Ersatz­lie­fe­run­gen beim Han­dels­kauf

Die auf­grund des Urteils des Gerichts­hofs der Euro­päi­schen Uni­on vom 16. Juni 2011 1 gebo­te­ne richt­li­ni­en­kon­for­me Aus­le­gung des § 439 Abs. 1 Alt. 2 BGB ("Lie­fe­rung einer man­gel­frei­en Sache") ist nach Ansicht des Bun­des­ge­richts­hofs auf den Ver­brauchs­gü­ter­kauf­ver­trag (sog. "b2c"-Ver­trag) beschränkt und gilt nicht für Kauf­ver­trä­ge zwi­schen Unter­neh­mern ( sog. "b2b"-Verträge) oder zwi­schen Ver­brau­chern (sog. "c2c"-Verträge).

Ersatz­lie­fe­run­gen beim Han­dels­kauf

In dem jetzt vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall kauf­te die im Sport­platz­bau täti­ge Klä­ge­rin bei der Beklag­ten EPDM-Gra­nu­lat eines pol­ni­schen Pro­du­zen­ten zur Her­stel­lung von Kunst­ra­sen­plät­zen in zwei Gemein­den. Nach dem Ein­bau durch die Klä­ge­rin stell­te sich her­aus, dass das von der Beklag­ten gelie­fer­te Gra­nu­lat man­gel­haft war. Die Beklag­te lie­fer­te kos­ten­los Ersatz­gra­nu­lat, lehn­te es aber ab, das man­gel­haf­te Gra­nu­lat aus­zu­bau­en und das Ersatz­gra­nu­lat ein­zu­bau­en. Dar­auf­hin ließ die Klä­ge­rin die­se Arbei­ten durch ein ande­res Unter­neh­men durch­füh­ren.

Mit ihrer Kla­ge hat die Klä­ge­rin unter ande­rem die Zah­lung der ihr für den Aus- und Ein­bau ent­stan­de­nen Kos­ten begehrt. Das erst­in­stanz­lich mit der Zah­lungs­kla­ge befass­te Land­ge­richt Stutt­gart hat die Kla­ge inso­weit abge­wie­sen 2, das Ober­lan­des­ge­richt Stutt­gart hat die hier­ge­gen gerich­te­te Beru­fung der Klä­ge­rin zurück­ge­wie­sen 3. Und auch die dage­gen gerich­te­te Revi­si­on der Klä­ge­rin hat­te jetzt vor dem Bun­des­ge­richts­hof kei­nen Erfolg:

Nach Ansicht des Bun­des­ge­richts­hofs hat das Urteil des Euro­päi­schen Gerichts­hofs über den Umfang der Nach­er­fül­lung beim Ver­brauchs­gü­ter­kauf im Fal­le einer Ersatz­lie­fe­rung kei­ne Aus­wir­kun­gen auf den hier vor­lie­gen­den Kauf­ver­trag zwi­schen Unter­neh­mern. Nach dem Urteil des Euro­päi­schen Gerichts­hofs hat der Ver­brau­cher bei einer Ersatz­lie­fe­rung gegen­über dem Unter­neh­men Anspruch dar­auf, dass der Unter­neh­mer die man­gel­haf­te Sache, die vom Ver­brau­cher vor Auf­tre­ten des Man­gels bestim­mungs­ge­mäß ein­ge­baut wor­den war, aus­baut und die als Ersatz gelie­fer­te Sache ein­baut oder die hier­für anfal­len­den Kos­ten trägt. Dies gilt nach Ansicht des Bun­des­ge­richts­hofs nur für den zwi­schen einem Ver­brau­cher und einem Unter­neh­mer geschlos­se­nen Kauf­ver­trag (b2c) 4. Bei Kauf­ver­trä­gen zwi­schen Unter­neh­mern (b2b) oder zwi­schen Ver­brau­chern (c2c) wird dage­gen der Aus­bau der man­gel­haf­ten Sache und der Ein­bau der Ersatz­sa­che von der Nach­er­fül­lungs­va­ri­an­te "Lie­fe­rung einer man­gel­frei­en Sache" (§ 439 Abs. 1 Alt. 2 BGB) nicht erfasst.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 17. Okto­ber 2012 – VIII ZR 226/​11

  1. EuGH, Urteil vom 16.06.2011 – C‑65/​09, C‑87/​09 [Gebr. Weber GmbH/​Jürgen Witt­mer; Ingrid Putz/​Medianess Elec­tro­nics GmbH][]
  2. LG Stutt­gart, Urteil vom 02.02.2011 – 20 O 280/​10[]
  3. OLG Stutt­gart, Urteil vom 08.06.2011 – 4 U 34/​11[]
  4. dazu BGH, Urteil vom 21.12.2011 – VIII ZR 70/​08[]