Schen­kungs­an­fech­tung der Dritt­zah­lung in der Insol­venz

Begleicht der Schuld­ner eine gegen einen Drit­ten gerich­te­te wert­lo­se For­de­rung, schei­det eine Schen­kungs­an­fech­tung aus, wenn eine wei­te­re Per­son für die For­de­rung eine wert­hal­ti­ge Sicher­heit gestellt hat­te, die der durch die Zah­lung befrie­dig­te Gläu­bi­ger ver­liert.

Schen­kungs­an­fech­tung der Dritt­zah­lung in der Insol­venz

Dies steht in Ein­klang mit den in stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs 1 zur Anfecht­bar­keit einer Dritt­zah­lung als unent­gelt­li­che Leis­tung (§ 134 InsO) ent­wi­ckel­ten Rechts­grund­sät­zen.

Nach gefes­tig­ter Recht­spre­chung ist eine Leis­tung unent­gelt­lich, wenn ihr nach dem Inhalt des ihr zugrun­de lie­gen­den Rechts­ge­schäfts kei­ne Gegen­leis­tung gegen­über­steht, dem Leis­ten­den also kei­ne dem von ihm auf­ge­ge­be­nen Ver­mö­gens­wert ent­spre­chen­de Gegen­leis­tung zufließt. Ist eine drit­te Per­son in einen Zuwen­dungs- oder Gegen­leis­tungs­vor­gang ein­be­zo­gen, kommt es für die Beur­tei­lung der Unent­gelt­lich­keit der Leis­tung nicht ent­schei­dend dar­auf an, ob der Schuld­ner selbst einen Aus­gleich erhal­ten hat. Zu fra­gen ist viel­mehr, ob der Emp­fän­ger sei­ner­seits eine Gegen­leis­tung zu erbrin­gen hat. Dies ent­spricht der in § 134 InsO eben­so wie frü­her in § 32 KO zum Aus­druck kom­men­den Wer­tung, dass der Emp­fän­ger einer Leis­tung dann einen gerin­ge­ren Schutz ver­dient, wenn er kei­ne aus­glei­chen­de Gegen­leis­tung zu erbrin­gen hat 2.

Die Til­gung einer frem­den Schuld ist danach als unent­gelt­li­che Leis­tung anfecht­bar, wenn die getilg­te For­de­rung wert­los war; dann hat der Zuwen­dungs­emp­fän­ger wirt­schaft­lich nichts ver­lo­ren, was als Gegen­leis­tung für die Zuwen­dung ange­se­hen wer­den kann 3. Hier­von ist regel­mä­ßig aus­zu­ge­hen, wenn der For­de­rungs­schuld­ner zah­lungs­un­fä­hig war. Es kön­nen aber aus­nahms­wei­se Umstän­de gege­ben sein, die es recht­fer­ti­gen, die getilg­te For­de­rung trotz Zah­lungs­un­fä­hig­keit des For­de­rungs­schuld­ners als wert­hal­tig zu beur­tei­len. So ver­hält es sich im Streit­fall, weil für die von dem Schuld­ner begli­che­ne Ver­bind­lich­keit eine wert­hal­ti­ge Siche­rung bestand.

Die getilg­te For­de­rung erweist sich als wert­hal­tig, wenn der Zah­lungs­emp­fän­ger die Mög­lich­keit hat, durch Pfän­dung auf einen wert­hal­ti­gen Rück­griffs­an­spruch des For­de­rungs­schuld­ners gegen den Insol­venz­schuld­ner zuzu­grei­fen. In ent­spre­chen­der Wei­se kann die getilg­te For­de­rung wert­hal­tig sein, wenn sich der Zah­lungs­emp­fän­ger durch Auf­rech­nung gegen eine For­de­rung sei­nes Schuld­ners Befrie­di­gung ver­schaf­fen und auf die­se Wei­se sei­ne For­de­rung trotz Insol­venz­rei­fe sei­nes Schuld­ners durch­set­zen kann 4. Nach die­sen Maß­stä­ben ist die Til­gung einer wert­lo­sen For­de­rung dann nicht als unent­gelt­lich zu beur­tei­len, wenn – wie im Streit­fall – für sie wert­hal­ti­ge Siche­run­gen wei­te­rer Per­so­nen bestan­den, die der Gläu­bi­ger infol­ge der Dritt­zah­lung ver­liert 5.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 3. April 2014 – IX ZR 236/​13

  1. vgl. Urteil vom 17.10.2013 – IX ZR 10/​13, WM 2013, 2182 Rn. 6 ff[]
  2. BGH, Urteil vom 13.02.2014 – IX ZR 133/​13, WM 2014, 516 Rn. 14 mwN[]
  3. BGH, Urteil vom 18.04.2013 – IX ZR 90/​10, WM 2013, 1079 Rn. 6 mwN[]
  4. BGH, Urteil vom 18.04.2013, aaO Rn. 8[]
  5. BGH, Urteil vom 15.04.1964 – VIII ZR 232/​62, BGHZ 41, 298, 303; OLG Stutt­gart, NZI 2002, 112, 114; vgl. Münch­Komm-InsO/­Kay­ser, 3. Aufl., § 134 Rn. 31b; Wit­tig, NZI 2005, 606, 609 f[]