Her­stel­ler­vor­schrif­ten für die War­tung

Eine Fach­fir­ma macht sich scha­dens­er­satz­pflich­tig, wenn sie bei der Grund­über­ho­lung eines Motors den über die aner­kann­ten Regeln der Tech­nik hin­aus­ge­hen­den Sicher­heits­an­for­de­run­gen in den War­tungs­vor­schrif­ten des Her­stel­lers nicht ent­spricht.

Her­stel­ler­vor­schrif­ten für die War­tung

In einem jetzt vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall war die Beklag­te, eine Fach­fir­ma auf dem Gebiet "Tech­no­lo­gie und Ser­vice für Moto­ren und Antrie­be" mit der Grund­über­ho­lung eines Zwölf-Zylin­der-Gas­mo­tors der Fir­ma C. beauf­tragt. Sie hat dabei ent­ge­gen den War­tungs­vor­schrif­ten des Her­stel­lers die Befes­ti­gungs­schrau­ben der Kon­ter­ge­wich­te auf der Kur­bel­wel­le nicht aus­ge­tauscht, son­dern nach Über­prü­fung ohne Rück­spra­che mit der Bestel­le­rin wei­ter­ver­wen­det. Die War­tungs­vor­schrif­ten der Fir­ma C. waren der Beklag­ten nicht zugäng­lich, weil sie kein von der Fir­ma C. auto­ri­sier­tes Fach­un­ter­neh­men war. Ande­re Her­stel­ler ver­gleich­ba­rer Moto­ren lie­ßen zum Teil eine Wei­ter­ver­wen­dung der Befes­ti­gungs­schrau­ben nach Über­prü­fung zu.

Nach­dem der gene­ral­über­hol­te Motor in Betrieb genom­men wor­den war, riss infol­ge des Bruchs zwei­er Befes­ti­gungs­schrau­ben ein Gegen­ge­wicht der Kur­bel­wel­le ab und ver­ur­sach­te erheb­li­che Fol­ge­schä­den am Motor. Einen Teil der dar­aus ent­stan­de­nen Schä­den ver­langt die Klä­ge­rin von der Beklag­ten ersetzt.

Das erst­in­stanz­lich mit dem Rechts­streit befass­te Land­ge­richt Osna­brück hat­te der Kla­ge teil­wei­se statt­ge­ge­ben, auf die Beru­fung der Beklag­ten hob das Ober­lan­des­lan­des­ge­richt Olden­burg das statt­ge­ben­de Urteil des Land­ge­richts jedoch wie­der auf und wies die Kla­ge ab. Das OLG Olden­burg hat inso­weit ange­nom­men, der Beklag­ten sei kei­ne schuld­haf­te Pflicht­ver­let­zung anzu­las­ten, weil sie mit der Wei­ter­ver­wen­dung der Schrau­ben nach gewis­sen­haf­ter Prü­fung nicht gegen die im Ver­kehr erfor­der­li­che Sorg­falt ver­sto­ßen habe. Die Revi­si­on führ­te zur Auf­he­bung des Beru­fungs­ur­teils durch den Bun­des­ge­richts­hof und zur Zurück­ver­wei­sung des Rechts­streits an das Ober­lan­des­ge­richt Olden­burg.

Der Bun­des­ge­richts­hof hat hier­zu ent­schie­den, dass eine Fach­fir­ma ihre Leis­tungs­pflich­ten jeden­falls dann ver­letzt, wenn sie bei der Grund­über­ho­lung die in den War­tungs­vor­schrif­ten des Her­stel­lers auf­ge­stell­ten Sicher­heits­an­for­de­run­gen nicht befolgt. Dies gilt auch dann, wenn die­se Anfor­de­run­gen über die Erfor­der­nis­se hin­aus­ge­hen, die nach den aner­kann­ten Regeln der Tech­nik zu erfül­len sind. Der Unter­neh­mer darf in einem sol­chen Fall nicht eigen­mäch­tig ent­schei­den, ob das bei einer von den Her­stel­ler­vor­schrif­ten abwei­chen­den Aus­füh­rung der Arbei­ten bestehen­de Risi­ko ein­ge­gan­gen wer­den soll. Eine sol­che Ent­schei­dung steht nach ent­spre­chen­der Auf­klä­rung über die­ses Risi­ko allein dem Bestel­ler zu.

Führt der Unter­neh­mer die Grund­über­ho­lung eigen­mäch­tig abwei­chend von den Her­stel­ler­vor­schrif­ten aus, liegt dar­in eine Ver­let­zung sei­ner Leis­tungs­pflich­ten. Ver­wirk­licht sich dann das Risi­ko, das durch Beach­tung der War­tungs­vor­schrif­ten ver­mie­den wer­den soll­te, ist der Unter­neh­mer grund­sätz­lich scha­dens­er­satz­pflich­tig. Dass ihm die War­tungs­vor­schrif­ten nicht zugäng­lich waren, kann ihn nicht ent­las­ten. Etwas ande­res kann nur gel­ten, wenn er den Auf­trag­ge­ber über die­sen Umstand und das sich dar­aus erge­ben­de Risi­ko auf­ge­klärt hat.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 23. Juli 2009 – VII ZR 164/​08