Der Streit um die Nich­tig­keit eines Grund­stücks­kauf­ver­tra­ges – und der Streit­wert

Der Streit­wert eines Antrags auf Fest­stel­lung der Nich­tig­keit eines Ver­trags bemisst sich nach dem Wert der Leis­tungs­pflicht, von der der Klä­ger frei­ge­stellt wer­den will bzw. nach dem Wert der Leis­tung, die ihm zurück­ge­währt wer­den soll; die Gegen­leis­tung bleibt außer Betracht.

Der Streit um die Nich­tig­keit eines Grund­stücks­kauf­ver­tra­ges – und der Streit­wert

Es ist seit lan­gem umstrit­ten, wie der Streit­wert zu bemes­sen ist, wenn wie hier die Nich­tig­keit eines Ver­trags fest­ge­stellt wer­den soll. Nach einer Ansicht, der das Beru­fungs­ge­richt folgt, ent­spricht das Inter­es­se des Klä­gers an der Befrei­ung von sei­ner Leis­tungs­pflicht der "Ver­schlech­te­rungs­dif­fe­renz", also der Dif­fe­renz zwi­schen Leis­tung und Gegen­leis­tung [1]. Der Bun­des­ge­richts­hof hält die Gegen­auf­fas­sung [2] für rich­tig. Danach bemisst sich der Streit­wert eines Antrags auf Fest­stel­lung der Nich­tig­keit eines Ver­trags nach dem Wert der Leis­tungs­pflicht, von der der Klä­ger frei­ge­stellt wer­den will bzw. nach dem Wert der Leis­tung, die ihm zurück­ge­währt wer­den soll; die Gegen­leis­tung bleibt außer Betracht. Letz­te­res ist bei Strei­tig­kei­ten über die Durch­füh­rung von gegen­sei­ti­gen Ver­trä­gen aner­kannt, weil es den Par­tei­en jeweils um die bean­trag­te Leis­tung in ihrem vol­len wirt­schaft­li­chen Wert geht [3]. Den ent­ge­gen­ge­setz­ten Zweck ver­folgt eine Par­tei, die einen abge­schlos­se­nen Ver­trag für nich­tig hält. Der kla­gen­de Ver­äu­ße­rer möch­te die Sache behal­ten, wäh­rend der kla­gen­de Käu­fer die Gegen­leis­tung nicht ent­rich­ten will. Im einen wie im ande­ren Fall geht es regel­mä­ßig nicht nur um die "Ver­schlech­te­rungs­dif­fe­renz", also um etwai­ge wirt­schaft­li­che Nach­tei­le des Geschäfts, son­dern um die Abwehr der Leis­tungs­pflicht als sol­che [4]. Es kommt hin­zu, dass bei einem aus­ge­wo­ge­nen Ver­hält­nis zwi­schen Leis­tung und Gegen­leis­tung andern­falls ein unan­ge­mes­sen nied­ri­ger Streit­wert fest­ge­setzt wer­den müss­te. Hier ist, da der Klä­ger von der Ver­pflich­tung zur Über­eig­nung des Grund­stücks befreit wer­den will, der Ver­kehrs­wert des Grund­stücks anzu­set­zen. Ein Abschlag ist nicht des­halb vor­zu­neh­men, weil es sich um einen Fest­stel­lungs­an­trag han­delt [5].

Dane­ben kommt dem Antrag auf Bewil­li­gung der Löschung der Auf­las­sungs­vor­mer­kung kein eigen­stän­di­ger Wert zu. Der Ver­kehrs­wert des Grund­stücks bil­det die Ober­gren­ze für den Streit­wert [6].

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 12. März 2020 – V ZR 160/​19

  1. vgl. OLG Braun­schweig, NdsR­pfl 1983, 14 f.; Zöller/​Herget, ZPO, 33. Aufl., § 3 Rn. 16.76 "Fest­stel­lungs­kla­gen"[]
  2. vgl. OLG Koblenz, NJW 1953, 1918; OLG Cel­le, NdsR­pfl 1984, 215; OLG Frank­furt, NJW-RR 2000, 587[]
  3. RGZ 140, 358, 359 f.; Zöller/​Herget, ZPO, 33. Aufl., § 3 Rn. 16.78 "Gegen­leis­tung"; vgl. auch BGH, Beschluss vom 15.04.1999 – V ZR 391/​98, MDR 1999, 1022[]
  4. vgl. OLG Koblenz, NJW 1953, 1918[]
  5. vgl. OLG Frank­furt, NJW-RR 2000, 587[]
  6. vgl. auch BGH, Beschluss vom 26.09.2019 – V ZR 285/​18, GE 2019, 1503[]