Ver­wechs­lungs­schutz oder Bekannt­heits­schutz?

Im Ver­hält­nis zum Ver­wechs­lungs­schutz stellt die Gel­tend­ma­chung einer iden­ti­schen Ver­let­zung der Mar­ke im Sin­ne von § 14 Abs. 2 Nr. 1 Mar­kenG den­sel­ben Streit­ge­gen­stand dar. Wer­den aus einem Schutz­recht sowohl Ansprü­che wegen Ver­wechs­lungs­schutz nach § 14 Abs. 2 Nr. 2 als auch wegen Bekannt­heits­schutz nach § 14 Abs. 2 Nr. 3 Mar­kenG gel­tend gemacht, han­delt es sich eben­falls um einen ein­heit­li­chen Streit­ge­gen­stand 1.

Ver­wechs­lungs­schutz oder Bekannt­heits­schutz?

Ob eine zei­chen­recht­lich rele­van­te Ver­let­zungs­hand­lung im Inland vor­liegt, hängt davon ab, ob das Ange­bot einen hin­rei­chen­den wirt­schaft­lich rele­van­ten Inlands­be­zug ("com­mer­ci­al effect") auf­weist. Dabei ist eine Gesamt­ab­wä­gung vor­zu­neh­men, bei der auf der einen Sei­te zu berück­sich­ti­gen ist, wie groß die Aus­wir­kun­gen der Kenn­zei­chen­be­nut­zung auf die inlän­di­schen wirt­schaft­li­chen Inter­es­sen des Zei­chen­in­ha­bers sind. Auf der ande­ren Sei­te ist maß­ge­bend, ob und inwie­weit die Rechts­ver­let­zung sich als unver­meid­ba­re Begleit­erschei­nung tech­ni­scher oder orga­ni­sa­to­ri­scher Sach­ver­hal­te dar-stellt, auf die der Inan­spruch­ge­nom­me­ne kei­nen Ein­fluss hat oder ob die­ser etwa – zum Bei­spiel durch die Schaf­fung von Bestell­mög­lich­kei­ten aus dem Inland oder die Lie­fe­rung auch ins Inland – ziel­ge­rich­tet von der inlän­di­schen Erreich­bar­keit pro­fi­tiert 2.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 8. März 2012 – I ZR 75/​10 "OSCAR"

  1. Fort­füh­rung von BGH, Beschluss vom 24.03.2011 – I ZR 108/​09, BGHZ 189, 56 Rn. 3 TÜV I; Urteil vom 17.08.2011 – I ZR 108/​09, GRUR 2011, 1043 Rn. 27 TÜV II[]
  2. Fort­füh­rung von BGH, Urteil vom 13.10.2004 – I ZR 163/​02, GRUR 2005, 431, 433 – HOTEL MARITIME[]