Aau­ßer­ge­richt­li­che Bera­tungs­kos­ten im Kos­ten­fest­set­zungs­ver­fah­ren

Außer­ge­richt­li­che Bera­tungs­kos­ten im Kos­ten­fest­set­zungs­ver­fah­ren sind nicht erstat­tungs­fä­hig.

Aau­ßer­ge­richt­li­che Bera­tungs­kos­ten im Kos­ten­fest­set­zungs­ver­fah­ren

Erstat­tungs­fä­hig sind gemäß § 91 Abs. 1 ZPO nur die­je­ni­gen Kos­ten, die zur zweck­ent­spre­chen­den Rechts­ver­fol­gung bzw. Rechts­ver­tei­di­gung not­wen­dig waren. Ob eine Maß­nah­me not­wen­dig war, rich­tet sich zunächst grund­sätz­lich danach, ob eine ver­stän­di­ge und wirt­schaft­lich ver­nünf­ti­ge Par­tei die Kos­ten aus­lö­sen­de Maß­nah­me im Zeit­punkt ihrer Ver­an­las­sung als sach­dien­lich anse­hen durf­te. Die Par­tei darf also ihr berech­tig­tes Inter­es­se ver­fol­gen und die zur vol­len Wahr­neh­mung ihrer Belan­ge erfor­der­li­chen Schrit­te ergrei­fen 1. Die­ses Recht der Par­tei gilt indes nicht schran­ken­los. Die Par­tei ist ver­pflich­tet, die Kos­ten ihrer Pro­zess­füh­rung, die sie bei einem Obsie­gen vom Geg­ner erstat­tet haben will, so nied­rig zu hal­ten, wie sich dies mit der Wah­rung ihrer berech­tig­ten Belan­ge ver­ein­ba­ren lässt 2. § 91 ZPO bringt inso­weit das Gebot einer spar­sa­men bzw. öko­no­mi­schen Pro­zess­füh­rung zum Aus­druck, wel­ches als Aus­prä­gung des die gesam­te Pri­vat­rechts­ord­nung und das Pro­zess­recht beherr­schen­den Prin­zips von Treu und Glau­ben wie auch der Scha­dens­min­de­rungs­pflicht i. S. von § 254 BGB ver­stan­den wird 3. Der pro­zes­sua­le Erstat­tungs­an­spruch besteht daher nur in den Gren­zen einer spar­sa­men, nicht aber der einer opti­ma­len Pro­zess­füh­rung 4.

Danach sind die Kos­ten eines Rechts­an­walts zu erstat­ten, soweit die ein­zel­ne Maß­nah­me zur zweck­ent­spre­chen­den Füh­rung des Rechts­streits not­wen­dig war 5.

Vor­lie­gend haben sich die Antrag­stel­ler im Ver­fah­ren nicht von einem Anwalt ver­tre­ten las­sen, so dass dafür kei­ne – nach der Kos­ten­grund­ent­schei­dung nun­mehr zu erstat­ten­den – Rechts­an­walts­ge­büh­ren nach dem RVG ent­stan­den sind. Dass die­se fik­ti­ven und tat­säch­lich nicht ent­stan­de­nen Rechts­an­walts­kos­ten für eine anwalt­li­che Ver­tre­tung im Ver­fah­ren höher wären als die tat­säch­li­chen Kos­ten der erfolg­ten Bera­tung sind, kann für sich genom­men jedoch kei­ne Begrün­dung dafür bil­den, dass die in Bezug zu den nicht ent­stan­de­nen fik­ti­ven Kos­ten gerin­ge­ren tat­säch­li­chen Kos­ten allein wegen der Kos­ten­er­spar­nis dadurch zu not­wen­di­gen Kos­ten der Rechts­ver­fol­gung wer­den. Das Land­ge­richt hat sei­ne Kos­ten­fest­set­zung inso­weit aber ledig­lich damit begrün­det, dass die fest­ge­setz­ten Kos­ten unter den Kos­ten gemäß RVG lie­gen wür­den und hat sich mit den dies­be­züg­li­chen Ein­wän­den der Antrags­geg­ne­rin weder im Kos­ten­fest­set­zungs­be­schluss noch im Nicht­ab­hil­fe­be­schluss näher aus­ein­an­der­ge­setzt.

Vor allem aber wird die Fest­set­zung von Gebüh­ren, die durch außer­ge­richt­li­che Anwalts­tä­tig­keit ent­stan­den sind, im Kos­ten­fest­set­zungs­ver­fah­ren nach § 104 ff ZPO über­wie­gend abge­lehnt 6, auch wenn die­se Kos­ten als pro­zess­be­zo­gen und damit dem Grun­de nach erstat­tungs­fä­hig anzu­se­hen sein soll­ten.

