Ein­fa­che oder qua­li­fi­zier­te Voll­stre­ckungs­klau­sel?

Eine erteil­te und vor­ge­leg­te ein­fa­che Voll­stre­ckungs­klau­sel hat das Voll­stre­ckungs­ge­richt nicht dahin­ge­hend zu über­prü­fen, ob eine qua­li­fi­zier­te Klau­sel nach § 726 ZPO erfor­der­lich ist [1].

Ein­fa­che oder qua­li­fi­zier­te Voll­stre­ckungs­klau­sel?

Die Ertei­lung der Voll­stre­ckungs­klau­sel erfolgt gemäß § 724 Abs. 2 ZPO grund­sätz­lich durch den Urkund­s­be­am­ten der Geschäfts­stel­le des titel­schaf­fen­den Gerichts. Geht dort ein Antrag auf Ertei­lung einer Voll­stre­ckungs­klau­sel ein, obliegt es ihm auch zu prü­fen, ob der Titel Voll­stre­ckungs­be­din­gun­gen im Sin­ne des § 726 Abs. 1 ZPO ent­hält und es des­halb gemäß § 20 Nr. 12 RPflG dem Rechts­pfle­ger vor­be­hal­ten ist, eine dann erfor­der­li­che qua­li­fi­zier­te Klau­sel zu ertei­len. Gegen­stand die­ser Prü­fung ist der Inhalt des Titels, der in der Regel durch Aus­le­gung zu ermit­teln ist. Gelangt die Prü­fung durch den Urkund­s­be­am­ten zu einem objek­tiv fal­schen Ergeb­nis und erteilt er zu Unrecht eine ein­fa­che Voll­stre­ckungs­klau­sel nach §§ 724, 725 ZPO, so liegt dar­in eine feh­ler­haf­te Aus­übung der ihm nach dem Gesetz über­tra­ge­nen Auf­ga­ben.

Der Feh­ler betrifft aber, wie der Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­den hat, ledig­lich die mate­ri­el­le Rich­tig­keit der erteil­ten Voll­stre­ckungs­klau­sel, die grund­sätz­lich nicht zur Über­prü­fung des Voll­stre­ckungs­or­gans gestellt ist.

Sei­ner Nach­prü­fung unter­liegt es, ob eine Klau­sel vor­han­den ist und ob sie ord­nungs­ge­mäß erteilt wur­de, nicht hin­ge­gen, ob sie erteilt wer­den durf­te. Des­halb ist es nicht Sache des mit der Voll­stre­ckung des Titels befass­ten Voll­stre­ckungs­or­gans, die Wirk­sam­keit der Klau­sel am Inhalt des Titels zu mes­sen und die erfor­der­li­che Abgren­zung zwi­schen unbe­dingt und bedingt voll­streck­ba­ren Titeln vor­zu­neh­men [2].

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 25. Okto­ber 2012 – VII ZB 57/​11

  1. im Anschluss an BGH, Beschlüs­se vom 12.01.2012 – VII ZB 71/​09, NJW-RR 2012, 1146; vom 23.05.2012 – VII ZB 31/​11, NJW-RR 2012, 1148[]
  2. BGH, Beschlüs­se vom 12.01.2012 – VII ZR 71/​09, NJW-RR 2012, 1146 Rn. 14 ff.; vom 23.05.2012 – VII ZB 31/​11, NJW-RR 2012, 1148 Rn. 12, mit Anm. Tous­saint, FDZVR 2012, 334898; Beck­OK-ZPO/Ul­ri­ci, Stand: 15.07.2012, § 724 Rn. 6, 32; Beck­OK ZPO/​Riedel, aaO, § 829 Rn. 36; sie­he bereits Zöller/​Stöber, ZPO, 29. Aufl., § 724 Rn. 14; Münch­Komm-ZPO/­Wolfs­tei­ner, 3. Aufl., § 724 Rn. 4, 15; Schusch­ke in: Schuschke/​Walker, Voll­stre­ckung und vor­läu­fi­ger Rechts­schutz, 5. Aufl., § 726 Rn. 18; Gau­l/­Schil­ken/­Be­cker-Eber­hard, Zwangs­voll­stre­ckungs­recht, 12. Aufl., § 16 Rn. 16; Giers in: Kind­l/­Mel­ler-Han­nich/­Wolf, Gesam­tes Recht der Zwangs­voll­stre­ckung, 2010, § 724 ZPO Rn. 5[]