Daten­wei­ter­ga­be in der Ver­kehrs­un­fall­re­gu­lie­rung

Hat eine Haft­pflicht­ver­si­che­rung im Rah­men der Abwick­lung eines Ver­kehrs­un­falls per­so­nen­be­zo­ge­ne Daten eines Anspruch­stel­lers an ein drit­tes Unter­neh­men zwecks Prü­fung eines ein­ge­reich­ten Schadensgutachtens/​Kostenvoranschlags wei­ter­ge­lei­tet, so kann der Anspruch­stel­ler nicht gemäß § 1004 Abs. 1 Satz 2 BGB i.V.m. § 823 Abs. 1 BGB die Unter­las­sung der Wei­ter­ga­be sei­ner per­so­nen­be­zo­ge­nen Daten ver­lan­gen. Denn unab­hän­gig von der Fra­ge, ob die Wei­ter­ga­be der Daten nach dem Bun­des­da­ten­schutz­ge­setz recht­mä­ßig war, fehlt es an einer Wie­der­ho­lungs­ge­fahr im Sin­ne des § 1004 Abs. 1 Satz 2 BGB, weil die Wei­ter­ga­be der Daten nur der Abwick­lung eines ein­ma­li­gen Unfall­ereig­nis­ses dien­te.

Daten­wei­ter­ga­be in der Ver­kehrs­un­fall­re­gu­lie­rung

Es bedarf daher für das Ober­lan­des­ge­richt Olden­burg kei­ner abschlie­ßen­den Ent­schei­dung, ob die Haft­pflicht­ver­si­che­rung sich im Hin­blick auf die Wei­ter­ga­be der Daten auf § 11 BDSG oder auch auf § 28 BDSG beru­fen kann 1.

Ein Anspruch des Anspruch­stel­lers auf Unter­las­sung der Wei­ter­ga­be sei­ner Daten könn­te sich zwar aus einer ent­spre­chen­den Anwen­dung des § 1004 Abs. 1 Satz 2 BGB in Ver­bin­dung mit § 823 Abs. 1 BGB erge­ben, weil eine durch das Bun­des­da­ten­schutz­ge­setz nicht gedeck­te Über­mitt­lung per­so­nen­be­zo­ge­ner Daten eine Ver­let­zung des all­ge­mei­nen Per­sön­lich­keits­rechts als "sons­ti­ges Recht" im Sin­ne des § 823 Abs. 1 BGB dar­stellt und kei­ne spe­zi­el­len daten­schutz­recht­li­chen Ansprü­che auf Unter­las­sung bestehen 2.

Vor­aus­set­zung für einen Unter­las­sungs­an­spruch ist jedoch, dass "wei­te­re Beein­träch­ti­gun­gen zu besor­gen" sind, also eine Wie­der­ho­lungs­ge­fahr besteht 3. Wie­der­ho­lungs­ge­fahr ist die auf Tat­sa­chen gegrün­de­te objek­ti­ve ernst­li­che Besorg­nis wei­te­rer Stö­run­gen 4. Zwar begrün­det eine vor­an­ge­gan­ge­ne rechts­wid­ri­ge Beein­träch­ti­gung eine tat­säch­li­che Ver­mu­tung für das Bestehen einer Wie­der­ho­lungs­ge­fahr 5. Die­se Ver­mu­tung ist aber dann als wider­legt anzu­se­hen, wenn die Beein­träch­ti­gung durch eine ein­ma­li­ge Son­der­si­tua­ti­on ver­an­lasst ist und eine Wie­der­ho­lung des­halb nicht nahe­liegt 6. So ver­hält es sich – eine rechts­wid­ri­ge Beein­träch­ti­gung unter­stellt – hier.

Mit einer erneu­ten Wei­ter­ga­be von Daten des Anspruch­stel­lers durch die haft­pflicht­ver­si­che­rung ist nicht zu rech­nen. Denn die Wei­ter­ga­be dien­te allein der Abwick­lung des Ver­kehrs­un­falls vom 10.10.2011, die inzwi­schen abge­schlos­sen ist. Lässt man die­ses ein­ma­li­ge Unfall­ereig­nis außer Acht, steht der Anspruch­stel­ler der Haft­pflicht­ver­si­che­rung nicht anders gegen­über als jeder ande­re Ver­kehrs­teil­neh­mer. Die Mög­lich­keit, dass er erneut in einen Ver­kehrs­un­fall ver­wi­ckelt wird, bei dem die Beklag­te als Haft­pflicht­ver­si­che­rer auf der Gegen­sei­te steht, ist von so all­ge­mei­ner Natur, dass sie kei­ne Wie­der­ho­lungs­ge­fahr im Sin­ne des § 1004 Abs. 1 Satz 2 BGB begrün­det. Auch der Umstand, dass die Haft­pflicht­ver­si­che­rung stän­dig mit den Dritt­un­ter­neh­men zusam­men­ar­bei­tet und dabei Daten der Unfall­be­tei­lig­ten zur Ver­fü­gung stellt, begrün­det – für den Anspruch­stel­ler per­sön­lich – kei­ne Wie­der­ho­lungs­ge­fahr.

Ober­lan­des­ge­richt Olden­burg, Urteil vom 23. Dezem­ber 2014 – 13 U 66/​14

  1. vgl. dazu LG Olden­burg, Urteil vom 16.09.2013 – 5 O 2544/​12; Urteil vom 23.06.2014 – 5 O 2226/​12, ZD 2014, 574[]
  2. vgl. BGH, Urteil vom 07.07.1983 – III ZR 159/​82, NJW 1984, 436 14; OLG Düs­sel­dorf, Urteil vom 11.05.2005 – 15 U 196/​04, NJW 2005, 2401 57 ff.; Tae­ger in: Taeger/​Gabel, BDSG, § 4 Rn. 76; Dix in: Simi­tis, BDSG, 8. Aufl., § 35 Rn. 73 m.w.N.[]
  3. vgl. OLG Düs­sel­dorf, aaO, Rn. 58; vgl. auch Gabel in: Taeger/​Gabel, aaO, § 7 Rn. 17 m.w.N.[]
  4. Palandt/​Bassenge, BGB, 74. Aufl., § 1004 Rn. 32 m.w.N.[]
  5. OLG Düs­sel­dorf, aaO, Rn. 59; Palandt/​Bassenge, aaO[]
  6. vgl. OLG Saar­brü­cken, Beschluss vom 02.08.2013 – 1 UH 1/​13, MDR 2013, 1485 22; Beck­OK BGB/​Fritzsche, § 1004 Rn. 83 m.w.N.[]