Scho­ko­la­den­stäb­chen und Informationsfreiheit

Das Infor­ma­ti­ons­frei­heits­ge­setz fin­det auf die Akten­ein­sicht Drit­ter in Ver­fah­ren in Mar­ken­an­ge­le­gen­hei­ten kei­ne Anwen­dung. Für die Akten­ein­sicht in die Ver­fah­rens­ak­ten über einen Antrag auf Schutz­ent­zie­hung einer IR-Mar­ke braucht ein berech­tig­tes Inter­es­se nicht glaub­haft gemacht zu werden.

Scho­ko­la­den­stäb­chen und Informationsfreiheit

Im hier ent­schie­de­nen Fall ver­neint der Bun­des­ge­richts­hof zunächst ein Recht auf Ein­sicht nach dem Gesetz zur Rege­lung des Zugangs zu Infor­ma­tio­nen des Bun­des (Infor­ma­ti­ons­frei­heits­ge­setz) [1] zuläs­sig. Auf die Ein­sicht Drit­ter in die Akten in Ver­fah­ren in Mar­ken­an­ge­le­gen­hei­ten (§§ 32 bis 96 Mar­kenG) fin­det das Infor­ma­ti­ons­frei­heits­ge­setz nach sei­nem § 1 Abs. 3 kei­ne Anwen­dung. Nach die­ser Bestim­mung gehen Rege­lun­gen in ande­ren Rechts­vor­schrif­ten über den Zugang zu amt­li­chen Infor­ma­tio­nen mit Aus­nah­me des § 29 des Ver­wal­tungs­ver­fah­rens­ge­set­zes und des § 25 des Zehn­ten Buches des Sozi­al­ge­setz­bu­ches vor. Zu den dem Infor­ma­ti­ons­frei­heits­ge­setz vor­ran­gi­gen Rege­lun­gen gehö­ren die Bestim­mun­gen des Mar­ken­ge­set­zes über die Akten­ein­sicht [2]. Die Akten- und Regis­ter­ein­sicht beim Deut­schen Patent- und Mar­ken­amt rich­tet sich nach § 62 Mar­kenG. Die Vor­schrift ist nach § 82 Abs. 3 Mar­kenG im Beschwer­de­ver­fah­ren vor dem Bun­des­pa­tent­ge­richt ent­spre­chend anwend­bar; sie gilt auch im Rechts­be­schwer­de­ver­fah­ren [3].

Nach § 62 Abs. 2 i.V.m. § 82 Abs. 3 Mar­kenG ist grund­sätz­lich Ein­sicht in die Gerichts- und Ver­fah­rens­ak­ten zu gewäh­ren, die eine ein­ge­tra­ge­ne Mar­ke betref­fen. Dies gilt nach §§ 107, 119 Mar­kenG auch für das Ver­fah­ren über den Antrag auf Schutz­ent­zie­hung einer IR-Mar­ke, das nach § 115 Abs. 1, § 124 Mar­kenG an die Stel­le des Antrags auf Löschung einer ein­ge­tra­ge­nen Mar­ke tritt.

Für die Akten­ein­sicht braucht anders als bei der Ein­sicht in die Akten von Mar­ken­an­mel­dun­gen nach § 62 Abs. 1 Mar­kenG [4] ein berech­tig­tes Inter­es­se nicht glaub­haft gemacht zu wer­den. Ob aus­nahms­wei­se einer (unbe­schränk­ten) Akten­ein­sicht schutz­wür­di­ge Belan­ge der Ver­fah­rens­be­tei­lig­ten ent­ge­gen­ste­hen kön­nen [5] braucht vor­lie­gend nicht ent­schie­den zu wer­den. Die Ver­fah­rens­be­tei­lig­ten haben der begehr­ten Akten­ein­sicht zwar wider­spro­chen. Sie haben ein berech­tig­tes Inter­es­se, das aus­nahms­wei­se einer (unbe­schränk­ten) Akten­ein­sicht ent­ge­gen­ste­hen könn­te, aber nicht dar­ge­legt und glaub­haft gemacht. Ein sol­ches Inter­es­se ist auch nicht ersichtlich.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 30. Novem­ber 2011 – I ZB 56/​11 [Scho­ko­la­den­stäb­chen]

  1. vom 05.09.2005, BGBl. I, S. 2722[]
  2. vgl. Büscher in Büscher/​Dittmer/​Schiwy, Gewerb­li­cher Recht­schutz, Urhe­ber­recht, Medi­en­recht, 2. Aufl., § 62 Mar­kenG Rn. 3; Fezer, Mar­ken­recht, 4. Aufl., § 62 Rn. 1; Kir­schneck in Ströbele/​Hacker, Mar­kenG, 10. Aufl., § 62 Rn. 1[]
  3. vgl. BGH, Beschluss vom 06.10.2005 I ZB 11/​04, Beck­RS 2005, 12319 mwN[]
  4. vgl. auch BGH, Beschluss vom 10.04.2007 I ZB 15/​06, GRUR 2007, 628 Rn. 13 f. = WRP 2007, 788 MOON[]
  5. beja­hend Büscher in Büscher/​Dittmer/​Schiwy aaO § 62 Mar­kenG Rn. 15; Fezer aaO § 62 Rn. 5; Kir­schneck in Ströbele/​Hacker aaO § 62 Rn.20; ver­nei­nend Ingerl/​Rohnke, Mar­kenG, 3. Aufl., § 62 Rn. 5; Fezer/​Grabrucker, Hand­buch der Mar­ken­pra­xis, Bd. 1, Sei­te 233 f. Rn. 56[]