Ermitt­lungs­ak­te – und die Akten­ein­sicht für das Opfer

Eine Ent­schei­dung, die einem Kapi­tal­an­le­ger ein beschränk­tes Akten­ein­sichts­recht in die Ankla­ge­schrift gewäh­ren, ist nach einer Ent­schei­dung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts ver­fas­sungs­recht­lich nicht zu bean­stan­den.

Ermitt­lungs­ak­te – und die Akten­ein­sicht für das Opfer

Das prü­fungs­maß­stäb­li­che Recht des Antrag­stel­lers (hier: eines Steu­er­be­ra­ters in einem Wirt­schafts­straf­ver­fah­ren gegen Mit­glie­der der Geschäfts­lei­tung von Gesell­schaf­ten, die er steu­er­lich bera­ten hat) auf infor­ma­tio­nel­le Selbst­be­stim­mung (Art. 2 Abs. 1 i.V.m. Art. 1 Abs. 1 GG) ist nicht ver­letzt. Die­ses Recht gewähr­leis­tet die Befug­nis des Ein­zel­nen, über die Preis­ga­be und Ver­wen­dung sei­ner per­sön­li­chen Daten grund­sätz­lich selbst zu bestim­men [1]. Ein­schrän­kun­gen die­ser Befug­nis bedür­fen einer gesetz­li­chen Grund­la­ge und müs­sen dem Grund­satz der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit ent­spre­chen; sie dür­fen nicht wei­ter gehen als zum Schutz öffent­li­cher Inter­es­sen uner­läss­lich [2].

Die Gewäh­rung von Akten­ein­sicht in straf­recht­li­che Ermitt­lungs­ak­ten nach § 406e StPO greift in das Recht der­je­ni­gen Per­so­nen ein, deren per­so­nen­be­zo­ge­ne Daten hier­durch offen­bart wer­den. Die Prü­fung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts beschränkt sich dar­auf, ob die Aus­le­gung und Anwen­dung des § 406e StPO grund­recht­li­che Posi­tio­nen der Betrof­fe­nen – hier: des Antrag­stel­lers – außer Acht lässt [3].

Es begeg­net kei­nen grund­sätz­li­chen Beden­ken, dass das Land­ge­richt einen Anle­ger, der eine Order­schuld­ver­schrei­bung bei einer den Ange­klag­ten zuzu­rech­nen­den Gesell­schaft gezeich­net hat, als Ver­letz­ten im Sin­ne des § 406e Abs. 1 S. 1 StPO ver­steht und ihm ein Akten­ein­sichts­recht zubil­ligt [4].

Auch im Übri­gen ist für das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt nicht aus­zu­ma­chen, dass die Fach­ge­rich­te die Grund­rech­te des Antrag­stel­lers ver­kannt hät­ten. Der Vor­trag des Antrag­stel­lers, der sich im Wesent­li­chen auf die Dar­le­gung beschränkt, dass er als Drit­ter in der Ankla­ge­schrift mehr­mals erwähnt wer­de und die Offen­ba­rung sei­ner steu­er­be­ra­ten­den Tätig­keit unter Namens­nen­nung sei­ne beruf­li­che Repu­ta­ti­on irrepa­ra­bel beschä­di­gen wür­de, lässt eine Grund­rechts­ver­let­zung nicht erken­nen. Allein die unstrei­tig zutref­fen­de Infor­ma­ti­on, dass er in frei­er Aus­übung sei­ner wirt­schaft­li­chen Tätig­keit Dienst­leis­tun­gen für Gesell­schaf­ten der Ange­klag­ten erbrach­te, begrün­det unter den vor­lie­gen­den Umstän­den eine Ver­let­zung sei­nes Rechts auf infor­ma­tio­nel­le Selbst­be­stim­mung nicht.

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 2. Dezem­ber 2015 – 1 BvQ 47/​15

  1. vgl. BVerfGE 65, 1, 41 f.; 115, 166, 187 f.; 130, 1, 35[]
  2. vgl. BVerfGE 65, 1, 44[]
  3. vgl. BVerfG, Beschluss vom 05.12 2006 – 2 BvR 2388/​06, NJW 2007, S. 1052, 1053[]
  4. vgl. BVerfG, Beschluss vom 04.12 2008 – 2 BvR 1043/​08[]