Grillen: Problemen mit der Nachbarschaft vorbeugen

Ob Steaks, Würstchen oder Gemüse: Das Grillen ist eine beliebte Freizeitbeschäftigung der Deutschen. Trotz der Freude am Grillgut sollten sowohl Mieter als auch Eigenheim- beziehungsweise Gartenbesitzer die gesetzlichen Grenzen kennen. Ansonsten droht nicht nur Ärger mit den Nachbarn, sondern auch ein Bußgeld.

Grillen: Problemen mit der Nachbarschaft vorbeugen

Rechtliche Grundlagen

Grillen macht Freude – besonders in guter Gesellschaft. Je nach verwendetem Grillgerät und entstehender Lautstärke kann das private Barbecue jedoch schnell Konflikte mit der Nachbarschaft auslösen. Neben starker Rauchentwicklung durch einen Holzkohlegrill sind Ruhestörungen durch gesellige Grillpartys typische Ärgernisse für andere. Da es in vielerlei Hinsicht keine einheitlichen Regelungen gibt, können unter anderem folgende Quellen über geltendes Recht Aufschluss geben:

  • Nachbarrechtsgesetz des entsprechenden Bundeslandes
  • Landesimmissionsschutzgesetz
  • Mietvertrag
  • Hausordnung

Grundsätzlich wird beim Grillen an die nachbarschaftliche Rücksichtnahme appelliert. Wer vor einer Grillparty die direkten Nachbarn freundlich und rechtzeitig informiert, kann bereits vielen Streitigkeiten vorbeugen. Trotz entgegengebrachtem Verständnis darf die Toleranz jedoch nicht ausgenutzt werden. Kommt es zum Beispiel durch das Eindringen von Qualm in Wohnräume zu einer erheblichen Belästigung der Nachbarschaft, kann ein Unterlassungsanspruch entstehen.

In Brandenburg und Nordrhein-Westfalen greift das Landesimmissionsschutzgesetz, wenn sich Nachbarn durch die Rauchentwicklung eines Gartengrills belästigt fühlen. In diesen beiden Bundesländern gilt dies als Ordnungswidrigkeit und kann die Polizei auf den Plan rufen.

Gas- und Elektrogrills sind oft im Vorteil

Da von Holzkohlegrills sowie Gartengrills zum Anfeuern mit Grillholz eine vergleichsweise starke Rauchentwicklung ausgeht, kann sich der Umstieg auf einen Gas- oder Elektrogrill lohnen. Weil bei diesen beiden Alternativen kein lästiger Qualm entsteht – vorausgesetzt es kommt kein Räucherzubehör zum Einsatz – entfällt einer der größten Streitfaktoren beim Grillen.

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Hochwertige Gasgrills haben den Vorteil, dass sie mit Leistung, Regulierbarkeit, Funktionalität und großzügiger Grillfläche begeistern. Das Angebot reicht von kompakten Modellen für Balkone bis hin zu 4-flammigen Gasgrills mit Seitenbrenner, Kocher und Drehspieß (Quelle: gasgrill.net). Elektrogrills erfordern lediglich eine Steckdose und sind auch in zahlreichen Varianten erhältlich. Mini-Tischgrills und Standgeräte sind gleichermaßen verfügbar wie Ausführungen mit Deckel. Bei der Größe des Grillrosts müssen im Vergleich zum Gasgrill meist Abstriche gemacht werden.

Kein Holzkohlegrill auf dem Balkon: In den 70ern hat bereits das Amtsgericht in Hamburg-Mitte entschieden, „dass nur dann gegrillt werden darf, wenn der Nachbar nicht durch rauchende Holzkohle oder den Geruch bratenden Fleisches beeinträchtigt wird“, so der Landesverband hamburgischer Mieterschutz e.V. unter mieterschutz-hamburg.de zu Gerichtsurteilen zum Thema und fügt hinzu: „Das Grillen auf dem Balkon hält das Amtsgericht für gänzlich unzulässig.“

Mieter – teilweise strenge Regeln für Balkone

Mieter sollten vor dem Grillen einen Blick in ihren Mietvertrag beziehungsweise die Hausordnung werfen. Je nach Region und Bundesland können Vermieter das Grillen komplett untersagen oder zumindest stark einschränken. Insbesondere auf dem Balkon ist grillen vielerorts im Rahmen der Hausordnung verboten. Verstoßen Mieter gegen die Regelungen, kann die Kündigung drohen.

Häufig integrieren Vermieter eine Klausel in ihre Mietverträge, wonach das Grillen mit einem klassischen Holzkohlegrille auf Balkonen verboten ist. Grillen mit Gas und Elektrogeräten ist hingegen vielerorts erlaubt. Ausnahmen bestätigen die Regel: „Das Landgericht Essen hat beispielsweise entschieden, dass durch mietvertragliche Regelungen sogar ein absolutes Grillverbot verhängt werden kann – sowohl auf einem Holzkohlengrill als auch auf einem Elektrogrill“, heißt es in einem Beitrag des Verband Wohneigentum Nordrhein-Westfalen e. V. (Quelle wohneigentum.nrw). Der Umstieg auf ein anderes Grillgerät ist somit kein allgemeingültiger Freifahrtschein. Die lokalen Vorschriften sind maßgeblich.

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Generell ist die Rechtsprechung abhängig von den Bundesländern sehr unterschiedlich. Die gerichtlichen Entscheidungen hängen vom Einzelfall ab. Während das Oberlandesgericht Oldenburg das Grillen viermal jährlich für erlaubt erklärt, dürfen Grillfans laut Landgericht Stuttgart auf Terrassen sechs Stunden pro Jahr brutzeln.

Details zum Grillverbot im Mietvertrag

Eigentümer – mehr Freiraum, aber mit Einschränkungen

Bei ausreichend Abstand zur Nachbarschaft sind Besitzer von Einfamilienhäusern im Vorteil. Im eigenen Garten gibt es kein generelles Grillverbot. Jedoch auch keine grenzenlose Grillerlaubnis. Wesentliche Beeinträchtigungen der Nachbarn führen im Extremfall auch für Eigenheimbesitzer zum Grillverbot.

Folgende Zustände sollten beim Grillen generell vermieden werden, um nachbarschaftliche Konflikte zu vermeiden:

  • Nachbarn können aufgrund der starken Rauchentwicklung nicht ungestört auf ihrem Balkon beziehungsweise ihrer Terrasse sitzen.
  • Der Qualm des Grills dringt in die Schlaf- und Wohnräume der Nachbarn ein.
  • Grillfeste belästigen die Nachbarn nach 22 Uhr durch Lärm.

Nehmen alle Beteiligten aufeinander Rücksicht, lassen sich rechtliche Auseinandersetzungen verhindern. Die verständnisvolle Kommunikation sollte stets die erste Option sein.

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