Ver­mie­ter wet­tert gegen Pira­ten­flag­ge im Fens­ter

Eine als Sicht­schutz am Fens­ter ange­brach­te Pira­ten­flag­ge für Kin­der muss der Ver­mie­ter dul­den, da sie nicht unzu­mut­bar ist.

Ver­mie­ter wet­tert gegen Pira­ten­flag­ge im Fens­ter

In einem vom Land­ge­richt Chem­nitz zu ent­schie­de­nen Fall war das Gebrauchs­recht des Mie­ters nach Auf­fas­sung des Gerichts noch nicht über­schrit­ten. Dem­entspre­chend hat das Land­ge­richt die Fra­ge, ob die als Sicht­schutz in einem Fens­ter auf­ge­häng­te Pira­ten­fah­ne das Anwe­sen ver­un­stal­tet und für den Ver­mie­ter unzu­mut­bar ist, ins­be­son­de­re auch des­we­gen, weil poten­ti­el­le Miet­in­ter­es­sen­ten abge­schreckt wer­den könn­ten, ver­neint. Die streit­ge­gen­ständ­li­che Fah­ne in der Fas­sa­de tritt zwar deut­lich her­vor, eben­so deut­lich ist sie aber auch als Kin­der­pi­ra­ten­flag­ge – grin­sen­der Schä­del mit Augen­klap­pe – erkenn­bar. Hier­aus fol­ger­te das Beru­fungs­ge­richt, dass das Auf­hän­gen einer der­ar­ti­gen Fah­ne das Gebrauchs­recht des Mie­ters noch nicht über­schrei­tet und der sozi­al­üb­li­che Rah­men nicht gesprengt ist. Bei einer Kin­der­pi­ra­ten­fah­ne, die kei­nen aggres­si­ven Ein­druck ver­mit­telt, ist der Rück­schluss auf ande­re Hin­ter­grün­de für das Auf­hän­gen nicht zu zie­hen. Es ergab sich des­halb für das Gericht auch kei­ne unzu­mut­ba­re Ein­schrän­kung der wirt­schaft­li­chen Nut­zungs­mög­lich­kei­ten des Ver­mie­ters.

Das Urteil schließt mit dem Hin­weis, dass es sich um eine auf den kon­kre­ten Fall bezo­ge­ne Ent­schei­dung han­delt, die das Deko­rie­ren eines Fens­ters mit einer Kin­der­pi­ra­ten­fah­ne betrifft. Gegen­stand des Urteils war nicht die Fra­ge nach der Befug­nis, sämt­li­che Fens­ter einer Woh­nung mit der­ar­ti­gen Fah­nen aus­zu­stat­ten. Auch zu einer gene­rel­len Ver­wen­dung von Toten­kopf­fah­nen ande­ren Erschei­nungs­bil­des nimmt das Urteil – wegen sei­nes Cha­rak­ters als Ein­zel­fall­ent­schei­dung – kei­ne Stel­lung.

Land­ge­richt Chem­nitz, Urteil vom 21. Okto­ber 2011 – 6 S 27/​11