Streit­wert für die Abbe­ru­fung eines WEG-Ver­wal­ters

Bei der Fest­set­zung des Streit­werts einer auf Abbe­ru­fung des Ver­wal­ters gerich­te­ten Ver­pflich­tungs­kla­ge ist im Regel­fall das Gesamt­in­ter­es­se nach dem in der rest­li­chen Ver­trags­lauf­zeit anfal­len­den Ver­wal­ter­ho­no­rar und das Inter­es­se des kla­gen­den Woh­nungs­ei­gen­tü­mers nach sei­nem Anteil hier­an zu bemes­sen.

Streit­wert für die Abbe­ru­fung eines WEG-Ver­wal­ters

Die Bemes­sung des Streit­werts rich­tet sich gemäß § 49a Abs. 1 Satz 1 GKG nach dem hälf­ti­gen Gesamt­in­ter­es­se der Par­tei­en, das anhand des in der rest­li­chen Ver­trags­lauf­zeit anfal­len­den Ver­wal­ter­ho­no­rars geschätzt wer­den kann1, sofern die­ser Betrag die in § 49a Abs. 1 Satz 2 GKG ent­hal­te­ne Ober­gren­ze des fünf­fa­chen Inter­es­ses des Klä­gers an der Ent­schei­dung nicht über­schrei­tet.

Aller­dings herrscht Unei­nig­keit dar­über, wie das Inter­es­se des Klä­gers zu bemes­sen ist. Teil­wei­se wird es auf 10 % des gesam­ten rest­li­chen Hono­rars geschätzt mit der Fol­ge, dass der fünf­fa­che Betrag stets dem hälf­ti­gen Gesamt­in­ter­es­se ent­spricht2. Ande­re sehen den nach Mit­ei­gen­tums­an­tei­len ermit­tel­ten Anteil des Klä­gers an dem Ver­wal­ter­ho­no­rar als maß­geb­lich an. Die­ser wird teils ein­fach3, teils zwei­fach4 oder sogar drei­fach unter Hin­weis auf den andern­falls zu nied­ri­gen Streit­wert5 her­an­ge­zo­gen. Fest steht jeden­falls, dass das Inter­es­se des Klä­gers nicht – wie das Beru­fungs­ge­richt offen­bar meint – um 50 % redu­ziert wer­den darf. Denn die Her­an­zie­hung des hälf­ti­gen Werts ist nur in § 49a Abs. 1 Satz 1 GKG vor­ge­se­hen und bezieht sich nicht auf das in § 49a Abs. 1 Satz 2 GKG als Ober­gren­ze vor­ge­se­he­ne fünf­fa­che Inter­es­se des Klä­gers.

Der Bun­des­ge­richts­hof hält es im Regel­fall für ange­mes­sen, den Anteil des Klä­gers an dem rest­li­chen Ver­wal­ter­ho­no­rar her­an­zu­zie­hen, der sich aus dem Kos­ten­ver­tei­lungs­schlüs­sel ergibt und im Zwei­fel nach Mit­ei­gen­tums­an­tei­len zu bemes­sen ist. Bei einem Streit um die vor­zei­ti­ge Abbe­ru­fung des Ver­wal­ters geht es bei­den Par­tei­en im Wesent­li­chen um des­sen Per­son und nicht um das Hono­rar. Letz­te­res kann nur ein Hilfs­mit­tel sein, um das jewei­li­ge Inter­es­se an der Ent­schei­dung ein­zu­schät­zen. Dabei liegt auf der Hand, dass das Inter­es­se eines ein­zel­nen Woh­nungs­ei­gen­tü­mers an der Ver­wal­tung nicht dem der Gesamt­heit ent­spricht, son­dern nach der Grö­ße sei­nes Anteils zu gewich­ten ist. Wird das Gesamt­in­ter­es­se der Betei­lig­ten – wie es ein­hel­li­ger Mei­nung ent­spricht – anhand des ein­fa­chen rest­li­chen Hono­rars bestimmt, spricht nichts dafür, aus­schließ­lich den Anteil des Klä­gers zu ver­dop­peln oder gar zu ver­drei­fa­chen.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 10. Febru­ar 2012 – V ZR 105/​11

  1. so zu § 48 Abs. 3 WEG aF: BGH, Beschluss vom 20.06.2002 – V ZB 39/​01, NZM 2002, 788, 793, inso­weit in BGHZ 151, 164 ff. nicht abge­druckt; zu § 49a GKG Suil­mann in Jen­ni­ßen, WEG, 2. Aufl., § 49a GKG Rn.19 mwN []
  2. OLG Cel­le, NJW 2010, 1154; LG Mün­chen, NZM 2009, 625 f.; Mons­chau in Schneider/​Herget, Streit­wert­kom­men­tar, 13. Aufl., Rn. 6274 f.; im Ergeb­nis eben­so Mül­ler, ZMR 2010, 139, 140 f. []
  3. OLG Mün­chen, NJW-RR 2009, 1615 f.; Suil­mann in Jen­ni­ßen, WEG, 2. Aufl., § 49a GKG Rn.19 []
  4. LG Karls­ru­he, ZWE 2010, 409 f. []
  5. OLG Schles­wig, Beschluss vom 21.11.2011 – 3 W 75/​11 []