Frist­ver­län­ge­rungs­an­trä­ge und die Nach­fra­ge bei Gericht

Der Rechts­an­walt hat durch geeig­ne­te Orga­ni­sa­ti­ons­maß­nah­men sicher­zu­stel­len, dass nach Stel­lung eines Antrags auf Ver­län­ge­rung der Beru­fungs­be­grün­dungs­frist und aus­blei­ben­der Reak­ti­on des Gerichts hier­auf noch vor Ablauf der bean­trag­ten ver­län­ger­ten Frist dort Nach­fra­ge gehal­ten wird, ob und in wel­chem Umfang dem Antrag statt­ge­ge­ben wur­de. Kommt er dem nicht nach, wird spä­tes­tens zu dem Zeit­punkt, zu dem er eine klä­ren­de Ant­wort auf die Nach­fra­ge erhal­ten hät­te, die Monats­frist des § 234 Abs. 1 Satz 2 ZPO in Gang gesetzt.

Frist­ver­län­ge­rungs­an­trä­ge und die Nach­fra­ge bei Gericht

Mit die­ser Ent­schei­dung hat nun der Bun­des­ge­richts­hof geklärt, inwie­weit die Ent­schei­dung sei­nes VI. Zivil­se­nats [1] mit Ent­schei­dun­gen ande­rer Zivil­se­na­te in Über­ein­stim­mung zu brin­gen ist, wonach ein Rechts­an­walt nicht ver­pflich­tet ist, sich vor Ablauf der ursprüng­li­chen Beru­fungs­be­grün­dungs­frist bei dem Gericht nach dem Ein­gang sei­nes Schrift­sat­zes zu erkun­di­gen, wenn er mit einem ers­ten Antrag auf ein­mo­na­ti­ge Ver­län­ge­rung der Beru­fungs­be­grün­dungs­frist einen erheb­li­chen Grund gel­tend gemacht hat [2]. Darf ein Anwalt dar­auf ver­trau­en, dass einem Ver­län­ge­rungs­an­trag statt­ge­ge­ben wird und tref­fen ihn inso­weit kei­ne Erkun­di­gungs­pflich­ten, wäre es schwer ver­ständ­lich, eine Wie­der­ein­set­zung in den vori­gen Stand des­halb zu ver­sa­gen, weil er sich nicht so orga­ni­siert hat, dass er sich recht­zei­tig erkun­di­gen kann.

Der Rechts­an­walt hat nach der höchst­rich­ter­li­chen Recht­spre­chung durch geeig­ne­te Orga­ni­sa­ti­ons­maß­nah­men sicher­zu­stel­len, dass nach Stel­lung eines Antrags auf Ver­län­ge­rung der Beru­fungs­be­grün­dungs­frist und aus­blei­ben­der Reak­ti­on des Gerichts hier­auf noch vor Ablauf der bean­trag­ten ver­län­ger­ten Frist dort Nach­fra­ge gehal­ten wird, ob und in wel­chem Umfang dem Antrag statt­ge­ge­ben wur­de [3]. Kommt er dem nicht nach, wird spä­tes­tens zu dem Zeit­punkt, zu dem er eine klä­ren­de Ant­wort auf die Nach­fra­ge erhal­ten hät­te, die Monats­frist des § 234 Abs. 1 Satz 2 ZPO in Gang gesetzt. Denn die Wie­der­ein­set­zungs­frist beginnt, sobald die Par­tei oder ihr Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ter erkannt hat oder bei Anwen­dung der gebo­te­nen Sorg­falt hät­te erken­nen kön­nen, dass die Beru­fungs­be­grün­dungs­frist ver­säumt wor­den ist [4].

Dem steht auch nicht die anders­lau­ten­de Recht­spre­chung des VIII. Zivil­se­nats des Bun­des­ge­richts­hofs ent­ge­gen [5]. Der VIII. Zivil­se­nat hat auf Anfra­ge mit­ge­teilt, dass er an die­ser Ent­schei­dung – soll­te ihr eine abwei­chen­de Wür­di­gung ent­nom­men wer­den kön­nen – nicht fest­hal­te.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 13. Okto­ber 2011 – VII ZR 29/​11

  1. BGH Beschluss vom 24.11.2009 – VI ZB 69/​08, FamRZ 2010, 370[]
  2. BGH, Beschlüs­se vom 11.09.2007 – VIII ZB 73/​05; vom 10.03.2009 – VIII ZB 55/​06, NJW-RR 2009, 933; vom 16.04.2009 – VII ZB 66/​08, BauR 2009, 1328[]
  3. BGH, Beschlüs­se vom 27.01.2011 – VII ZB 44/​09, NJW 2011, 1971; vom 14.07.1999 – XII ZB 62/​99, NJW-RR 1999, 1663[]
  4. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 19.06.2008 – V ZB 29/​08, Jur­Bü­ro 2009, 448; vom 21.03.2006 – VI ZB 31/​05, VersR 2006, 1141; vom 13.07.2004 – XI ZB 33/​03, NJW-RR 2005, 76; vom 13.12.1999 – II ZR 225/​98, NJW 2000, 592; vom 07.02.1996 – XII ZB 107/​94, FamRZ 1996, 934; vom 25.05.1994 – XII ZB 57/​94, XII ZB 92/​94, VersR 1995, 69; vom 13.05.1992 – VIII ZB 3/​92, NJW 1992, 2098; vom 12.10.1989 – I ZB 3/​89, NJW-RR 1990, 379; vom 29.11.1984 – X ZB 33/​84, VersR 1985, 283[]
  5. BGH, Beschluss vom 11.09.2007 – VIII ZB 73/​05[]