Scha­dens­er­satz für fehl­ge­schla­ge­ne Anla­gen in Medi­en­fonds

Hat die Toch­ter­ge­sell­schaft eines Kre­dit­in­sti­tuts als Anla­ge­be­ra­ter anhand eines für sie erkenn­bar feh­ler­haf­ten Anla­ge­pro­spekts zu einem Medi­en­fonds bera­ten, ohne die Pro­spekt­män­gel rich­tig zu stel­len, liegt eine Ver­let­zung der Pflicht vor, die Kun­den anle­ger- und objekt­ge­recht zu bera­ten.

Scha­dens­er­satz für fehl­ge­schla­ge­ne Anla­gen in Medi­en­fonds

Mit die­ser Begrün­dung hat das Ober­lan­des­ge­richt Hamm in den hier vor­lie­gen­den Fäl­len den Anle­gern der Medi­en­fonds VIP 3 Scha­dens­er­satz­an­sprü­che für eine fehl­ge­schla­ge­ne Anla­ge zuge­spro­chen, wäh­rend die Haf­tung der Toch­ter­ge­sell­schaft eines Dort­mun­der Kre­dit­in­sti­tuts für die ver­mit­tel­te Anla­ge im Medi­en­fonds VIP 2 abge­lehnt wor­den ist.

Der Klä­ge­rin des Ver­fah­rens 34 U 147/​11, sei­ner­zeit nie­der­ge­las­se­ne Ärz­tin und lang­jäh­ri­ge Kun­din des Dort­mun­der Kre­dit­in­sti­tuts und der Beklag­ten, riet die Beklag­te im Jah­re 2002 zur Betei­li­gung am Medi­en­fonds VIP 2 und im Jah­re 2003 zur Betei­li­gung am Medi­en­fonds VIP 3. Dem Rat fol­gend erwarb die Klä­ge­rin eine Betei­li­gung am VIP 2 zum Nenn­wert von 50.000 Euro und am VIP 3 zum Nenn­wert von 80.000 Euro. Wäh­rend die Betei­li­gung am VIP 2 zu 55 % (27.500 Euro) mit Eigen­ka­pi­tal der Klä­ge­rin und zu 45 % mit einem kon­zep­tio­nell vor­ge­se­he­nen Bank­dar­lehn finan­ziert wur­de, zahl­te die Klä­ge­rin für die Betei­li­gung am VIP 3 den vol­len Nenn­be­trag.

Die Klä­ger des Ver­fah­rens 34 U 110/​11, zwei Unter­neh­mer und lang­jäh­ri­ge Kun­den des Dort­mun­der Kre­dit­in­sti­tuts, lie­ßen sich auf Anra­ten die­ses Kre­dit­in­sti­tuts im Jah­re 2003 von der beklag­ten Toch­ter­ge­sell­schaft bera­ten. Letz­te riet dann zu einer Betei­li­gung am VIP 3. Zum Nenn­wert von je 50.000 Euro erwar­ben bei­de Klä­ger eine Betei­li­gung am VIP 3, die sie mit Eigen­ka­pi­tal finan­zier­ten.

Die Fonds­be­tei­li­gun­gen erbrach­ten in der Fol­ge­zeit nicht den erwar­te­ten wirt­schaft­li­chen Erfolg. Im Wege des Scha­dens­er­sat­zes haben die Klä­ger von der beklag­ten Toch­ter­ge­sell­schaft die Rück­ab­wick­lung der Anla­ge­ge­schäf­te ver­langt und behaup­tet, sie sei­en auf der Grund­la­ge eines feh­ler­haf­ten Pro­spekts pflicht­wid­rig falsch bera­ten wor­den.

