Die For­de­rung der GbR – und der Gegen­an­spruch gegen die Gesell­schaf­ter

Dem von einer Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts erho­be­nen Zah­lungs­be­geh­ren kann der in Anspruch genom­me­ne Schuld­ner aus­nahms­wei­se einen ihm gegen die Gesell­schaf­ter zuste­hen­den Scha­dens­er­satz­an­spruch ent­ge­gen­hal­ten, wenn die Beru­fung der Gesell­schaft auf ihre Eigen­stän­dig­keit gegen Treu und Glau­ben ver­stößt.

Die For­de­rung der GbR – und der Gegen­an­spruch gegen die Gesell­schaf­ter

Die Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts ist zwar kei­ne juris­ti­sche Per­son. Als Gesamt­hand ist sie aber ein eige­nes Zuord­nungs­sub­jekt, das rechts­fä­hig ist und grund­sätz­lich am Rechts­ver­kehr teil­neh­men kann 1. Die Ver­mö­gens­rech­te der Gesell­schaf­ter beschrän­ken sich auf ihre gesamt­hän­de­ri­sche Betei­li­gung an der Gesell­schaft 2. Han­delt es sich bei der GbR um ein eigen­stän­di­ges Zuord­nungs­sub­jekt, ist zwi­schen ihr und ihren Gesell­schaf­tern zu tren­nen. Dies hat zur Fol­ge, dass eine Treue­pflicht­ver­let­zung der Gesell­schaf­ter der GbR, die sie sich gegen­über dem GbR-Schuld­ner (hier: in einer Vor­gän­ger-GbR) als Mit­ge­sell­schaf­ter haben zuschul­den kom­men las­sen, der GbR grund­sätz­lich nicht anzu­las­ten ist.

Das Tren­nungs­prin­zip gilt zwi­schen einer Gesell­schaft als selb­stän­di­gem Rechts­trä­ger und ihren Gesell­schaf­tern im Gesell­schafts­recht nicht aus­nahms­los. Es ist für die GmbH all­ge­mein aner­kannt, dass in beson­ders gela­ger­ten Aus­nah­me­fäl­len aus­nahms­wei­se eine Durch­bre­chung des zwi­schen der Gesell­schaft und ihren Gesell­schaf­tern gel­ten­den Tren­nungs­prin­zips in Betracht kom­men kann. Eine Abwei­chung vom Tren­nungs­prin­zip wird unter ande­rem dann zuge­las­sen, wenn die Beru­fung auf die Ver­schie­den­heit von Gesell­schaft und Gesell­schaf­ter gegen Treu und Glau­ben ver­sto­ßen wür­de 3. Für die Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts, die anders als die GmbH kein gegen­über ihren Gesell­schaf­tern völ­lig ver­selb­stän­dig­tes Rechts­sub­jekt ist, kann nichts ande­res gel­ten. Soweit für die hier gege­be­ne Fall­ge­stal­tung von Bedeu­tung, kann die Durch­bre­chung des Tren­nungs­prin­zips dadurch gesche­hen, dass rechts­er­heb­li­che Umstän­de auf Sei­ten der Gesell­schaf­ter der Gesell­schaft zuge­rech­net wer­den. Sie ist – anders als bei einer GmbH 4 – bei einer Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts, für deren Ver­bind­lich­kei­ten ihre Gesell­schaf­ter den Gesell­schafts­gläu­bi­gern ana­log § 128 HGB per­sön­lich haf­ten, auch in der Wei­se denk­bar, dass bei Vor­lie­gen beson­de­rer Umstän­de ein Drit­ter dem gegen ihn erho­be­nen Anspruch der Gesell­schaft sei­nen – gegen alle Gesell­schaf­ter gerich­te­ten – Scha­dens­er­satz­an­spruch im Wege der Ein­wen­dung ent­ge­gen­hal­ten kann.

Die Annah­me, dass ein sol­ches Ergeb­nis gegen den Grund­satz von Treu und Glau­ben ver­stößt und untrag­bar ist, ist – wie im hier vor­lie­gen­den Fall – etwa dann gerecht­fer­tigt, wenn die Grün­dung der GbR selbst auf einem grob treu­pflicht­wid­ri­gen Ver­hal­ten ihrer Gesell­schaf­ter beruht, die For­de­rung der GbR und der Scha­dens­er­satz­an­spruch gegen ihre Gesell­schaf­ter in einem untrenn­ba­rem Zusam­men­hang ste­hen und die GbR aus­schließ­lich aus Gesell­schaf­tern besteht, denen ein sol­cher Ver­stoß gegen die gesell­schafts­recht­li­che Treue­pflicht gegen­über dem Schuld­ner der GbR anzu­las­ten ist.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 19. Novem­ber 2013 – II ZR 150/​12

  1. BGH, Urteil vom 29.01.2001 – II ZR 331/​00, BGHZ 146, 341, 343 ff.[]
  2. Münch­Komm-BGB/Ul­mer/Schä­fer, 6. Aufl., Vor § 705 Rn. 11; Soergel/​Hadding/​Kießling, BGB, 13. Aufl., Vor § 705 Rn. 21[]
  3. vgl. BGH, Urteil vom 29.11.1956 – II ZR 156/​55, BGHZ 22, 226, 230; Urteil vom 04.05.1977 – VIII ZR 298/​75, BGHZ 68, 312, 314 f. jeweils zur Ein­per­so­nen-GmbH; BSG, ZIP 1996, 1134, 1135 zur GmbH; Fastrich in Baumbach/​Hueck, GmbHG, 20. Aufl., § 13 Rn. 10[]
  4. vgl. BGH, Beschluss vom 03.05.1999 – II ZR 368/​97, DStR 1999, 1822 mit Anm. von Goet­te; Münch­Komm-GmbH­G/­Merkt, § 13 Rn. 361 mwN[]