Sach­vor­trag – und die über­zo­ge­nen Anfor­de­run­gen an die Sub­stan­ti­ie­rungs­pflicht

Art. 103 Abs. 1 GG ver­pflich­tet die Gerich­te, das Vor­brin­gen der Par­tei­en zur Kennt­nis zu neh­men und bei sei­ner Ent­schei­dung zu berück­sich­ti­gen. Dabei darf das Gericht die Anfor­de­run­gen an die Sub­stan­ti­ie­rung des Par­tei­vor­trags nicht über­span­nen.

Sach­vor­trag – und die über­zo­ge­nen Anfor­de­run­gen an die Sub­stan­ti­ie­rungs­pflicht

Da die Hand­ha­bung der Sub­stan­ti­ie­rungs­an­for­de­run­gen die­sel­ben ein­schnei­den­den Fol­gen hat wie die Anwen­dung von Prä­k­lu­si­ons­vor­schrif­ten, ver­stößt sie gegen Art. 103 Abs. 1 GG, wenn sie offen­kun­dig unrich­tig ist 1.

Ein Sach­vor­trag zur Begrün­dung eines Anspruchs ist dann schlüs­sig und erheb­lich, wenn die Par­tei Tat­sa­chen vor­trägt, die in Ver­bin­dung mit einem Rechts­satz geeig­net und erfor­der­lich sind, das gel­tend gemach­te Recht als in der Per­son der Par­tei ent­stan­den erschei­nen zu las­sen. Die Anga­be nähe­rer Ein­zel­hei­ten ist nicht erfor­der­lich, soweit die­se für die Rechts­fol­gen nicht von Bedeu­tung sind 2. Das Gericht muss nur in die Lage ver­setzt wer­den, auf­grund des tat­säch­li­chen Vor­brin­gens der Par­tei zu ent­schei­den, ob die gesetz­li­chen Vor­aus­set­zun­gen für das Bestehen des gel­tend gemach­ten Rechts vor­lie­gen 3.

Das Urteil beruht stets dann auf die­ser Gehörs­ver­let­zung, wenn nicht aus­ge­schlos­sen wer­den kann, dass das Gericht bei Berück­sich­ti­gung des über­gan­ge­nen Vor­brin­gens anders ent­schie­den hät­te 4.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 20. Okto­ber 2015 – XI ZR 532/​14

  1. BGH, Beschlüs­se vom 12.06.2008 – V ZR 221/​07, WM 2008, 2068 Rn. 5; und vom 11.09.2013 – IV ZR 259/​12, NJW 2014, 149 Rn. 15; vgl. auch BVerfG NJW 2001, 1565[]
  2. BGH, Urtei­le vom 12.07.1984 – VII ZR 123/​83, NJW 1984, 2888, 2889; vom 21.01.1999 – VII ZR 398/​97, NJW 1999, 1859, 1860; vom 29.02.2012 – VIII ZR 155/​11, NJW 2012, 1647 Rn. 16, Beschlüs­se vom 01.06.2005 XII ZR 275/​02, NJW 2005, 2710, 2711; vom 21.05.2007 – II ZR 266/​04, NJW-RR 2007, 1409 Rn. 8; vom 25.10.2011 – VIII ZR 125/​11, NJW 2012, 382 Rn. 14; und vom 28.02.2012 – VIII ZR 124/​11, WuM 2012, 311 Rn. 6[]
  3. BGH, Beschlüs­se vom 25.10.2011 – VIII ZR 125/​11, aaO; und vom 28.02.2012 – VIII ZR 124/​11, aaO[]
  4. vgl. BVerfGE 7, 95, 99; 60, 247, 250; 62, 392, 396; 65, 305, 308; 89, 381, 392 f.[]