Die Woh­nungs­ei­gen­tü­mer­ge­mein­schaft als Ver­brau­cher

Der Bun­des­ge­richts­hofs hat­te sich aktu­ell mit der Fra­ge zu befas­sen, ob eine in einem Gas­lie­fe­rungs­ver­trag ent­hal­te­ne for­mu­lar­mä­ßi­ge Preis­an­pas­sungs­klau­sel (Span­nungs­klau­sel), nach der sich der Arbeits­preis für die Lie­fe­rung von Gas zu bestimm­ten Zeit­punk­ten aus­schließ­lich in Abhän­gig­keit von der Preis­ent­wick­lung für Heiz­öl ändert, bei ihrer Ver­wen­dung gegen­über einer Woh­nungs­ei­gen­tü­mer­ge­mein­schaft der Inhalts­kon­trol­le nach § 307 Abs. 1 BGB stand­hält.

Die Woh­nungs­ei­gen­tü­mer­ge­mein­schaft als Ver­brau­cher

Ähn­li­che for­mu­lar­mä­ßig ver­ein­bar­te Preis­an­pas­sungs­klau­seln wie die hier ver­wen­de­te hat­te der Bun­des­ge­richts­hof bereits in frü­he­ren Urtei­len bei einer Ver­wen­dung gegen­über Unter­neh­mern als wirk­sam erach­tet 1, bei einer Ver­wen­dung gegen­über Ver­brau­chern jedoch ent­schie­den, dass sie der Inhalts­kon­trol­le nicht stand­hal­ten, soweit sie künf­ti­ge Preis­än­de­run­gen betref­fen 2.

In den drei heu­te ver­han­del­ten Ver­fah­ren haben die Woh­nungs­ei­gen­tü­mer­ge­mein­schaf­ten gel­tend gemacht, dass sie als Ver­brau­cher anzu­se­hen sei­en. Des­we­gen sei die Preis­an­pas­sungs­klau­sel unwirk­sam, so dass sie die vom Ver­sor­gungs­un­ter­neh­men ver­lang­ten erhöh­ten Beträ­ge nicht schul­de­ten bezie­hungs­wei­se ihnen ein Rück­for­de­rungs­an­spruch zuste­he, soweit sie die ver­lang­ten Beträ­ge gezahlt hät­ten.

Im ers­ten Ver­fah­ren 3 geht es dabei um einen Betrag von 184.736, 56 € für einen Lie­fer­zeit­raum von 2 ½ Jah­ren. Das Han­sea­ti­sche Ober­lan­des­ge­richt Ham­burg hat­te in allen Ver­fah­ren ein wirk­sa­mes Preis­an­pas­sungs­recht bejaht und des­halb zuguns­ten des Ver­sor­gungs­un­ter­neh­mens ent­schie­den 4.

Der Bun­des­ge­richts­hof hat die in Lite­ra­tur und Recht­spre­chung umstrit­te­ne Fra­ge, ob die Woh­nungs­ei­gen­tü­mer­ge­mein­schaft als Ver­brau­cher gemäß § 13 BGB anzu­se­hen ist, nun­mehr bejaht. Die Woh­nungs­ei­gen­tü­mer­ge­mein­schaft ist im Inter­es­se des Ver­brau­cher­schut­zes der in ihr zusam­men­ge­schlos­se­nen, nicht gewerb­lich han­deln­den natür­li­chen Per­so­nen regel­mä­ßig einem Ver­brau­cher gleich­zu­stel­len, näm­lich immer dann, wenn ihr wenigs­tens ein Ver­brau­cher ange­hört und sie ein Rechts­ge­schäft zu einem Zweck abschließt, der weder einer gewerb­li­chen noch einer selb­stän­di­gen beruf­li­chen Tätig­keit dient.

