Haftung und Gesamtschuldnerausgleich des GbR-Gesellschafters

Die Vorschrift des § 708 BGB schränkt die Haftung der Gesellschafter für vertragswidriges Verhalten ein, indem sie an die Stelle der nach § 276 Abs. 2 BGB maßgebenden verkehrserforderlichen Sorgfalt den Maßstab der Sorgfalt in eigenen Angelegenheiten setzt. An den Beweis, in eigenen Angelegenheiten eine geringere als die im Verkehr erforderliche Sorgfalt anzuwenden, sind strenge Anforderungen zu stellen. Der Umstand, dass der Gesellschafter sich durch die schadensbegründende Handlung zugleich selbst geschädigt hat, reicht zum Nachweis der nicht auf den konkreten Schädigungsfall, sondern auf das generelle Verhalten des Schädigers in dem entsprechenden Pflichtenkreis abstellenden Entlastungsvoraussetzungen des § 708 BGB nicht aus1.

Haftung und Gesamtschuldnerausgleich des GbR-Gesellschafters

Zwischen mehreren entsprechend § 128 HGB im Außenverhältnis persönlich haftenden Gesellschaftern einer AußenGbR besteht ein echtes Gesamtschuldverhältnis, auf das § 426 Abs. 1 BGB Anwendung findet2.

Der Gesamtschuldnerausgleich zwischen den Gesellschaftern bemisst sich regelmäßig nicht nach Kopfteilen, sondern nach demjenigen Maßstab, den die Gesellschafter untereinander für ihre Gewinn- und Verlustbeteiligung festgelegt haben. Dieser Maßstab ist grundsätzlich auch für den Ausgleich im Innenverhältnis maßgebend3. Anderes kann allerdings dann gelten, wenn die der gesamtschuldnerischen Haftung zugrundeliegende Verpflichtung der Gesellschaft auf dem schuldhaften Verhalten eines der Gesellschafter beruht. Wie auch sonst im Innenausgleich von Gesamtschuldnern4 kann dies unter Heranziehung des Gedankens des § 254 BGB im Innenverhältnis zu einer anderweitigen oder sogar zur alleinigen Haftung des schuldhaft handelnden Gesellschafters führen5.

Die Vorschrift des § 708 BGB schränkt die Haftung der Gesellschafter für vertragswidriges Verhalten ein, indem sie an die Stelle der nach § 276 Abs. 2 BGB maßgebenden verkehrserforderlichen Sorgfalt den Maßstab der Sorgfalt in eigenen Angelegenheiten setzt. Wenn sich die Klägerin bei dieser Sachlage zugunsten ihres Versicherungsnehmers auf § 708 BGB beruft, so trifft sie die Darlegungs- und Beweislast dafür, dass S. für den Beklagten erkennbar in eigenen Angelegenheiten eine geringere als die im Verkehr erforderliche Sorgfalt anzuwenden pflegt. An diesen Beweis sind strenge Anforderungen zu stellen. Der Umstand, dass der Gesellschafter sich durch die schadensbegründende Handlung zugleich selbst geschädigt hat, reicht entgegen der Ansicht des Berufungsgerichts zum Nachweis der nicht auf den konkreten Schädigungsfall, sondern auf das generelle Verhalten des Schädigers in dem entsprechenden Pflichtenkreis abstellenden Entlastungsvoraussetzungen des § 708 BGB nicht aus6. Die Tatsache, dass der Gesellschafter sich im konkreten Schadensfall selbst geschädigt hat, erbringt keinen Beweis dafür, dass er in eigenen Angelegenheiten eine geringere als die im Verkehr erforderliche Sorgfalt anzuwenden pflegt.

Allerdings schränkt der Bundesgerichtshof ein: Dass der Gesellschafter im vorliegenden Prozess Vortrag dahin gehalten hätte, er erstelle ihm obliegende Tragwerksplanungen immer leicht fahrlässig und dies sei für den anderen Gesellschafter erkennbar gewesen, ist nicht festgestellt. Ohne einen derartigen Vortrag ist davon auszugehen, dass der in Anspruch genommene Gesellschafter in eigenen Angelegenheiten die verkehrsübliche Sorgfalt anwendet7.

Bundesgerichtshof, Urteil vom 24. September 2013 – II ZR 391/12

  1. Bestätigung von BGH, Urteil vom 26.06.1989 – II ZR 128/88, WM 1989, 1850 ff.[]
  2. BGH, Urteil vom 02.07.1979 II ZR 132/78, WM 1979, 1282; Urteil vom 15.10.2007 II ZR 136/06, ZIP 2007, 2313 Rn. 14[]
  3. BGH, Urteil vom 15.01.1988 – V ZR 183/86, BGHZ 103, 72, 76; Urteil vom 17.12.2001 II ZR 382/99, ZIP 2002, 394, 396; Urteil vom 15.10.2007 II ZR 136/06, ZIP 2007, 2313 Rn. 25; Beschluss vom 09.06.2008 II ZR 268/07, ZIP 2008, 1915 Rn. 2[]
  4. vgl. hierzu Staudinger/Looschelders, BGB, 2012, § 426 Rn. 63 ff.[]
  5. BGH, Beschluss vom 09.06.2008 II ZR 268/07, ZIP 2008, 1915 Rn. 2, 6[]
  6. BGH, Urteil vom 26.06.1989 – II ZR 128/88, WM 1989, 1850, 1852; Staudinger/Habermeier, BGB, 2003, § 708 Rn. 8; MünchKomm- BGB/Ulmer/Schäfer, 6. Aufl., § 708 Rn.20; Servatius in Henssler/Strohn, § 708 BGB Rn. 7 f., 11; Erman/H.P. Westermann, BGB, 13. Aufl., § 708 Rn. 8; Schöne in Bamberger/Roth, BeckOKBGB, Stand: 1.02.2013, § 708 Rn.19; Andreas Bergmann, jurisPK-BGB, 6. Aufl., § 708 Rn. 39; Soergel/Hadding/Kießling, BGB, 13. Aufl., § 708 Rn. 8[]
  7. BGH, Urteil vom 26.06.1989 – II ZR 128/88, WM 1989, 1850, 1852 mwN[]

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