Zen­tra­le Ver­sor­gungs­be­rei­che

Die für einen zen­tra­len Ver­sor­gungs­be­reich i. S. des § 34 Abs. 3 Bau­GB in länd­li­chen Gemein­den (Grund- und Nah­ver­sor­gungs­zen­trum) zumin­dest erfor­der­li­che Sicher­stel­lung einer wohn­ort­na­hen Grund­ver­sor­gung setzt ein Waren­an­ge­bot vor­aus, das den kurz­fris­ti­gen Bedarf und Tei­le des mit­tel­fris­ti­gen Bedarfs abdeckt. Dabei muss das Waren­an­ge­bot zur Deckung des kurz­fris­ti­gen Bedarfs aber nur die wesent­li­chen Bedürf­nis­se des täg­li­chen Bedarfs befrie­di­gen, ins­be­son­de­re die Grund­ver­sor­gung mit Lebens­mit­teln und Dro­ge­rie­ar­ti­keln. Ein Ange­bot von Waren aller Art ist inso­weit nicht erfor­der­lich [1]. Hat ein Lebens­mit­tel­ge­schäft nur sehr ein­ge­schränk­te Öff­nungs­zei­ten (hier: don­ners­tags bis sams­tags), ist sein Waren­an­ge­bot nicht zur Deckung des kurz­fris­ti­gen Bedarfs aus­rei­chend.

Zen­tra­le Ver­sor­gungs­be­rei­che

Wie der Ver­wal­tungs­ge­richts­hof Baden-Würt­tem­berg bereits [2] aus­ge­führt hat, sind zen­tra­le Ver­sor­gungs­be­rei­che im Sin­ne des § 34 Abs. 3 Bau­GB räum­lich abgrenz­ba­re Berei­che einer Gemein­de, denen auf­grund vor­han­de­ner Ein­zel­han­dels­nut­zun­gen – häu­fig ergänzt durch diver­se Dienst­leis­tun­gen und gas­tro­no­mi­sche Ange­bo­te – eine Ver­sor­gungs­funk­ti­on über den unmit­tel­ba­ren Nah­be­reich hin­aus zukommt [3]. Ent­schei­dend ist, dass der Ver­sor­gungs­be­reich nach Lage, Art und Zweck­be­stim­mung eine für die Ver­sor­gung der Bevöl­ke­rung in einem bestimm­ten Ein­zugs­be­reich zen­tra­le Funk­ti­on hat, wobei zen­tral nicht geo­gra­fisch im Sin­ne einer Innen­stadt­la­ge oder Orts­mit­te, son­dern funk­tio­nal zu ver­ste­hen ist [4]. Wei­ter setzt ein zen­tra­ler Ver­sor­gungs­be­reich im Sin­ne des § 34 Abs. 3 Bau­GB eine inte­grier­te Lage vor­aus, so dass iso­lier­te Stand­or­te mit ein­zel­nen Ein­zel­han­dels­be­trie­ben auch dann kei­nen zen­tra­len Ver­sor­gungs­be­reich bil­den, wenn sie über einen wei­ten Ein­zugs­be­reich ver­fü­gen und eine beacht­li­che Ver­sor­gungs­funk­ti­on erfül­len mögen [5].

Ein zen­tra­ler Ver­sor­gungs­be­reich setzt kei­nen über­ge­meind­li­chen Ein­zugs­be­reich vor­aus. Auch ein Bereich, der auf die Grund- und Nah­ver­sor­gung eines bestimm­ten ört­lich begrenz­ten Ein­zugs­be­reichs zuge­schnit­ten ist, kann eine zen­tra­le Ver­sor­gungs­funk­ti­on über den unmit­tel­ba­ren Nah­be­reich hin­aus wahr­neh­men. Der Zweck des Ver­sor­gungs­be­reichs besteht in die­sem Fall in der Sicher­stel­lung einer wohn­ort­na­hen Grund­ver­sor­gung der im Ein­zugs­be­reich leben­den Bevöl­ke­rung. Ein zen­tra­ler Ver­sor­gungs­be­reich muss jedoch einen gewis­sen, über sei­ne eige­nen Gren­zen hin­aus rei­chen­den räum­li­chen Ein­zugs­be­reich mit städ­te­bau­li­chem Gewicht haben und damit über den unmit­tel­ba­ren Nah­be­reich hin­aus wir­ken. Ob dies der Fall ist, hängt wie­der­um von Struk­tur und Grö­ße der Gemein­de ab [6].

