Einst­wei­li­ge Anord­nung und Haupt­sa­che­ver­fah­ren – und der zwi­schen­zeit­li­che Aus­tausch von Ver­fas­sungs­rich­tern

Der Senat ist mit der Gesamt­heit sei­ner Mit­glie­der auch dann ord­nungs­ge­mäß besetzt, wenn zwi­schen dem Erlass der einst­wei­li­gen Anord­nung und der münd­li­chen Ver­hand­lung in der Haupt­sa­che (hier: Organ­streit­ver­fah­ren) ein Ver­fas­sungs­rich­ter aus­ge­schie­den und durch einen neu­en ersetzt wur­de.

Einst­wei­li­ge Anord­nung und Haupt­sa­che­ver­fah­ren – und der zwi­schen­zeit­li­che Aus­tausch von Ver­fas­sungs­rich­tern

Der ord­nungs­ge­mä­ßen Beset­zung des Sen­tas steht nicht ent­ge­gen, dass nach dem Erlass der einst­wei­li­gen Anord­nung (hier: durch den Prä­si­den­ten Voß­kuh­le und die Rich­ter Huber und Mül­ler) gemäß § 32 Abs. 7 Satz 1 BVerfGG ein Ver­fas­sungs­rich­ter (hier: der Rich­ter Land­au) aus dem Senat aus­ge­schie­den ist und eine neue Ver­fas­sungs­rich­te­rin (hier: die Rich­te­rin Lan­gen­feld) als Nach­fol­ge­rin beru­fen wur­de.

Unab­hän­gig davon, dass der Senat in die­ser Zusam­men­set­zung nicht beschluss­fä­hig wäre, kann der Erlass einer einst­wei­li­gen Anord­nung nicht als Beginn der Bera­tung der Haupt­sa­che im Sin­ne von § 15 Abs. 3 Satz 1 BVerfGG ange­se­hen wer­den. Da in bei­den Ver­fah­ren unter­schied­li­che Prü­fungs­maß­stä­be gel­ten, sind das Ver­fah­ren zum Erlass einer einst­wei­li­gen Anord­nung und das Haupt­sa­che­ver­fah­ren als eigen­stän­di­ge Sachen zu qua­li­fi­zie­ren, auf die § 15 Abs. 3 Satz 1 BVerfGG kei­ne Anwen­dung fin­det 1.

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Urteil vom 27. Febru­ar 2018 – 2 BvE 1/​16

  1. vgl. BVerfGE 142, 5, 8 f. Rn. 8 ff.; BVerfG, Beschluss vom 01.12.2017 – 2 BvF 1/​15, Rn. 2[]