Recht­li­ches Gehör – und die Ent­schei­dungs­grün­de

Die Garan­tie recht­li­chen Gehörs ver­pflich­tet die Gerich­te, die Aus­füh­run­gen der Pro­zess­be­tei­lig­ten zur Kennt­nis zu neh­men und in Erwä­gung zu zie­hen 1.

Recht­li­ches Gehör – und die Ent­schei­dungs­grün­de

Dabei ist grund­sätz­lich davon aus­zu­ge­hen, dass ein Gericht das von ihm ent­ge­gen­ge­nom­me­ne Vor­brin­gen der Betei­lig­ten auch zur Kennt­nis genom­men und in Erwä­gung gezo­gen hat.

Die Gerich­te brau­chen nicht jedes Vor­brin­gen der Betei­lig­ten in den Grün­den der Ent­schei­dung aus­drück­lich zu beschei­den. Auch wenn die schrift­li­chen Ent­schei­dungs­grün­de zu einem bestimm­ten Betei­lig­ten­vor­trag nichts ent­hal­ten, geht das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt in der Regel davon aus, dass die Gerich­te die­ses Vor­brin­gen pflicht­ge­mäß zur Kennt­nis genom­men und bei der Ent­schei­dung berück­sich­tigt haben 2.

Ist das Gericht aller­dings auf den wesent­li­chen Kern des Tat­sa­chen­vor­trags eines Betei­lig­ten zu einer Fra­ge, die für das Ver­fah­ren von zen­tra­ler Bedeu­tung ist, nicht ein­ge­gan­gen, so lässt dies auf die Nicht­be­rück­sich­ti­gung des Vor­trags schlie­ßen, sofern er nicht nach dem Rechts­stand­punkt des Gerichts uner­heb­lich oder aber offen­sicht­lich unsub­stan­ti­iert war 3. Art. 103 Abs. 1 GG ent­hält zudem ein Ver­bot von Über­ra­schungs­ent­schei­dun­gen 4.

Die Fest­stel­lung und Wür­di­gung des Tat­be­stands sowie die Aus­le­gung ein­fa­chen Rechts und sei­ne Anwen­dung auf den kon­kre­ten Fall sind Sache der Fach­ge­rich­te; das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt greift hier nur ein, wenn spe­zi­fi­sches Ver­fas­sungs­recht ver­letzt ist, wenn also der Feh­ler gera­de in der Nicht­be­ach­tung von Grund­rech­ten liegt 5.

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 12. Sep­tem­ber 2016 – 1 BvR 1311/​16

  1. vgl. BVerfGE 11, 218, 220; 72, 119, 121; 86, 133, 145; 96, 205, 216; BVerfGK 10, 41, 45; stRspr[]
  2. vgl. BVerfGE 28, 378, 384 f.; 86, 133, 146; 96, 205, 216 f.[]
  3. vgl. BVerfGE 86, 133, 145 f.; BVerfGK 1, 259, 263[]
  4. vgl. BVerfGE 84, 188, 190; 86, 133, 144 f.; 107, 395, 410[]
  5. vgl. BVerfGE 18, 85, 92 f.[]