Bei der Rats­ge­bühr nach § 34 RVG – wie sie vor­lie­gend der Sache nach von den Antrag­stel­lern gel­tend gemacht wird – han­delt es sich um eine ver­ein­bar­te Gebühr, wel­che grund­sätz­lich als im Kos­ten­fest­set­zungs­ver­fah­ren nicht erstat­tungs­fä­hig ange­se­hen wird, son­dern die ggf. im Wege eines mate­ri­ell-recht­li­chen Kos­ten­er­stat­tungs­an­spruchs ein­zu­kla­gen ist, weil sich das auf ver­ein­fach­te und kla­re Prü­fungs­kri­te­ri­en zuge­schnit­te­ne Kos­ten­fest­set­zungs­ver­fah­ren nicht für die Fest­set­zung von Beträ­gen aus Hono­rar­ver­ein­ba­run­gen eig­net 7.

Eben­so wenig sind die Kos­ten für die Kor­re­spon­denz mit pau­schal 10, 00 € von der Antrags­geg­ne­rin an die Antrag­stel­ler zu erstat­ten.

Der all­ge­mei­ne Pro­zess­auf­wand, wie z.B. die Pro­zess­vor­be­rei­tung durch Durch­ar­bei­ten des Pro­zess­stof­fes, Fer­ti­gung von Schrift­sät­zen, Recher­chen, Samm­lung und Sich­tung von Tat­sa­chen- und Beweis­ma­te­ri­al, stellt für die Par­tei grund­sätz­lich kei­nen im Wege der Kos­ten­fest­set­zung erstat­tungs­fä­hi­ge Posi­ti­on dar 8. Zu den grund­sätz­lich inso­weit jedoch erstat­tungs­fä­hi­gen Kos­ten der Par­tei für die Pro­zess­vor­be­rei­tung zäh­len hin­ge­gen Foto­ko­pi­en, Post – und Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­dienst­leis­tun­gen, wenn die­se für eine zweck­ent­spre­chen­de Rechts­ver­fol­gung not­wen­dig waren 9.

Aller­dings hängt die Erstat­tungs­fä­hig­keit von Tele­fon, Kopi­er- und Por­to­kos­ten von einer aus­rei­chen­den Dar­le­gung des Antrag­stel­lers ab, weil die Kos­ten nur in der tat­säch­lich ent­stan­den Höhe zu erstat­ten sind. Für Pau­scha­len – wie sie das RVG vor­sieht – ist bezüg­lich der Par­tei jedoch kein Raum; Pau­schal­ver­gü­tun­gen kön­nen nur Rechts­an­wäl­te und Rechts­bei­stän­de ver­lan­gen 10. Der Beklag­te hat zu sei­nen Kor­re­spon­denz­kos­ten kon­kret jedoch nicht vor­ge­tra­gen.

Ober­lan­des­ge­richt Cel­le, Beschluss vom 03. Janu­ar 2014 – 2 W 275/​13

  1. vgl. BGH Fam­RZ 2004, 866 f., Rn. 27 Juris[]
  2. vgl. BGH – VI ZB 7/​12 – Beschluss vom 10.07.2012; BGH NJW 2007, 2257; BVerfG NJW 1990, 3072, 3073; Ober­lan­des­ge­richt – 2 W 238/​13 – Beschluss vom 29.10.2013; Zöller/​Herget, ZPO, 30. Aufl., § 91 Rn. 12[]
  3. vgl. Münch­Komm-BGB/Gie­bel, ZPO, 3. Auf­la­ge, § 91 Rn. 38[]
  4. vgl. Ober­lan­des­ge­richt a.a.O.; OLG Jena OLG-NL 2006, 207, 208; Münch­Komm-BGB/Gie­bel, a. a. O.[]
  5. vgl. Zöller/​Herget, a.a.O., § 91 Rn. 13 "Rechts­an­walt"[]
  6. vgl. Zöller/​Herget a.a.O. § 104 Rn. 21 "außer­ge­richt­li­che Anwalts­kos­ten" m.w.N.; OLG Ros­tock Jur­Bü­ro 2008, 371-372; aA: LG Ber­lin AGS 2008, 268 – 269[]
  7. vgl. Zöl­ler a.a.O. § 91 Rn. 13 "Rats­ge­bühr"; OLG Ros­tock Jur­Bü­ro 2008, 371-372 m.w.N.[]
  8. vgl. Zöl­ler a.a.O. § 91 Rn. 13 "all­ge­mei­ner Pro­zess­auf­wand" m.w.N.[]
  9. vgl. OLG Schles­wig Jur­Bü­ro 1992, 172; LG Bonn AGS 200, 596[]
  10. vgl. OLG Ros­tock, Jur­Bü­ro 2008, 371-372; OLG Sach­sen-Anhalt, Beschluss vom 04.12.2002, 11 W 134/​02, Rn. 6 Juris; OLG Koblenz AnwBl.1996, 412[]