Man­gel durch über­mä­ßi­gen Auf­wand

Ein Man­gel eines Inge­nieur­wer­kes (Archi­tek­ten­wer­kes ) kann auch dann vor­lie­gen, wenn die Pla­nung zwar tech­nisch funk­ti­ons­taug­lich ist, aber gemes­sen an der ver­trag­li­chen Leis­tungs­ver­pflich­tung ein über­mä­ßi­ger Auf­wand betrie­ben wird 1. Denn ein Ver­trag über eine Pla­nungs­leis­tung ist, so der Bun­des­ge­richts­hof in einer aktu­el­len Ent­schei­dung, regel­mä­ßig dahin­ge­hend aus­zu­le­gen, dass die Pla­nung einen über­mä­ßi­gen, nach den Umstän­den und ins­be­son­de­re den Anfor­de­run­gen der Tech­nik unnö­ti­gen Auf­wand ver­mei­den soll.

Man­gel durch über­mä­ßi­gen Auf­wand

Nichts ande­res gilt für die Pla­nungs­leis­tung eines Inge­nieurs. Sowohl der Archi­tekt als auch der Inge­nieur haben im Rah­men der ver­trag­li­chen Ver­ein­ba­rung wirt­schaft­lich-finan­zi­el­le Gesichts­punk­te ihres Auf­trag­ge­bers zu beach­ten 2. Dabei gibt es zwar kei­ne Ver­pflich­tung, in jeder Hin­sicht des­sen all­ge­mei­ne Ver­mö­gens­in­ter­es­sen wahr­zu­neh­men und unter Berück­sich­ti­gung aller Mög­lich­kei­ten "so kos­ten­güns­tig wie mög­lich" zu bau­en 3. Der Pla­ner hat aber im Rah­men der Wahr­neh­mung sei­ner ver­trag­li­chen Pflich­ten auf die wirt­schaft­li­chen Vor­ga­ben und Belan­ge des Bau­herrn Rück­sicht zu neh­men.

Auch bei Beach­tung die­ser Vor­ga­ben kommt nur im Aus­nah­me­fall ledig­lich eine bestimm­te Pla­nungs­lö­sung in Betracht. Regel­mä­ßig ist eine Viel­zahl von denk­ba­ren Vari­an­ten inner­halb der Vor­ga­ben, Gege­ben­hei­ten und Anfor­de­run­gen ver­tret­bar. Der Pla­ner hat inner­halb der gezo­ge­nen Gren­zen ein pla­ne­ri­sches Ermes­sen.

Das ent­bin­det den Pla­ner jedoch nicht davon, bei der Pla­nung die wirt­schaft­li­chen Inter­es­sen des Auf­trag­ge­bers im Auge zu behal­ten und dar­auf zu ach­ten, dass kein über­mä­ßi­ger, nicht erfor­der­li­cher Auf­wand betrie­ben wird 4. Dies hat der Bun­des­ge­richts­hof für den Fall eines über­di­men­sio­nier­ten Fun­da­ments und dadurch ent­stan­de­ne Mehr­kos­ten bereits ent­schie­den 5.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 9. Juli 2009 – VII ZR 130/​07

  1. BGH, Urteil vom 22. Janu­ar 1998 – VII ZR 259/​96, BGHZ 138, 87[]
  2. BGH, Urteil vom 7. Juli 1988 – VII ZR 72/​87, BauR 1988, 734 = ZfBR 1988, 261[]
  3. BGH, Urteil vom 23. Novem­ber 1972 – VII ZR 197/​71, BGHZ 60, 1[]
  4. Löffelmann/​Fleischmann, Archi­tek­ten­recht, 5. Aufl., Rdn. 258; Bindhardt/​Jagen­burg, Die Haf­tung des Archi­tek­ten, 8. Aufl., § 6 Rdn. 23, 82, 218, 358; Koeb­le in Kniffka/​Koeble, Kom­pen­di­um, 3. Aufl., C 12. Teil, Rdn. 407; Koeb­le in Locher/​Koeble/​Frik, Kom­men­tar zur HOAI, 9. Aufl., Ein­lei­tung 56, 96; Wirth in Korbion/​Mantscheff/​Vygen, HOAI, 6. Aufl., Ein­füh­rung 197; jeweils m.w.N.[]
  5. BGH, Urteil vom 6. Juli 1964 – VII ZR 88/​63, VersR 1964, 1045[]