Hin­ter­fra­gen einer vor­for­mu­lier­ten Ver­trags­klau­sel – und die Amts­pflich­ten des Notars

Ein Notar hat grund­sätz­lich die Pflicht, das Aus­han­deln einer Ver­trags­be­stim­mung (§ 305 Abs. 1 Satz 3 BGB) bei Zwei­feln zu hin­ter­fra­gen.

Hin­ter­fra­gen einer vor­for­mu­lier­ten Ver­trags­klau­sel – und die Amts­pflich­ten des Notars

Hier­auf kommt es jedoch nicht an, wenn die ent­spre­chen­de Ver­trags­klau­sel (hier: eine ver­trag­lich ver­ein­bar­te Bin­dungs­frist zwi­schen der Käu­fe­rin und dem Grund­stücks­ei­gen­tü­mer) unstrei­tig indi­vi­du­ell aus­ge­han­delt wur­de.

Dabei spielt es kei­ne Rol­le, ob der vom Notar vor­for­mu­lier­te Text ver­än­dert oder unver­än­dert über­nom­men wur­de 1. Der Notar hat­te somit hin­sicht­lich der ver­ein­bar­ten Bin­dungs­frist die §§ 305 ff BGB nicht zu beach­ten. Ins­be­son­de­re muss­te er nicht prü­fen, ob die Klau­sel in Ziff. 3 Abs. 1 der Ange­bots­ur­kun­de einer Inhalts­kon­trol­le am Maß­stab des § 308 Nr. 1 BGB stand­hielt 2.

Glei­ches gilt auch für die Fra­ge, ob der Notar in die Urkun­de einen Ver­merk hät­te auf­neh­men müs­sen, dass die Rege­lung über die Bin­dungs­frist indi­vi­du­ell aus­ge­han­delt war. Es bedarf kei­ner Klä­rung durch den Bun­des­ge­richts­hof, dass ein Notar kei­ne Pflicht zur Auf­nah­me der­ar­ti­ger Hin­wei­se hat. Nach § 17 Abs. 2 Satz 2 BeurkG hat der Notar ledig­lich bei – hier aus den zuvor ange­führ­ten Grün­den objek­tiv nicht bestehen­den – Zwei­feln an der Wirk­sam­keit des Geschäfts eine Doku­men­ta­ti­ons­pflicht.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 10. Sep­tem­ber 2015 – III ZR 183/​14

  1. Palandt/​Grüneberg, BGB, 74. Aufl., § 305 Rn.20[]
  2. s. dazu BGH, Urtei­le vom 11.06.2010 – V ZR 85/​09, NJW 2010, 2873 Rn. 8 ff; und vom 17.01.2014 – V ZR 5/​12, NJW 2014, 857 Rn. 8 ff; Ver­säum­nis­ur­teil vom 07.06.2013 – V ZR 10/​12, NJW 2013, 3434 Rn. 13 ff[]