Ren­ten­ver­si­che­rungs­pflicht für selb­stän­di­ge Leh­rer

Die Ren­ten­ver­si­che­rungs­pflicht für selbst­stän­di­ge Leh­rer ist nach einem Beschluss des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts ver­fas­sungs­ge­mäß.

Ren­ten­ver­si­che­rungs­pflicht für selb­stän­di­ge Leh­rer

Der Beschwer­de­füh­rer in dem jetzt vom BVerfG ent­schie­de­nen Fall arbei­te­te neben sei­ner Tätig­keit als Haus­ver­wal­ter seit 1992 als selbst­stän­di­ger Spra­chen­leh­rer. 1997 stell­te die
Bun­des­ver­si­che­rungs­an­stalt für Ange­stell­te fest, dass er nach den Rege­lun­gen des Sechs­ten Buches Sozi­al­ge­setz­buch in der gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung pflicht­ver­si­chert sei und leg­te eine monat­li­che Bei­trags­zah­lung von rund 870 DM fest. Zugleich mach­te sie gegen den Beschwer­de­füh­rer eine Nach­for­de­rung von Pflicht­bei­trä­gen für die ver­gan­ge­nen sie­ben Mona­te gel­tend. Die gegen die Ren­ten­ver­si­che­rungs­pflicht gerich­te­te Kla­ge des Beschwer­de­füh­rers wur­de von den Sozi­al­ge­rich­ten abge­wie­sen.

Die 3. Kam­mer des Ers­ten Senats des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts hat die hier­ge­gen gerich­te­te Ver­fas­sungs­be­schwer­de nicht zur Ent­schei­dung ange­nom­men. Der Beschwer­de­füh­rer wer­de durch die Ver­si­che­rungs­pflicht nicht in sei­nen Grund­rech­ten ver­letzt. Das Grund­recht der Berufs­frei­heit sei nicht berührt, da der Gesetz­ge­ber mit der Ren­ten­ver­si­che­rungs­pflicht weder die Wahl noch die Aus­übung des Berufs des selbst­stän­di­gen Leh­rers steue­re. Die Zwangs­mit­glied­schaft in der gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung und damit ver­bun­de­ne Bei­trags­pflich­ten ver­letz­ten auch nicht das Recht auf all­ge­mei­ne Hand­lungs­frei­heit, da der Gesetz­ge­ber mit der Rege­lung einen legi­ti­men Zweck ver­fol­ge. Zum Schutz des Betrof­fe­nen, aber auch im Inter­es­se der staat­li­chen Gemein­schaft sol­le mit der Ren­ten­ver­si­che­rungs­pflicht einer Sozi­al­hil­fe­be­dürf­tig­keit im Alter ent­ge­gen­ge­wirkt wer­den. Hier­durch wür­den die Betrof­fe­nen nicht über­mä­ßig belas­tet, denn von ihnen wer­de ledig­lich eine an sich selbst­ver­ständ­li­che Vor­sor­ge für das Alter ver­langt. Schließ­lich sei auch der all­ge­mei­ne Gleich­heits­satz nicht ver­letzt; ins­be­son­de­re lie­ge kei­ne unge­recht­fer­tig­te Ungleich­be­hand­lung im Ver­gleich zu ande­ren nicht ren­ten­ver­si­che­rungs­pflich­ti­gen Selbst­stän­di­gen vor. Der Gesetz­ge­ber habe selbst­stän­di­ge Leh­rer des­halb als beson­ders schutz­be­dürf­tig ein­ge­stuft, weil ihr Lebens­un­ter­halt pri­mär auf der Ver­wer­tung der eige­nen Arbeits­kraft basie­re. Dies sei ein genü­gen­des Dif­fe­ren­zie­rungs­kri­te­ri­um.

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 26. Juni 2007 ? 1 BvR 2204/​00; 1 BvR 1355/​03