Mar­ken­werk­statt für den Unfall­scha­den

Wer unver­schul­det in einen Ver­kehrs­un­fall ver­wi­ckelt wird, muss sich zur Repa­ra­tur sei­nes Pkws von der geg­ne­ri­schen Haft­pflicht­ver­si­che­rung nicht auf irgend­ei­ne Fach­werk­statt ver­wei­sen las­sen. Viel­mehr kann er die Repa­ra­tur­kos­ten nach den Sät­zen berech­nen, die in einem mar­ken­ge­bun­den Kfz-Betrieb anfal­len.

Mar­ken­werk­statt für den Unfall­scha­den

Das befand das Amts­ge­richt Kro­nach und gab damit einem Pkw-Eigen­tü­mer Recht, dem die Unfall­geg­ner­sei­te den Scha­dens­er­satz um rund 580 € gekürzt hat­te. Die Repa­ra­tur in einer nicht mar­ken­ge­bun­den Werk­statt kann nach Auf­fas­sung der Gerich­te näm­lich den Wie­der­ver­kaufs­wert des Fahr­zeugs nega­tiv beein­flus­sen. Dar­auf müs­se sich der Unfall­ge­schä­dig­te aber nicht ein­las­sen.

Der Mer­ce­des Sprin­ter des Klä­gers war durch einen Unfall in Mit­lei­den­schaft gezo­gen wor­den. Zur Berech­nung sei­nes Scha­dens ließ er ein Gut­ach­ten erstel­len, das zu Repa­ra­tur­kos­ten von fast 4.000 € kam. Die Kfz-Haft­pflicht­ver­si­che­rung der Unfall­ver­ur­sa­che­rin kürz­te die Erstat­tungs­leis­tung aber um 580 €. Sie war der Mei­nung, der Klä­ger dür­fe nicht die Stun­den­ver­rech­nungs­sät­ze einer Mer­ce­des-Fach­werk­statt anset­zen, son­dern müs­se sich mit sei­nem fast fünf Jah­re alten Fahr­zeug (km-Stand: 259.000) auf eine güns­ti­ge­re, von der Ver­si­che­rung benann­te „freie“ Werk­statt ver­wei­sen las­sen. Das nahm der Geschä­dig­te nicht hin und klag­te.

Mit Erfolg. Das Amts­ge­richt Kro­nach sprach ihm auch den Rest­be­trag zu und führ­te aus, ein Unfall­ge­schä­dig­ter habe grund­sätz­lich Anspruch auf Ersatz der in einer mar­ken­ge­bun­de­nen Werk­statt anfal­len­den Repa­ra­tur­kos­ten. Er müs­se sich nicht erst mit sei­nem Fahr­zeug und dem Scha­dens­gut­ach­ten bei meh­re­ren Kfz-Werk­stät­ten vor­stel­len, um her­aus­zu­fin­den, ob die­se – bei güns­ti­ge­ren Stun­den­sät­zen – zur gleich­wer­ti­gen Durch­füh­rung der Repa­ra­tur in der Lage sei­en. Außer­dem kön­ne auch bei älte­ren Fahr­zeu­gen für den Zeit- und Markt­wert von Bedeu­tung sein, ob in einem Betrieb der ent­spre­chen­den Auto­mar­ke repa­riert wur­de. Das Land­ge­richt Coburg sah es genau­so, so dass die Ver­si­che­rung die Beru­fung gegen das Urteil des Amts­ge­richts schließ­lich zurück­nahm.

Mer­ke: Wer sich für eine Auto­mar­ke ent­schei­det, darf auch bei Repa­ra­tu­ren mar­ken­treu blei­ben – selbst wenn es dann merk­lich teu­rer wird.

Amts­ge­richt Kro­nach, Urteil vom 16. August 2007 – 1 C 168/​07 (rechts­kräf­tig)