Der Streit­hel­fer im Kos­ten­fest­set­zungs­ver­fah­ren

Auch Streit­hel­fer sind im Kos­ten­fest­set­zungs­ver­fah­ren beschwer­de­be­rech­tigt.

Der Streit­hel­fer im Kos­ten­fest­set­zungs­ver­fah­ren

Zwar ist strei­tig, ob im Kos­ten­fest­set­zungs­ver­fah­ren eine Streit­hil­fe mög­lich ist 1.

Die bes­se­ren Grün­de spre­chen nach Ansicht des Schles­wig-Hol­stei­ni­schen Ober­lan­des­ge­richts jedoch dafür, dass zumin­dest ein in dem Rechts­streit bei­getre­te­ner Streit­hel­fer für die von ihm unter­stütz­te Par­tei auch im anschlie­ßen­den Kos­ten­fest­set­zungs­ver­fah­ren ein Rechts­mit­tel ein­le­gen kann.

Der von der Gegen­an­sicht zitier­ten Ent­schei­dung des OLG Karls­ru­he, die sich mit der Streit­hil­fe im sog. Ver­gü­tungs­fest­set­zungs­ver­fah­ren nach § 19 BRAGO befasst, las­sen sich wegen der dor­ti­gen Beson­der­hei­ten des Ver­fah­rens kei­ne Argu­men­te gegen eine Anwend­bar­keit des § 66 ZPO im Kos­ten­fest­set­zungs­ver­fah­ren des §§ 103 ff. ZPO ent­neh­men. Ins­be­son­de­re über­zeugt die Erwä­gung des OLG Cel­le, dass der gesetz­ge­be­ri­sche Zweck der Streit­ver­kün­dung, näm­lich einem Drit­ten die Ein­fluss­nah­me auf ein zwi­schen ande­ren Par­tei­en anhän­gi­ges strei­ti­ges Ver­fah­ren durch Unter­stüt­zung einer Par­tei dann zu ermög­li­chen, wenn sich die Ent­schei­dung die­ses Ver­fah­rens auf die eige­ne Rechts­stel­lung aus­wir­ken kann, auch für das auf Zah­lung eines Geld­be­tra­ges gerich­te­te Kos­ten­fest­set­zungs­ver­fah­ren zutrifft.

Das gilt jeden­falls dann, wenn die­ses Kos­ten­fest­set­zungs­ver­fah­ren die Kos­ten eines vom Streit­hel­fer für die unter­stütz­te Par­tei ein­ge­leg­ten erfolg­lo­sen Beru­fungs­ver­fah­rens betrifft, für das der Streit­hel­fer die Gerichts­kos­ten nach ent­spre­chen­der Auf­for­de­rung durch das Beru­fungs­ge­richt ein­ge­zahlt hat.

Die sofor­ti­ge Beschwer­de war im ent­schie­de­nen Fall auch nicht ver­fris­tet: Da die Streit­hel­fe­rin der Beklag­ten nicht am Kos­ten­fest­set­zungs­ver­fah­ren betei­ligt wor­den und die Über­sen­dung des Kos­ten­fest­set­zungs­be­schlus­ses an sie unter­blie­ben ist, hat der Beschwer­de­schrift­satz jeden­falls die fünf­mo­na­ti­ge Beschwer­de­frist der §§ 104 Abs. 3 S. 1, 569 Abs. 1 S. 1, S 2 Hs. 2 ZPO gewahrt.

Die sofor­ti­ge Beschwer­de der Streit­hel­fe­rin ist auch bereits des­halb begrün­det, weil die Rechts­pfle­ge­rin des Land­ge­richts den Anspruch der Streif­hel­fe­rin des Beklag­ten auf Gewäh­rung recht­li­chen Gehörs gem. Art. 103 GG ver­letzt hat, wes­halb ihre Ent­schei­dung ver­fah­rens­feh­ler­haft zustan­de gekom­men ist. Die Rechts­pfle­ge­rin hät­te die Streit­hel­fe­rin des Beklag­ten am Kos­ten­fest­set­zungs­ver­fah­rens betei­li­gen müs­sen. Die von der Streit­hel­fe­rin gegen die Kos­ten­fest­set­zung vor­ge­brach­ten Ein­wen­dun­gen sind jeden­falls teil­wei­se berech­tigt, wes­halb die vom Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten des Klä­gers gel­tend gemach­ten Kos­ten nicht im vol­len Umfang hät­ten fest­ge­setzt wer­den dür­fen. So weist die Streit­hel­fe­rin zu Recht dar­auf hin, dass die Ter­mins­ge­bühr der Nr. 3202 VV RVG bei einer Zurück­wei­sung der Beru­fung wegen feh­len­der Erfolgs­aus­sicht durch Beschluss gemäß § 522 Abs. 2 ZPO nicht ent­steht 2.

Schles­wig ‑Hol­stei­ni­sches Ober­lan­des­ge­richt, Beschluss vom 16. Dezem­ber 2014 – 9 W 182/​14

  1. dage­gen z.B. Münch­Komm-ZPO/­Schul­tes, § 66 Rn. 2 unter Ver­weis OLG Karls­ru­he, Beschluss vom 25.04.1996 – 11 W 44/​96, NJW-RR 1997, 509; LAG Mün­chen, Beschluss vom 18.09.2008 – 10 Ta 204/​06; dafür OLG Cel­le, Beschluss vom 30.11.2012 – 2 W 306/​12, NJW-RR 2013, 446 ff.; Weth, in Musielak, ZPO 11. Auf­la­ge 2014, § 66 Rn. 3; Her­get, in Zöl­ler, ZPO 30. Auf­la­ge 2014, § 104 Rn. 21 Stich­wort "Neben­in­ter­ven­ti­on"; ohne wei­te­re Begrün­dung OLG Ham­burg, Beschluss vom 05.03.2012 – 8 W 18/​12[]
  2. vgl. nur Maué, in May­er /​Kroiß, Rechts­an­walts­ver­gü­tungs­ge­setz, 6. Auf­la­ge 2013, RVG Nr. 3200 bis 3205 VV, Rn. 13; BGH, Beschluss vom 15.03.2007, V ZB 170/​06, NJW 2007, 2644 Rn. 9[]