Scha­den an "Ope­ra­ti­on Wal­kü­re"

In Deutsch­land besteht ein Han­dels­brauch, wonach ein Kopier­werk kei­nen Scha­dens­er­satz leis­ten muss, wenn im Rah­men des Bear­bei­tungs­pro­zes­ses das Film­ma­te­ri­al beschä­digt wird – zumin­dest solan­ge nicht, wie die Schä­di­gung nicht vor­sätz­lich geschieht. Die­ser Han­dels­brauch greift auch, wenn der Kopier­auf­trag von einem im Aus­land ansäs­si­gen Film­pro­du­zen­ten erteilt wur­de.

Scha­den an "Ope­ra­ti­on Wal­kü­re"

Mit die­ser Begrün­dung hat das Land­ge­richt Mün­chen I die Kla­ge einer Ver­si­che­rung abge­wie­sen, die von einem Kopier­werk 300.000,00 Euro erstat­tet haben woll­te. Im Jahr 2007 war ein Film mit Tom Crui­se in der Haupt­rol­le gedreht wor­den, bei dem es um das Atten­tat auf Hit­ler vom 20. Juli 1944 geht und der unter dem Titel „Ope­ra­ti­on Wal­kü­re“ in die deut­schen Kinos kam. Just das Film­ma­te­ri­al, auf dem die im Ber­li­ner Bend­ler­block gedreh­ten Sze­nen ent­hal­ten waren, war sei­ner­zeit beschä­digt wor­den. Der Nach­dreh kos­te­te über 300.000 € – Geld, das die Ver­si­che­rung des Film­pro­du­zen­ten nun vom Münch­ner Kopier­werk haben woll­te. Dort waren die Film­spu­len ent­wi­ckelt wor­den. Und dort, so der Vor­trag der Ver­si­che­rung, sei auch der Scha­den ent­stan­den.

Zwar konn­te letzt­lich nicht geklärt wer­den, wo und wie der Scha­den ent­stan­den war, aber nach Auf­fas­sung des Land­ge­richts muss das Kopier­werk nicht zah­len. Das Gericht hat­te ein Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­ten in Auf­trag gege­ben, um fest­zu­stel­len, ob es – wie vom Kopier­werk behaup­tet – einen Han­dels­brauch in die­sem Bereich gibt, nach dem in Deutsch­land im Fal­le von beim Kopier­werk ent­stan­de­nen Schä­den am Film­ne­ga­tiv die Ver­si­che­rung des Film­pro­du­zen­ten kei­nen Regress beim Kopier­werk nimmt. Durch das erhol­te Gut­ach­ten war das bestä­tigt wor­den, so dass nur noch eine Haf­tung für vor­sätz­li­ches Ver­hal­ten im Raum stand. Aus den Aus­sa­gen der hier­zu ange­hör­ten Zeu­gen ergab sich aller­dings nichts dafür, dass Mit­ar­bei­ter des Kopier­werks das Film­ma­te­ri­al vor­sätz­lich beschä­digt hat­ten.

Land­ge­richt Mün­chen I, Urteil vom 8. März 2012 – 7 O 16629/​08