Ein­kom­men durchs Pfle­ge­kind

Der Erzie­hungs­kos­ten­an­teil des für ein Pfle­ge­kind nach §§ 27, 33, 39 SGB VIII gewähr­ten Pfle­ge­gel­des ist Ein­kom­men im Sin­ne des § 115 ZPO und damit bei der Bewil­li­gung von Pro­zess­kos­ten­hil­fe bzw. Ver­fah­rens­kos­ten­hil­fe zu berück­sich­ti­gen.

Ein­kom­men durchs Pfle­ge­kind

Die für das Pfle­ge­kind gewähr­te Hil­fe zur Erzie­hung – auch Pfle­ge­geld genannt – nach §§ 27, 33, 39 SGB VIII ist in Höhe des sog. Erzie­hungs­bei­trags von 220 € als Ein­kom­men anzu­rech­nen. Dies ent­spricht stän­di­ger ober­ge­richt­li­cher Recht­spre­chung [1].

Das nach den §§ 27, 33, 39 SGB VIII gewähr­te sog. Pfle­ge­geld ist nicht mit einem nach § 37 SGB XI gewähr­ten Pfle­ge­geld gleich zu set­zen. Die Aus­füh­run­gen des 5. Senats des Han­sea­ti­schen Ober­lan­des­ge­richts in Bre­men in sei­nem Beschluss vom 27.04.2012 [2] betref­fen aus­schließ­lich das nach § 37 SGB XI gewähr­te Pfle­ge­geld, das nach zutref­fen­der Ansicht des 5. Senats auch bei der Pfle­ge­per­son nicht als Ein­kom­men i.S.d. § 115 Abs. 1 ZPO anzu­rech­nen ist. Die Über­le­gun­gen des 5. Senats stüt­zen sich ins­be­son­de­re auf den in § 13 Abs. 5 und 6 SGB XI zum Aus­druck kom­men­den Wil­len des Gesetz­ge­bers, das Pfle­ge­geld sowohl dem Pfle­ge­be­dürf­ti­gen als auch der Pfle­ge­per­son, die die häus­li­che Pfle­ge unent­gelt­lich über­nom­men hat, mög­lichst unge­schmä­lert zu erhal­ten. Dahin­ter steht das sozi­al­po­li­ti­sche Anlie­gen, die häus­li­che Pfle­ge zu för­dern und die Pfle­ge­be­reit­schaft im häus­li­chen Bereich zu stär­ken [3].

Der­ar­ti­ge sozi­al­po­li­ti­sche Anlie­gen wer­den mit dem nach §§ 27, 33, 39 SGB VIII gewähr­ten Pfle­ge­geld nicht ver­folgt. Dem­entspre­chend fehlt es auch an einer dem § 13 Abs. 5 und 6 SGB XI ent­spre­chen­den gesetz­li­chen Rege­lung im SGB VIII.

Das Han­sea­ti­sche Ober­lan­des­ge­richt in Bre­men bleibt daher bei sei­ner bereits im Beschluss vom 24.11.1997 [4] ver­tre­te­nen Auf­fas­sung, dass der sog. Erzie­hungs­kos­ten­an­teil (im Bescheid der Stadt Duis­burg als „Erzie­hungs­bei­trag“ bezeich­net) des Pfle­ge­gel­des für ein Pfle­ge­kind, der aus­schließ­lich ein Ent­gelt für die Kin­des­be­treu­ung dar­stellt, als nach § 115 ZPO ein­zu­set­zen­des Ein­kom­men anzu­rech­nen ist. Hier­von im vor­lie­gen­den Fall eine Aus­nah­me zu machen, weil der Antrags­geg­ner das Kind sei­ner frü­he­ren Ehe­frau in Pfle­ge genom­men hat, wie der Amts­rich­ter im Nicht­ab­hil­fe­be­schluss meint, ist nicht gebo­ten. Die Anrech­nung des Erzie­hungs­kos­ten­an­teils als Ein­kom­men i.S.d. § 115 ZPO kann schon aus Grün­den der Gleich­be­hand­lung nicht von vagen Kri­te­ri­en wie dem per­sön­li­chen Ver­hält­nis der Pfle­ge­per­son zum Pfle­ge­kind bzw. den Umstän­den, die zu sei­ner Auf­nah­me geführt haben, abhän­gig gemacht wer­den.

Han­sea­ti­sches Ober­lan­des­ge­richt in Bre­men, Beschluss vom 8. Febru­ar 2013 – 4 WF 22/​13

  1. Hans. OLG Bre­men, FamRZ 1998, 759; OLG Karls­ru­he, FamRZ 2004, 645; OLG Nürn­berg, FamRZ 2010, 1361; Thomas/​Putzo/​Reichold, ZPO, 32. Aufl., § 115 Rn. 3; Zöller/​Geimer, ZPO, 29. Aufl., § 115 Rn. 17[]
  2. OLG Bre­men FamRZ 2013, 60[]
  3. vgl. Hans. OLG Bre­men, FamRZ 2013, 60[]
  4. OLG Bre­men FamRZ 1998, 759[]