Als ent­schei­dend hat der Bun­des­ge­richts­hof ange­se­hen, dass eine natür­li­che Per­son ihre Schutz­wür­dig­keit als Ver­brau­cher nicht dadurch ver­liert, dass sie – durch den Erwerb von Woh­nungs­ei­gen­tum kraft Geset­zes (zwin­gend) – Mit­glied einer Woh­nungs­ei­gen­tü­mer­ge­mein­schaft wird. Hin­zu kommt, dass die Woh­nungs­ei­gen­tü­mer­ge­mein­schaft beim Abschluss von Rechts­ge­schäf­ten mit Drit­ten in der Regel – und damit auch bei Ener­gie­lie­fe­rungs­ver­trä­gen, die – wie hier – der Deckung des eige­nen Bedarfs die­nen – zum Zwe­cke der pri­va­ten Ver­mö­gens­ver­wal­tung ihrer Mit­glie­der und damit nicht zu gewerb­li­chen Zwe­cken han­delt. Dies gilt auch dann, wenn die Woh­nungs­ei­gen­tü­mer­ge­mein­schaft bei Ver­trags­schluss durch eine gewerb­li­che Haus­ver­wal­tung ver­tre­ten wird. Denn für die Abgren­zung von unter­neh­me­ri­schem und pri­va­tem Han­deln im Sin­ne der §§ 13, 14 BGB kommt es im Fal­le einer Stell­ver­tre­tung grund­sätz­lich auf die Per­son des Ver­tre­te­nen an.

Unter Anwen­dung die­ser Grund­sät­ze ist in den hier vom Bun­des­ge­richts­hofs ent­schie­de­nen Ver­fah­ren nach den vom Han­sea­ti­schen Ober­lan­des­ge­richt Ham­burg bereits getrof­fe­nen Fest­stel­lun­gen 5 bzw. nach dem revi­si­ons­recht­lich vom Bun­des­ge­richts­hof zugrun­de zu legen­den Sach­ver­halt 6 von einer Ver­brau­cher­ei­gen­schaft der Woh­nungs­ei­gen­tü­mer­ge­mein­schaf­ten und damit von einer Unwirk­sam­keit der den streit­ge­gen­ständ­li­chen Preis­er­hö­hun­gen zugrun­de lie­gen­den Ver­trags­be­stim­mun­gen aus­zu­ge­hen.

Der Bun­des­ge­richts­hof hat die drei Beru­fungs­ur­tei­le des Han­sea­ti­schen Ober­lan­des­ge­richts Ham­burg 7 des­halb auf­ge­ho­ben und die Ver­fah­ren an das Ober­lan­des­ge­richt in Ham­burg zurück­ver­wie­sen, damit die erfor­der­li­chen Fest­stel­lun­gen zu dem jeweils geschul­de­ten Arbeits­preis – sowie in einem der Ver­fah­ren 3 zur per­so­nel­len Zusam­men­set­zung der Woh­nungs­ei­gen­tü­mer­ge­mein­schaft – nach­ge­holt wer­den kön­nen.

Bun­des­ge­richts­hof, Urtei­le vom 24. März 2015 – VIII ZR 243/​13VIII ZR 360/​13 und VIII ZR 109/​14

  1. BGH, Urtei­le vom 14.05.2014 – VIII ZR 114/​13, BGHZ 201, 230, und – VIII ZR 116/​13, Ver­sorgW 2014, 212[]
  2. BGH, Urtei­le vom 24.03.2010 – VIII ZR 178/​08, BGHZ 185, 96, und – VIII ZR 304/​08, WM 2010, 1050[]
  3. BGH – VIII ZR 243/​13[][]
  4. OLG Ham­burg, Urteil vom 17.07.2013 – 4 U 38/​13[]
  5. BGH – VIII ZR 360/​12 und – VIII ZR 109/​14; vgl. OLG Ham­burg, Urtei­le vom 12.11.2013 – 7 U 59/​10; und vom 06.03.2014 5 U 108/​11[]
  6. BGH – VII 243/​13[]
  7. OLG Ham­burg, Urtei­le vom 17.07.2013 – 4 U 38/​13; vom 12.11.2013 – 7 U 59/​10; und vom 06.03.2014 – 5 U 108/​11[]