In sei­ner Urteils­be­grün­dung hat das Ober­lan­des­ge­richt Hamm dar­auf abge­stellt, dass die Beklag­te die Pflicht gehabt habe, die Klä­ger anle­ger- und objekt­ge­recht zu bera­ten. Die­se Pflicht habe sie ver­letzt. Sie habe die Klä­ger anhand eines für sie erkenn­bar feh­ler­haf­ten Anla­ge­pro­spekts zum VIP 3 bera­ten, ohne die Pro­spekt­män­gel rich­tig zu stel­len. Zu Unrecht bezeich­ne der Pro­spekt den VIP 3 als "Garan­tie­fonds". Das Anla­ge­kon­zept sehe gar nicht vor, dass die Rück­zah­lung des inves­tier­ten Kapi­tals an die Anle­ger garan­tiert wer­de. Viel­mehr stel­le der Pro­spekt das mit der Zeich­nung der Fonds­be­tei­li­gung ver­bun­de­ne Ver­lust­ri­si­ko unzu­rei­chend und ver­harm­lo­send dar, indem dem Anle­ger eine beson­de­re, aber tat­säch­lich nicht vor­han­de­ne Absi­che­rung des von ihm ein­ge­setz­ten Kapi­tals sug­ge­riert wer­de. Die ange­nom­me­ne Absi­che­rung ihres Anla­ge­ka­pi­tals sei jedoch – wie die per­sön­li­che Anhö­rung der Klä­ger erge­ben habe – ein maß­geb­li­ches Kri­te­ri­um für die Anla­ge­ent­schei­dung gewe­sen. Die Pflicht­ver­let­zung der Beklag­ten fol­ge aus der Ver­wen­dung des fal­schen Pro­spekts. Den Nach­weis, dass ihre Bera­ter die Pro­spekt­feh­ler in den jewei­li­gen Bera­tungs­ge­sprä­chen berich­tigt hät­ten, habe die Beklag­te nicht geführt. Es sei nicht anzu­neh­men, dass die Klä­ger die Anla­ge im VIP 3 auch bei ord­nungs­ge­mä­ßer Auf­klä­rung gezeich­net hät­ten. Unter Berück­sich­ti­gung zwi­schen­zeit­lich erfolg­ter Aus­schüt­tun­gen hat­das Ober­lan­des­ge­richt die Beklag­te dazu ver­ur­teilt, den Klä­gern ihre Betei­li­gun­gen am VIP 3 zu erset­zen.

Eine Haf­tung der Beklag­ten für die ver­mit­tel­te Anla­ge im Medi­en­fonds VIP 2 hat es dage­gen abge­lehnt, weil der Anla­ge­pro­spekt zu die­sem Fonds kei­ne wesent­li­chen Feh­ler auf­ge­wie­sen und die Klä­ge­rin nicht nach­ge­wie­sen habe, dass sie vom Bera­ter der Beklag­ten nicht anle­ger- und/​oder objekt­ge­recht bera­ten wor­den sei. In bei­den Fäl­len war – so der aus­drück­li­che Hin­weis des Ober­lan­des­ge­richts Hamm – der Umstand nicht haf­tungs­be­grün­dend, dass die Beklag­te den Klä­gern bei der Ver­mitt­lung der Fonds­be­tei­li­gun­gen die Höhe der von ihr für die Ver­mitt­lung bezo­ge­nen Rück­ver­gü­tun­gen ver­schwie­gen hat­te. In den Fäl­len der gesell­schafts­recht­li­chen Aus­glie­de­rung der Anla­ge­be­ra­tung aus dem Tätig­keits­feld eines Kre­dit­in­sti­tuts in eine 100 %ige Toch­ter­ge­sell­schaft ist die­se Toch­ter­ge­sell­schaft nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­ho­fes 1 wie ein frei­er Anla­ge­be­ra­ter – und damit anders als das Kre­dit­in­sti­tut selbst – in der Regel nicht zur unge­frag­ten Auf­klä­rung über Ver­mitt­lungs­pro­vi­sio­nen ver­pflich­tet.

Ober­lan­des­ge­richt Hamm, Urtei­le vom 14. Novem­ber und 17. Dezem­ber 2013 – 34 U 147/​11, 34 U 110/​11

  1. BGH, Urteil vom 19.07.2012 – III ZR 308/​11[]