Bestel­lung einer Immo­bi­li­ar­si­cher­heit – und der Ver­brau­cher­schutz

Die Mit­glied­staa­ten der EU sind zur Wah­rung der den Ver­brau­chern nach der Richt­li­nie 93/​13 zuste­hen­den Rech­te ver­pflich­tet, Schutz­maß­nah­men zu erlas­sen, um der Ver­wen­dung als miss­bräuch­lich ein­ge­stuf­ter Klau­seln ein Ende zu set­zen. Dabei ist von den natio­na­len Gerich­ten das Grund­recht auf eine Woh­nung zu berück­sich­ti­gen.

Bestel­lung einer Immo­bi­li­ar­si­cher­heit – und der Ver­brau­cher­schutz

So hat der Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on in dem hier vor­lie­gen­den Vor­aben­schei­dungs­er­su­chen enschie­den, mit dem der der Kra­js­ký súd v Prešo­ve (Regio­nal­ge­richt Prešov, Slo­wa­kei) als Rechts­mit­tel­ge­richt den Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on ange­ru­fen hat. Er möch­te wis­sen, ob die Ver­trags­klau­sel über die außer­ge­richt­li­che Ver­wer­tung der auf der Immo­bi­lie las­ten­den Sicher­heit miss­bräuch­lich ist.

Die Richt­li­nie 93/​13/​EWG dient zur Anglei­chung der Rechts- und Ver­wal­tungs­vor­schrif­ten der Mit­glied­staa­ten über miss­bräuch­li­che Klau­seln in Ver­trä­gen zwi­schen Gewer­be­trei­ben­den und Ver­brau­chern 1. In dem hier vor­lie­gen­den Fall schloss Frau Kuši­o­no­vá im Jahr 2009 mit SMART Capi­tal einen Ver­brau­cher­kre­dit­ver­trag über einen Betrag von 10 000 Euro. Zur Siche­rung der For­de­rung wur­de eine Hypo­thek auf ihr Eigen­heim bestellt. In der Fol­ge erhob Frau Kuši­o­no­vá gegen SMART Capi­tal Kla­ge auf Nich­tig­erklä­rung des Kre­dit­ver­trags und des Ver­trags über die Bestel­lung der Sicher­heit, wobei sie gel­tend mach­te, dass die­se Ver­trä­ge miss­bräuch­li­che Klau­seln ent­hiel­ten. Vor die­sem Hin­ter­grund fragt das Regio­nal­ge­richt der Slo­wa­kei an, ob die Ver­trags­klau­sel miss­bräuch­lich ist. Er führt dazu aus, dass die­se Klau­sel es dem Gläu­bi­ger ermög­li­che, die Ver­wer­tung der Sicher­heit ohne gericht­li­che Kon­trol­le zu betrei­ben.

In sei­ner Ent­schei­dung hat der Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on aus­ge­führt, dass nach der Char­ta der Grund­rech­te der Euro­päi­schen Uni­on die Poli­ti­ken der Uni­on ein hohes Ver­brau­cher­schutz­ni­veau sicher­stel­len. In der Char­ta ist auch das Recht auf einen wirk­sa­men Rechts­be­helf fest­ge­schrie­ben. Dem ist bei der Umset­zung der Richt­li­nie 93/​13 Rech­nung zu tra­gen.

In Bezug auf die Voll­stre­ckung in Sicher­hei­ten, die in Ver­bin­dung mit Dar­le­hens­ver­trä­gen von Ver­brau­chern bestellt wer­den, stellt der Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on fest, dass die Richt­li­nie 93/​13 die Ver­wer­tung von Sicher­hei­ten nicht regelt. Er hebt jedoch her­vor, dass in einer Situa­ti­on wie der hier in Rede ste­hen­den geklärt wer­den muss, inwie­weit es prak­tisch unmög­lich oder über­mä­ßig schwie­rig wäre, den von der Richt­li­nie gewähr­ten Schutz durch­zu­set­zen. Im vor­lie­gen­den Fall geht aus den Akten her­vor, dass die ein­schlä­gi­gen slo­wa­ki­schen Rechts­vor­schrif­ten zum einen vor­se­hen, dass eine Ver­stei­ge­rung inner­halb von 30 Tagen nach der Mit­tei­lung, dass die Ver­wer­tung der Sicher­heit ein­ge­lei­tet wur­de, ange­foch­ten wer­den kann, und zum ande­ren, dass die Per­son, die sich gegen die Moda­li­tä­ten der Ver­stei­ge­rung wen­det, inner­halb von drei Mona­ten nach der Zuschlags­er­tei­lung tätig wer­den muss.

Der Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on weist fer­ner dar­auf hin, dass die Mit­glied­staa­ten zur Wah­rung der den Ver­brau­chern nach der Richt­li­nie 93/​13 zuste­hen­den Rech­te ver­pflich­tet sind, Schutz­maß­nah­men zu erlas­sen, um der Ver­wen­dung als miss­bräuch­lich ein­ge­stuf­ter Klau­seln ein Ende zu set­zen. Hier­zu müs­sen die natio­na­len Gerich­te und Ver­wal­tungs­be­hör­den über ange­mes­se­ne und wirk­sa­me Mit­tel ver­fü­gen. Ins­be­son­de­re müs­sen die Mit­glied­staa­ten, auch wenn ihnen die Wahl der Sank­tio­nen bei Ver­stö­ßen gegen das Uni­ons­recht über­las­sen bleibt, dafür sor­gen, dass die­se Sank­tio­nen wirk­sam, ver­hält­nis­mä­ßig und abschre­ckend sind. Zur Wirk­sam­keit und zum abschre­cken­den Cha­rak­ter ergibt sich aus den Akten, dass das zustän­di­ge natio­na­le Gericht in einem Ver­fah­ren zur außer­ge­richt­li­chen Ver­wer­tung einer Sicher­heit alle vor­läu­fi­gen Maß­nah­men erlas­sen kann, mit denen die Fort­füh­rung einer sol­chen Ver­wer­tung unter­sagt wird.

Zur Ver­hält­nis­mä­ßig­keit der Sank­ti­on hebt der Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on her­vor, dass der Umstand, dass es sich bei der Immo­bi­lie, die Gegen­stand der Sicher­heit ist, um das Heim der Fami­lie des Ver­brau­chers han­delt, beson­de­rer Beach­tung bedarf. Im Uni­ons­recht ist das Recht auf eine Woh­nung näm­lich ein durch die Char­ta der Grund­rech­te geschütz­tes und von den natio­na­len Gerich­ten bei der Umset­zung der Richt­li­nie 93/​13 zu berück­sich­ti­gen­des Grund­recht.

Im vor­lie­gen­den Fall kommt der Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on zu dem Ergeb­nis, dass die dem zustän­di­gen natio­na­len Gericht eröff­ne­te Mög­lich­keit, vor­läu­fi­ge Maß­nah­men zu erlas­sen, ein ange­mes­se­nes und wirk­sa­mes Mit­tel dar­stel­len könn­te, um der Ver­wen­dung miss­bräuch­li­cher Klau­seln ein Ende zu set­zen; dies zu prü­fen ist Sache des vor­le­gen­den Gerichts.

Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on, Urteil vom 10. Sep­tem­ber 2014 – C‑34/​13, Moni­ka Kušionová/​SMART Capi­tal a.s.

  1. Richt­li­nie 93/​13/​EWG des Rates vom 05.04.1993 über miss­bräuch­li­che Klau­seln in Ver­brau­cher­ver­trä­gen, ABl. L 95, S. 29[]