Ertei­lung eines Buch­aus­zugs – und der Streit­wert

Soweit der zur Ertei­lung eines Buch­aus­zugs Ver­pflich­te­te für ohne wei­te­res selbst zu erbrin­gen­de Eigen­leis­tun­gen Hilfs­per­so­nen her­an­zieht, ist der anzu­set­zen­de Stun­den­satz auf den sich aus § 22 Satz 1 JVEG erge­ben­den Höchst­satz beschränkt 1.

Ertei­lung eines Buch­aus­zugs – und der Streit­wert

Für die Bemes­sung der Beschwer eines Rechts­mit­tels gegen die Ver­ur­tei­lung zur Ertei­lung eines Buch­aus­zugs ist, wie bei einem Anspruch auf Ertei­lung einer Aus­kunft, auf den Auf­wand an Zeit und Kos­ten abzu­stel­len, den die Erfül­lung des titu­lier­ten Anspruchs erfor­dert, nicht aber auf den Wert des Aus­kunfts­an­spruchs 2.

Uner­heb­lich ist, dass die Beklag­te dem Klä­ger den Buch­aus­zug mit dem Inhalt, wie er sich aus dem ange­foch­te­nen Urteil ergibt, bereits erteilt hat. Die durch eine Ver­ur­tei­lung geschaf­fe­ne Beschwer ent­fällt gene­rell nicht, wenn die ver­ur­teil­te Par­tei den titu­lier­ten Pflich­ten ent­spricht, sofern dies – wie im Streit­fall – nur zur Abwen­dung der Zwangs­voll­stre­ckung erfolgt. Das gilt auch dann, wenn die Leis­tung aus Grün­den, die in der Natur des titu­lier­ten Anspruchs lie­gen, auf eine end­gül­ti­ge, nicht mehr rück­gän­gig zu machen­de Erfül­lung hin­aus­läuft, wie es bei einer erteil­ten Aus­kunft wesens­ge­mäß der Fall ist, die, anders als etwa ein ver­ein­nahm­ter Geld­be­trag, nicht mehr "zurück­ge­ge­ben" wer­den kann 3.

Als Stun­den­satz für den eige­nen Zeit­auf­wand kann der Ver­ur­teil­te nur den eige­nen Auf­wand und daher nicht den Stun­den­satz gel­tend machen, den er Drit­ten für sei­ne beruf­li­che Tätig­keit in Rech­nung stellt 4. Der eige­ne Zeit­auf­wand des Aus­kunfts­pflich­ti­gen ist dabei maxi­mal mit dem gemäß § 22 JVEG für die Ent­schä­di­gung von Zeu­gen maß­geb­li­chen Höchst­satz zu bewer­ten 5. Zu den berück­sich­ti­gungs­fä­hi­gen Kos­ten des zur Aus­kunft Ver­pflich­te­ten gehö­ren neben dem Eigen­auf­wand auch die Aus­ga­ben für die Inan­spruch­nah­me fach­kun­di­ger Drit­ter oder Hilfs­per­so­nen, derer sich der Ver­pflich­te­te zur Vor­be­rei­tung einer nicht ohne wei­te­res von ihm zu leis­ten­den Aus­kunft bedie­nen darf 6.

Aus­ge­hend von die­sen Grund­sät­zen ist die Beklag­te allen­falls für die auf­ge­führ­ten Arbeits­schrit­te Pro­jekt­pla­nung, Erstel­lung von Scrip­ten für die Daten­ab­fra­ge und die Daten­si­che­rung sowie für die Qua­li­täts­si­che­rung berech­tigt, kauf­män­ni­sche IT-Mit­ar­bei­ter hin­zu­zie­hen, für die nach ihren Anga­ben ein Stun­den­satz in Höhe von 35 € zu ver­an­schla­gen ist. Inso­weit ist nach­voll­zieh­bar, dass die­se Tätig­kei­ten beson­de­re Fach­kennt­nis­se vor­aus­set­zen, die den zur Ver­tre­tung der Beklag­ten befug­ten Per­so­nen nicht ohne wei­te­res zur Ver­fü­gung ste­hen und die Hin­zu­zie­hung ent­spre­chend qua­li­fi­zier­ter Mit­ar­bei­ter erfor­der­lich machen.

