Der über­gan­ge­ne Gläu­bi­ger – und die Ver­sa­gung der Rest­schuld­be­frei­ung

Ein Gläu­bi­ger ist nicht befugt, einen Antrag auf Ver­sa­gung der Rest­schuld­be­frei­ung zu stel­len, wenn er sei­ne For­de­rung gegen die Schuld­ne­rin nicht zur Insol­venz­ta­bel­le ange­mel­det, sich mit­hin am Insol­venz­ver­fah­ren nicht betei­ligt hat.

Der über­gan­ge­ne Gläu­bi­ger – und die Ver­sa­gung der Rest­schuld­be­frei­ung

§ 290 Abs. 1 InsO in sei­ner bis zum 30.06.2014 gel­ten­den Fas­sung gestat­tet die Ver­sa­gung der Rest­schuld­be­frei­ung wegen der Ver­let­zung einer Oblie­gen­heit des Schuld­ners im Insol­venz­ver­fah­ren, wenn dies im Schluss­ter­min von einem Insol­venz­gläu­bi­ger bean­tragt wor­den ist. Nach der gefes­tig­ten Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs sind nur die­je­ni­gen Insol­venz­gläu­bi­ger befugt, einen Ver­sa­gungs­an­trag zu stel­len, die ihre For­de­rung im Insol­venz­ver­fah­ren ange­mel­det haben. Erst die Teil­nah­me am Insol­venz­ver­fah­ren begrün­det die Antrags­be­rech­ti­gung 1. Da der wei­te­re Betei­lig­te zu 1 sei­ne For­de­rung nicht ange­mel­det hat, war er nicht berech­tigt, die Ver­sa­gung der Rest­schuld­be­frei­ung zu bean­tra­gen.

Der Umstand, dass die Schuld­ne­rin die For­de­rung des Gläu­bi­gers in dem von ihr nach § 305 Abs. 1 Nr. 3 InsO zusam­men mit dem Eröff­nungs­an­trag ein­ge­reich­ten Gläu­bi­ger- und For­de­rungs­ver­zeich­nis nicht ange­ge­ben hat, führt zu kei­ner ande­ren Beur­tei­lung.

Die Befug­nis, einen Antrag auf Ver­sa­gung der Rest­schuld­be­frei­ung zu stel­len, knüpft, weil es sich um einen Ver­fah­rens­an­trag han­delt, an die objek­tiv zu bestim­men­de Eigen­schaft des Gläu­bi­gers als Ver­fah­rens­be­tei­lig­ter an. Ist die­se nicht gege­ben, weil der Gläu­bi­ger sei­ne For­de­rung im Ver­fah­ren nicht ange­mel­det hat, schei­det ein Antrags­recht aus, ohne dass es dar­auf ankommt, wer das Unter­blei­ben der For­de­rungs­an­mel­dung zu ver­tre­ten hat. Der Bun­des­ge­richts­hof hat des­halb bereits ent­schie­den, dass vom Schuld­ner ver­schwie­ge­ne Insol­venz­gläu­bi­ger, die ihre For­de­run­gen nicht ange­mel­det haben, nicht berech­tigt sind, nach­träg­lich wäh­rend der Wohl­ver­hal­tens­pha­se Ver­sa­gungs­an­trä­ge nach §§ 296, 297 InsO zu stel­len. Erlangt der Schuld­ner durch bewuss­tes Ver­schwei­gen einer For­de­rung die Rest­schuld­be­frei­ung in unred­li­cher Wei­se, kann der betrof­fe­ne Gläu­bi­ger sei­nen Anspruch unter Beru­fung auf § 826 BGB nur im strei­ti­gen Ver­fah­ren ver­fol­gen 2. Dem­entspre­chend ist ein Insol­venz­gläu­bi­ger in einem sol­chen Fall auch nicht befugt, im Schluss­ter­min einen Ver­sa­gungs­an­trag nach § 290 InsO zu stel­len.

