Die nicht unterzeichnete Vertragsurkunde

Die Nichtunterzeichnung der Vertragsurkunde führt nach der Auslegungsregel des § 154 Abs. 2 BGB im Zweifel zum Scheitern des Vertragsschlusses.

Die nicht unterzeichnete Vertragsurkunde

Die Auslegungsregel greift allerdings nicht ein, wenn die Vertragsurkunde für die Parteien keine konstitutive Bedeutung hat, der Vertragsschluss also nicht mit der Beurkundung steht und fällt. An einer konstitutiven Bedeutung fehlt es etwa dann, wenn die Vertragsurkunde nur Beweiszwecken dienen soll1. Voraussetzung ist insoweit die Feststellung ausreichender Anhaltspunkte2.

Auch wenn die Parteien den noch nicht unterzeichneten Vertrag einvernehmlich in Vollzug setzen, können sie damit zu erkennen geben, dass der Vertrag wirksam werden soll3.

Bundesgerichtshof, Urteil vom 8. März 2019 – V ZR 343/17

  1. vgl. BGH, Urteil vom 08.10.2008 XII ZR 66/06, NJW 2009, 433 Rn. 27 mwN []
  2. BGH, Urteil vom 14.03.1991 – I ZR 201/89, NJW-RR 1991, 1053, 1054 []
  3. vgl. BGH, Urteil vom 08.10.2008 XII ZR 66/06, NJW 2009, 433 Rn. 28 []