Für die manu­el­len Hilfs­tä­tig­kei­ten zur Erfas­sung des Stor­nie­rungs­da­tums und des Stor­no­grunds, deren Umfang die Beklag­te mit 620 Stun­den angibt, kann dage­gen höchs­tens der gemäß für die Ent­schä­di­gung von Zeu­gen maß­geb­li­che Höchst­satz gemäß § 22 Satz 1 JVEG zugrun­de gelegt wer­den. Inso­weit han­delt es sich um eine von der Beklag­ten bzw. den zu ihrer Ver­tre­tung beru­fe­nen Per­so­nen ohne wei­te­res selbst zu erbrin­gen­de Eigen­leis­tung. Soweit die Beklag­te zur Erfül­lung die­ser Tätig­kei­ten Hilfs­per­so­nen her­an­zieht, ist der anzu­set­zen­de Stun­den­satz eben­falls auf den sich aus § 22 Satz 1 JVEG erge­ben­den Höchst­satz beschränkt, weil die Beklag­te eine von ihr vor­zu­neh­men­de Eigen­leis­tung ledig­lich durch Drit­te ersetzt. Dass die­se Arbei­ten eine beson­de­re Qua­li­fi­ka­ti­on erfor­der­ten, ist nicht ersicht­lich. Soweit sich aus der Ent­schei­dung des Bun­des­ge­richts­hofs vom 10.02.1994 7 etwas anders ergibt, hält der Bun­des­ge­richts­hof dar­an nicht fest.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 21. August 2014 – VII ZR 144/​13

  1. im Anschluss an BGH, Beschluss vom 21.03.2012 – XII ZB 420/​11[]
  2. vgl. BGH, Beschluss vom 08.12 2011 – VII ZR 97/​11 3; Beschluss vom 23.04.2013 – II ZR 4/​12; Beschluss vom 22.02.2012 – III ZR 301/​11, NJW-RR 2012, 888 Rn. 5; Beschluss vom 29.06.2010 – X ZR 51/​09, NJW 2010, 2812 Rn. 5 f.; Beschluss vom 22.03.2010 – II ZR 75/​09, NJW-RR 2010, 786 Rn. 2; Beschluss vom 24.11.1994 – GSZ 1/​94, BGHZ 128, 85, 89[]
  3. vgl. BGH, Beschluss vom 29.06.2010 – X ZR 51/​09, NJW 2010, 2812 Rn. 5; Urteil vom 08.05.1985 – IVa ZR 138/​83, BGHZ 94, 268, 274[]
  4. vgl. BGH, Beschluss vom 21.03.2012 – XII ZB 420/​11 6 ff.; Beschluss vom 22.02.2012 – III ZR 301/​11, NJW-RR 2012, 888 Rn. 6[]
  5. vgl. BGH, Beschluss vom 21.03.2012 – XII ZB 420/​11 10; Beschluss vom 28.09.2011 – IV ZR 250/​10, Fam­RZ 2012, 299 Rn. 7; Beschluss vom 10.03.2010 – IV ZR 255/​08, Fam­RZ 2010, 891 Rn. 6 m.w.N.[]
  6. vgl. BGH, Beschluss vom 24.09.2013 – II ZB 6/​12, NZG 2013, 1258 Rn. 17; Beschluss vom 21.03.2012 XII ZB 420/​11 8; Beschluss vom 22.02.2012 – III ZR 301/​11, NJW-RR 2012, 888 Rn. 6; Beschluss vom 22.03.2010 – II ZR 75/​09, NJW-RR 2010, 786 Rn. 13 m.w.N.[]
  7. BGH, Beschluss vom 10.02.1994 – VII ZR 77/​93, NJW-RR 1994, 660, 661[]