungarn

Nach die­ser Norm ist die Über­stel­lung unmög­lich, wenn es wesent­li­che Grün­de für die Annah­me gibt, dass das Asyl­ver­fah­ren und die Auf­nah­me­be­din­gun­gen für Antrag­stel­ler im zustän­di­gen Mit­glied­staat sys­te­mi­sche Schwach­stel­len auf­wei­sen, die eine Gefahr einer unmensch­li­chen oder ernied­ri­gen­den Behand­lung im Sin­ne von Art. 4 der Char­ta der Grund­rech­te der Euro­päi­schen Uni­on (Char­ta) mit sich brin­gen. Es gilt die Ver­mu­tung, dass die Behand­lung der Asyl­be­wer­ber in jedem ein­zel­nen Mit­glied­staat in Ein­klang mit den Erfor­der­nis­sen der Char­ta sowie mit der Gen­fer Flücht­lings­kon­ven­ti­on (GFK) und der Euro­päi­schen Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on (EMRK) steht. Die­se Ver­mu­tung kann aller­dings wider­legt wer­den. Es obliegt nach der Recht­spre­chung des Euro­päi­schen Gerichts­hofs den natio­na­len Gerich­ten, einen Asyl­be­wer­ber nicht an den nach der Dub­lin III-VO zustän­di­gen Mit­glied­staat zu über­stel­len, wenn ihnen nicht unbe­kannt sein kann, dass die sys­te­mi­schen Män­gel des Asyl­ver­fah­rens und der Auf­nah­me­be­din­gun­gen für Asyl­be­wer­ber in die­sem Mit­glied­staat ernst­haf­te und durch Tat­sa­chen bestä­tig­te Grün­de für die Annah­me dar­stel­len, dass die Antrag­stel­ler tat­säch­lich Gefahr lau­fen, einer unmensch­li­chen oder ernied­ri­gen­den Behand­lung aus­ge­setzt zu wer­den1. Der Mit­glied­staat, der die Über­stel­lung vor­neh­men müss­te, ist in einem sol­chen Fall ver­pflich­tet, den Asyl­an­trag selbst zu prü­fen, sofern nicht ein ande­rer Mit­glied­staat als für die Prü­fung des Asyl­an­trags zustän­dig bestimmt wer­den kann (Art. 3 Abs. 2 UAbs. 2 und 3 Dub­lin III-VO).

Das Ver­wal­tungs­ge­richt Greifs­wald geht davon aus, dass das Asyl- und Auf­nah­me­sys­tem in Ungarn sys­te­mi­sche Schwach­stel­len in Sin­ne von Art. 3 Abs. 2 UAbs. 2 Dub­lin III-VO auf­weist2.

Ver­wal­tungs­ge­richt Greifs­wald, Urteil vom 16. Dezem­ber 2016 – 3 A 231/​16 As HGW

  1. vgl. EuGH, Urteil vom 21.12.2011 – C‑411/​10, juris Erwä­gungs­grund 106 ff. []
  2. vgl. OVG Lüne­burg, Urteil vom 15.11.2016 – 8 LB 92/​15 []