Die Strom­ver­sor­ger und die Stadt­wer­ke

Die gros­sen Strom­ver­sor­gungs­un­ter­neh­men wer­den sich wohl zukünf­tig nicht wei­ter an ört­li­chen Stadt­wer­ken betei­li­gen kön­nen. So hat der Kar­tell­se­nat des Bun­des­ge­richts­hof jetzt eine Unter­sa­gungs­ver­fü­gung bestä­tigt, mit der das Bun­des­kar­tell­amt es der E.ON im Hin­blick auf die hohe Markt­kon­zen­tra­ti­on im Strom­sek­tor unter­sagt hat­te, sich an den Stadt­wer­ken Eschwe­ge zu betei­li­gen.

Die Strom­ver­sor­ger und die Stadt­wer­ke

Der Kar­tell­se­nat des Bun­des­ge­richts­hofs hat heu­te die Beschwer­de gegen die Unter­sa­gung des Zusam­men­schluss­vor­ha­bens E.ON – Stadt­wer­ke Eschwe­ge durch das Bun­des­kar­tell­amt zurück­ge­wie­sen. Dabei hat sich der Bun­des­ge­richts­hof erst­mals seit der Libe­ra­li­sie­rung des Strom­han­dels im Jah­re 1998 mit einem Zusam­men­schluss­vor­ha­ben auf dem Strom­markt befasst. Durch das am 29.4.1998 in Kraft getre­te­ne Gesetz zur Neu­re­ge­lung des Ener­gie­wirt­schafts­rechts woll­te der Gesetz­ge­ber die gegen­ein­an­der abge­schot­te­ten Ver­sor­gungs­ge­bie­te der gro­ßen Strom­kon­zer­ne auf­bre­chen und einem frei­en Wett­be­werb zugäng­lich machen. Für den Erstab­satz von in Deutsch­land erzeug­tem oder nach Deutsch­land impor­tier­tem Strom hat der Bun­des­ge­richts­hof nun fest­ge­stellt, dass noch kein frei­er Wett­be­werb herrscht, son­dern – zumin­dest – zwi­schen den bei­den Markt­füh­rern E.ON und RWE ein markt­be­herr­schen­des Oli­go­pol besteht. Begrün­det hat er das u. a. mit der gerin­gen Durch­lei­tungs­ka­pa­zi­tät der Kup­pel­stel­len an den deut­schen Gren­zen. Des­we­gen kön­nen aus­län­di­sche Strom­an­bie­ter auf dem inlän­di­schen Markt nur einen gerin­gen Wett­be­werbs­druck ent­fal­ten. Das ver­schafft den gro­ßen deut­schen Strom­erzeu­gern eine star­ke Markt­stel­lung. Zwi­schen den bei­den Markt­füh­rern E.ON und RWE besteht kein nen­nens­wer­ter Wett­be­werb. Auch die übri­gen strom­erzeu­gen­den Unter­neh­men, dar­un­ter Vat­ten­fall und EnBW, sind nicht in der Lage, einen hin­rei­chen­den Wett­be­werbs­druck gegen die Markt­füh­rer auf­zu­bau­en. Des­halb hat der Bun­des­ge­richts­hof E.ON und RWE als gemein­sam markt­be­herr­schend ange­se­hen.

Die­se markt­be­herr­schen­de Stel­lung von E.ON und RWE wür­de ver­stärkt, wenn sich E.ON – wie geplant – an den Stadt­wer­ken Eschwe­ge betei­lig­te. Der Bun­des­ge­richts­hof hat fest­ge­stellt, dass es der Geschäfts­stra­te­gie der Markt­füh­rer ent­spricht, an zahl­rei­chen Stadt­wer­ken oder sons­ti­gen Strom­ver­sor­gern Min­der­heits­be­tei­li­gun­gen zu erwer­ben, um auf die­se Wei­se ihre Absatz­ge­bie­te zu sichern. Bereits jetzt haben E.ON und RWE Antei­le an ins­ge­samt 204 strom­ver­tei­len­den Unter­neh­men. Zusätz­li­che Betei­li­gun­gen wür­den den Wett­be­werb wei­ter ein­schrän­ken. Der Bun­des­ge­richts­hof hat des­halb die Unter­sa­gungs­ver­fü­gung des Bun­des­kar­tell­amts in letz­ter Instanz bestä­tigt.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 11. Novem­ber 2008 – KVR 60/​07