Ein Antrags­recht nach § 290 Abs. 1 InsO stün­de dem Gläu­bi­ger selbst dann nicht zu, wenn von Bedeu­tung wäre, ob der Gläu­bi­ger an der For­de­rungs­an­mel­dung ohne sein Ver­schul­den gehin­dert war. Denn die Anmel­dung einer For­de­rung kann noch im Schluss­ter­min erfol­gen 3. Will ein bis­her nicht am Ver­fah­ren betei­lig­ter Gläu­bi­ger im Schluss­ter­min einen Antrag auf Ver­sa­gung der Rest­schuld­be­frei­ung stel­len, kann er des­halb noch recht­zei­tig durch Anmel­dung sei­ner For­de­rung die Stel­lung eines Ver­fah­rens­be­tei­lig­ten erlan­gen.

Die Oblie­gen­heits­ver­let­zung des Schuld­ners, der im Gläu­bi­ger- und For­de­rungs­ver­zeich­nis unrich­ti­ge oder unvoll­stän­di­ge Anga­ben macht, muss des­halb nicht fol­gen­los blei­ben. Neben der dem betrof­fe­nen Gläu­bi­ger eröff­ne­ten Mög­lich­keit, sich gegen­über dem Schuld­ner auf § 826 BGB zu beru­fen, steht es den am Ver­fah­ren betei­lig­ten Insol­venz­gläu­bi­gern frei, die Ver­sa­gung der Rest­schuld­be­frei­ung zu bean­tra­gen. Denn hier­zu ist jeder Insol­venz­gläu­bi­ger berech­tigt, der sei­ne For­de­rung ange­mel­det hat, nicht nur der im Ein­zel­fall von den unrich­ti­gen Anga­ben betrof­fe­ne 4.

Die Beschrän­kung der Antrags­be­fug­nis nach § 290 Abs. 1 InsO aF auf am Ver­fah­ren betei­lig­te Insol­venz­gläu­bi­ger ist zwi­schen­zeit­lich auch in den Wort­laut des Geset­zes über­nom­men wor­den. Durch das Gesetz zur Ver­kür­zung des Rest­schuld­be­frei­ungs­ver­fah­rens und zur Stär­kung der Gläu­bi­ger­rech­te vom 15.07.2013 5 wur­de § 290 Abs. 1 InsO mit Wir­kung vom 01.07.2014 dahin geän­dert, dass die Rest­schuld­be­frei­ung nur zu ver­sa­gen ist, wenn dies von einem Insol­venz­gläu­bi­ger, der sei­ne For­de­rung ange­mel­det hat, bean­tragt wor­den ist. Nach der Begrün­dung des Regie­rungs­ent­wurfs soll­te dadurch aus­drück­lich die zur bis­he­ri­gen Geset­zes­fas­sung ent­wi­ckel­te Recht­spre­chung nach­ge­zeich­net wer­den 6.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 20. Novem­ber 2014 – IX ZB 56/​13

  1. BGH, Beschluss vom 22.02.2007 – IX ZB 120/​05, NZI 2007, 357 Rn. 2; vom 08.10.2009 – IX ZB 257/​08, NZI 2009, 856 Rn. 3; vom 10.08.2010 – IX ZB 127/​10, NZI 2010, 865 Rn. 4; vom 11.10.2012 – IX ZB 230/​09, NZI 2012, 892 Rn. 10[]
  2. BGH, Beschluss vom 09.10.2008 – IX ZB 16/​08, ZIn­sO 2009, 52 Rn. 2[]
  3. BGH, Urteil vom 19.01.2012 – IX ZR 4/​11, NZI 2012, 323 Rn. 10; Münch­Komm-InsO/­Rie­del, 3. Aufl., § 177 Rn. 10; Uhlenbruck/​Sinz, InsO, 13. Aufl., § 177 Rn. 8; HK-InsO/­De­pré, 7. Aufl., § 177 Rn. 1[]
  4. BGH, Beschluss vom 22.02.2007 – IX ZB 120/​05, NZI 2007, 357 Rn. 2; vom 21.01.2010 – IX ZB 164/​09, ZIn­sO 2010, 631 Rn. 15[]
  5. BGBl. I S. 2379[]
  6. BT-Drs. 17/​11268, S. 26[]