Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­recht­li­che Wege­rech­te

Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­recht­li­che Wege­rech­te sind seit dem Inkraft­tre­ten des Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­ge­set­zes 2004 nicht mehr rechts­nach­fol­ge­fä­hig.

Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­recht­li­che Wege­rech­te

Das Recht, Ver­kehrs­we­ge für öffent­li­chen Zwe­cken die­nen­de Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­li­ni­en unent­gelt­lich zu benut­zen (sog. tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­recht­li­ches Wege­recht) steht dem Bund zu, der es durch die Bun­des­netz­agen­tur auf Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­un­ter­neh­men über­trägt. Ein Über­gang des Wege­rechts von einem Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­un­ter­neh­men auf ein ande­res im Wege der Ein­zel­rechts­nach­fol­ge oder der Gesamt­rechts­nach­fol­ge ist nach dem Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­ge­setz 2004 – anders als unter der Gel­tung des Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­ge­set­zes 1996 – nicht mehr mög­lich. Betrof­fen von die­ser Rechts­än­de­rung sind auch Wege­rech­te, die vom Bund noch nach den Bestim­mun­gen des Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­ge­set­zes 1996 über­tra­gen wor­den sind. Dies hat das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in Leip­zig heu­te ent­schie­den.

Nach dem Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­ge­setz 1996 bedurf­te einer Lizenz, wer Über­tra­gungs­we­ge für Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­leis­tun­gen für die Öffent­lich­keit betrieb. Das für die Ver­le­gung von Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­lei­tun­gen erfor­der­li­che Wege­recht wur­de zusam­men mit der Lizenz über­tra­gen und in der Lizenz­ur­kun­de doku­men­tiert. Die Ver­kehrs­fä­hig­keit der Lizenz und damit des an sie gekop­pel­ten Wege­rechts war aus­drück­lich gere­gelt. Mit dem Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­ge­setz 2004 ist die Lizenz­pflicht für Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­dienst­leis­tun­gen abge­schafft und durch eine blo­ße Mel­de­pflicht ersetzt wor­den. Das tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­recht­li­che Wege­recht wird vom Bund als iso­lier­tes Nut­zungs­recht über­tra­gen.

In dem hier vom Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt ent­schie­de­nen Fall hat­te die Bun­des­netz­agen­tur einer Rechts­vor­gän­ge­rin der Klä­ge­rin im Jahr 2002 eine Lizenz­ur­kun­de aus­ge­stellt, die auch die Über­tra­gung des tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­recht­li­chen Wege­rechts aus­wies. Die letz­te Rechts­in­ha­be­rin – wie die Klä­ge­rin eine juris­ti­sche Per­son – erlosch im Zuge einer Umwand­lung im Jahr 2008 und die Klä­ge­rin wur­de ihre Gesamt­rechts­nach­fol­ge­rin. Die Bun­des­netz­agen­tur erließ dar­auf­hin eine Ver­fü­gung, dass die Klä­ge­rin die Lizenz­ur­kun­de aus­zu­hän­di­gen habe. Nach dem Außer­kraft­tre­ten des Lizenz­sys­tems habe auch das tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­recht­li­che Wege­recht nicht mehr auf die Klä­ge­rin über­ge­hen kön­nen und sei des­halb mit dem Erlö­schen der letz­ten Rechts­in­ha­be­rin gegen­stands­los gewor­den.

Das erst­in­stanz­lich hier­mit befass­te Ver­wal­tungs­ge­richt Köln hat der von der Klä­ge­rin erho­be­nen Anfech­tungs­kla­ge statt­ge­ge­ben 1, das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt für das Land Nord­rhein-West­fa­len in Müns­ter hat dage­gen die Kla­ge auf die Beru­fung der Beklag­ten hin abge­wie­sen 2. Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat dies nun bestä­tigt und die Revi­si­on der Klä­ge­rin zurück­ge­wie­sen:

Die Über­tra­gung des tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­recht­li­chen Wege­rechts hat stets von der Erfül­lung der sub­jek­ti­ven Vor­aus­set­zun­gen der Zuver­läs­sig­keit, Leis­tungs­fä­hig­keit und Fach­kun­de abge­han­gen, deren Erfül­lung und Siche­rung grund­sätz­lich bei jeder Rechts­nach­fol­ge erneut in Fra­ge steht.

Trotz die­ses über­wie­gen­den Per­so­nen­be­zugs war das Wege­recht unter der Gel­tung des Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­ge­set­zes 1996 einer Rechts­nach­fol­ge zugäng­lich, weil der Gesetz­ge­ber die Lizenz, an die das Wege­recht gekop­pelt war, mit Rück­sicht auf ihre wirt­schaft­li­che Bedeu­tung ver­kehrs­fä­hig aus­ge­stal­tet hat­te. Die­ser Grund für eine Ver­kehrs­fä­hig­keit – auch – des Wege­rechts ist mit der Abschaf­fung des Lizenz­sys­tems durch das Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­ge­setz 2004 ent­fal­len. Eine aus­drück­li­che Rege­lung der Ver­kehrs­fä­hig­keit gibt es nicht mehr.

Die Sys­te­ma­tik der Bestim­mun­gen über das Wege­recht schließt ihre Annah­me aus. Die­se Bestim­mun­gen gel­ten auch für die bei Inkraft­tre­ten des Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­ge­set­zes 2004 bestehen­den Wege­rech­te. Der Gesetz­ge­ber hat ledig­lich ange­ord­net, dass die­se Wege­rech­te als sol­che wirk­sam blei­ben, das heißt nicht neu bean­tragt wer­den müs­sen.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, urteil vom 29. April 2015 – 6 C 39.2013 -

  1. VG Köln, urteil vom 27.10.2011 – 1 K 8589/​09[]
  2. OVG NRW, urteil vom 27.02.2013 – 13 A 2661/​11[]