Die Fir­ma als Mar­ken­ver­let­zung

Der Antrag auf Ein­wil­li­gung in die Löschung eines Fir­men­be­stand­teils geht weni­ger weit als der Antrag auf Ein­wil­li­gung in die Löschung der vol­len Fir­ma; dage­gen geht der Antrag auf Unter­las­sung der Nut­zung eines Fir­men­be­stand­teils wei­ter als der Antrag auf Unter­las­sung der Nut­zung der vol­len Fir­ma [1].

Die Fir­ma als Mar­ken­ver­let­zung

Allein der Umstand, dass sämt­li­che Bestand­tei­le einer zusam­men­ge­setz­ten Mar­ke oder kom­ple­xen Kenn­zeich­nung den Gesamt­ein­druck der Mar­ke oder Kenn­zeich­nung glei­cher­ma­ßen bestim­men, weil kei­ner die­ser Bestand­tei­le das Erschei­nungs­bild der Mar­ke oder Kenn­zeich­nung domi­niert oder prägt, führt nicht dazu, dass die­se Bestand­tei­le eine selb­stän­dig kenn­zeich­nen­de Stel­lung haben. Viel­mehr müs­sen beson­de­re Umstän­de vor­lie­gen, die es recht­fer­ti­gen, in einem zusam­men­ge­setz­ten Zei­chen ein­zel­ne oder meh­re­re Bestand­tei­le als selb­stän­dig kenn­zeich­nend anzu­se­hen.

Ergibt sich bei der Prü­fung des Gra­des der Kenn­zeich­nungs­kraft einer Mar­ke oder der Ähn­lich­keit ein­an­der gegen­über­ste­hen­der Waren, Dienst­leis­tun­gen oder Zei­chen eine durch­schnitt­li­che Kenn­zeich­nungs­kraft der Mar­ke oder eine durch­schnitt­li­che Ähn­lich­keit der Waren, Dienst­leis­tun­gen oder Zei­chen, ist die­se Durch­schnitt­lich­keit nicht wei­ter nach "schwach durch­schnitt­lich", "nor­mal durch­schnitt­lich" und "stark durch­schnitt­lich" abzu­stu­fen.

In der Benut­zung einer Mar­ke für Waren, die unter einen Ober­be­griff des Waren­ver­zeich­nis­ses fal­len, kann zwar zugleich eine rechts­er­hal­ten­de Benut­zung die­ser Mar­ke für ande­re Waren lie­gen, die unter den­sel­ben Ober­be­griff des Waren­ver­zeich­nis­ses fal­len. In einer sol­chen Benut­zung, liegt jedoch regel­mä­ßig kei­ne rechts­er­hal­ten­de Benut­zung die­ser Mar­ke für Waren, die unter einen ande­ren Ober­be­griff des Waren­ver­zeich­nis­ses fal­len.

Wird die Ware, für die die Mar­ke rechts­er­hal­tend benutzt wird, von meh­re­ren Ober­be­grif­fen des Waren­ver­zeich­nis­ses erfasst, so kann im Löschungs­kla­ge­ver­fah­ren wegen Ver­falls nach §§ 49, 55 Mar­kenG einer der Ober­be­grif­fe ersatz­los gelöscht wer­den, wenn die Ware von dem ande­ren Ober­be­griff erfasst wird [2].

BGH, Urteil vom 5. Dezem­ber 2012 – I ZR 85/​11

  1. Bestä­ti­gung von BGH, Urteil vom 06.07.1973 – I ZR 129/​71, GRUR 1974, 162 – etirex; Urteil vom 26.09.1980 I ZR 69/​78, GRUR 1981, 60 – Sitex; Urteil vom 03.11.1994 – I ZR 71/​92, GRUR 1995, 117 = WRP 1995, 96 – NEUTREX; Urteil vom 14.02.2008 – I ZR 162/​05, GRUR 2008, 803 = WRP 2008, 1192 – HEITEC; Auf­ga­be von BGH, Urteil vom 26.06.1997 – I ZR 14/​95, GRUR 1998, 165 = WRP 1998, 51 – RBB; Urteil vom 14.10.1999 – I ZR 90/​97, GRUR 2000, 605 = WRP 2000, 525 – comtes/​ComTel; Urteil vom 31.07.2008 – I ZR 171/​05, GRUR 2008, 1104 = WRP 2008, 1532 – Haus & Grund II; Urteil vom 31.07.2008 I ZR 21/​06, GRUR 2008, 1108 = WRP 2008, 1537 – Haus & Grund III[]
  2. Bestä­ti­gung von BGH, Urteil vom 07.06.1978 – I ZR 125/​76, GRUR 1978, 647 = WRP 1978, 813 – TIGRESS[]