Die für einen zen­tra­len Ver­sor­gungs­be­reich in länd­li­chen Gemein­den (Grund- und Nah­ver­sor­gungs­zen­trum) zumin­dest erfor­der­li­che Sicher­stel­lung einer wohn­ort­na­hen Grund­ver­sor­gung setzt ein Waren­an­ge­bot vor­aus, das den kurz­fris­ti­gen Bedarf und Tei­le des mit­tel­fris­ti­gen Bedarfs abdeckt [7]. Dabei muss das Waren­an­ge­bot zur Deckung des kurz­fris­ti­gen Bedarfs aber nur die wesent­li­chen Bedürf­nis­se des täg­li­chen Bedarfs befrie­di­gen, ins­be­son­de­re die Grund­ver­sor­gung mit Lebens­mit­teln und Dro­ge­rie­ar­ti­keln. Ein Ange­bot von Waren aller Art ist inso­weit nicht erfor­der­lich [8].

Die­se Aus­le­gung folgt aus dem Wort­laut des § 34 Abs. 3 Bau­GB („Ver­sor­gungs­be­rei­che“) und dem mit die­ser Vor­schrift ver­folg­ten Ziel, gewach­se­ne städ­te­bau­li­che Struk­tu­ren zu erhal­ten und inte­grier­te Lagen auch im Inter­es­se der ver­brau­cher­na­hen Ver­sor­gung zu ent­wi­ckeln [9]. Von einer ver­brau­cher­na­hen Ver­sor­gung kann in länd­li­chen Gemein­den nur gespro­chen wer­den, wenn die wesent­li­chen Bedürf­nis­se des täg­li­chen Bedarfs durch das vor Ort vor­han­de­ne Waren­an­ge­bot abge­deckt wer­den. Dies sind ins­be­son­de­re Lebens­mit­tel und Dro­ge­rie­ar­ti­kel. Ein Ange­bot von Waren aller Art ist zur Grund­ver­sor­gung nicht nötig und in sol­chen länd­li­chen und zumeist klei­ne­ren Gemein­den regel­mä­ßig auch nicht mög­lich. Zu den zu erhal­ten­den städ­te­bau­li­chen Struk­tu­ren gehö­ren in den genann­ten Gemein­den auch die dort übli­cher­wei­se vor­han­de­nen Ein­zel­han­dels­ge­schäf­te mit einem ein­ge­schränk­ten Ange­bot zur Deckung des mit­tel­fris­ti­gen Bedarfs. Ist man­gels hin­rei­chend brei­ten Waren­an­ge­bots kei­ne ver­brau­cher­na­he Ver­sor­gung gewähr­leis­tet, ist der Anwen­dungs­be­reich des § 34 Abs. 3 Bau­GB nicht eröff­net. Sinn und Zweck des § 34 Abs. 3 Bau­GB ist nicht, ein­zel­ne Betrie­be vor der Ansied­lung von Kon­kur­renz zu schüt­zen [10].

Ver­wal­tungs­ge­richts­hof Baden-Würt­tem­berg, Urteil vom 20. April 2012 – 8 S 198/​11

  1. a. A. wohl OVG NRW, Urteil vom 11.12.2006 – 7 A 964/​05, NVwZ 2007, 727[]
  2. in VGH Bad.-Württ., Urteil vom 14.12.2011 – 8 S 1438/​09[]
  3. vgl. BVerwG, Urteil vom 11.10.2007 – 4 C 7.07, BVerw­GE 129, 307 = NVwZ 2008, 308[]
  4. vgl. BVerwG, Urteil vom 17.12.2009 – 4 C 2.08, BVerw­GE 136, 10 = NVwZ 2010, 590; vgl. auch Beschluss vom 20.11.2006 – 4 B 50.06, BRS 70 Nr. 114[]
  5. vgl. BVerwG, Urteil vom 17.12.2009, a.a.O.[]
  6. vgl. – zum gesam­ten Absatz – BVerwG, Urteil vom 17.12.2009, a.a.O.[]
  7. so bereits OVG NRW, Urteil vom 11.12.2006 – 7 A 964/​05, NVwZ 2007, 727; und – im Anschluss dar­an – Nds. OVG, Beschluss vom 12.11.2007 – 1 ME 276/​07, BauR 2008, 1418[]
  8. a. A. wohl OVG NRW, Urteil vom 11.12.2006, a.a.O.[]
  9. vgl. VGH Bad.-Württ., Urteil vom 14.12.2011, a.a.O.[]
  10. vgl. OVG NRW, Urteil vom 11.12.2006, a.a.O.[]