Die ver­zö­ger­te Ableh­nung der Insol­venz­ver­wal­ter­ver­gü­tung

Die sofor­ti­ge Beschwer­de des Insol­venz­ver­wal­ters gegen die Ableh­nung sei­nes Ver­gü­tungs­an­trags ist unzu­läs­sig, wenn der Beschwer­de­an­trag aus­schließ­lich auf die Fest­stel­lung einer rechts­wid­ri­gen Ver­fah­rens­ver­zö­ge­rung gerich­tet ist.

Die ver­zö­ger­te Ableh­nung der Insol­venz­ver­wal­ter­ver­gü­tung

Aller­dings han­del­te es sich bei einer sol­chen sofor­ti­gen Beschwer­de des Insol­venz­ver­wal­ters nicht um eine Untä­tig­keits­be­schwer­de, die jeden­falls seit Inkraft­tre­ten des Geset­zes über den Rechts­schutz bei über­lan­gen Gerichts­ver­fah­ren und straf­recht­li­chen Ermitt­lungs­ver­fah­ren vom 24.11.2011 [1] am 3.12 2011 nicht statt­haft ist [2]. Von einer Untä­tig­keits­be­schwer­de wird gespro­chen, wenn kei­ne Ent­schei­dung des Gerichts vor­liegt und sich die Beschwer­de gegen die gericht­li­che Untä­tig­keit als sol­che rich­tet [3]. Hier hat­te das Insol­venz­ge­richt aller­dings bereits eine Ent­schei­dung getrof­fen.

Die sofor­ti­ge Beschwer­de des Insol­venz­ver­wal­ters war jedoch unzu­läs­sig (§§ 567, 572 Abs. 2 ZPO), weil sie nicht dar­auf gerich­tet war, sei­nem Antrag auf Fest­set­zung der Ver­gü­tung statt­zu­ge­ben.

Für die Zuläs­sig­keit des Rechts­mit­tels genügt es nicht, dass die ange­foch­te­ne Ent­schei­dung eine Beschwer des Rechts­mit­tel­füh­rers ent­hält. Erfor­der­lich ist zusätz­lich, dass mit dem Rechts­mit­tel die Besei­ti­gung die­ser Beschwer erstrebt wird [4]. Das vor­in­stanz­li­che Begeh­ren muss also zumin­dest teil­wei­se wei­ter­ver­folgt wer­den; es darf nicht aus­schließ­lich ein neu­er Anspruch gel­tend gemacht wer­den [5]. Ob der Rechts­mit­tel­füh­rer die Besei­ti­gung der in der ange­foch­te­nen Ent­schei­dung ent­hal­te­nen Beschwer anstrebt, ergibt sich aus dem Rechts­mit­tel­an­trag [6].

Der Insol­venz­ver­wal­ter hat im vor­lie­gen­den Ver­fah­ren der sofor­ti­gen Beschwer­de nur den Antrag gestellt, fest­zu­stel­len, dass die Untä­tig­keit der Rechts­pfle­ge­rin, über den Vor­schuss­an­trag vom 29.04.2015 und die wei­te­ren Ver­gü­tungs­an­trä­ge zu ent­schei­den, rechts­wid­rig war. Auch die Begrün­dung des Beschwer­de­an­trags lässt kein ande­res Begeh­ren erken­nen. Der Insol­venz­ver­wal­ter ver­folg­te mit der sofor­ti­gen Beschwer­de nicht das Ziel, dass unter Abän­de­rung der ange­foch­te­nen Ent­schei­dung sei­nem Ver­gü­tungs­an­trag ent­spro­chen wer­de, son­dern er woll­te die Feh­ler­haf­tig­keit der Ver­fah­rens­füh­rung auf­grund des Zeit­ab­laufs bis zur Ent­schei­dung über sei­nen Antrag fest­ge­stellt wis­sen. Das sieht vor­lie­gend auch die Rechts­be­schwer­de so, die das­sel­be Begeh­ren ver­folgt. Damit hat der Insol­venz­ver­wal­ter im Beschwer­de­ver­fah­ren nicht das erst­in­stanz­li­che Begeh­ren wei­ter­ver­folgt, son­dern aus­schließ­lich einen neu­en Anspruch gel­tend gemacht.

Die vom Insol­venz­ver­wal­ter mög­li­cher­wei­se begehr­te Fest­stel­lung, dass die Ver­fah­rens­dau­er unan­ge­mes­sen war (§ 198 Abs. 4 GVG), kann im Übri­gen nur im Rah­men einer Kla­ge auf Ent­schä­di­gung nach § 198 Abs. 1 GVG beim zustän­di­gen Ober­lan­des­ge­richt (§ 201 Abs. 1 GVG) erreicht wer­den.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 12. März 2020 – IX ZB 68/​18

  1. BGBl. I S. 2302[]
  2. vgl. BGH, Beschluss vom 02.08.2013 – IX ZA 17/​13 3 mwN; vom 30.04.2014 XII ZB 136/​14, FamRZ 2014, 1285 Rn. 2[]
  3. vgl. Stein/​Jonas/​Jacobs, ZPO, 23. Aufl., § 567 Rn. 22, 24; vgl. auch BVerfG, NJW 2005, 2685, 2687[]
  4. BGH, Urteil vom 20.10.1982 IVb ZR 318/​81, BGHZ 85, 140, 142; vom 25.09.1986 – II ZR 31/​86, NJW-RR 1987, 124, 125; vom 06.05.1999 – IX ZR 250/​98, ZIP 1999, 1068, 1069; vgl. auch BGH, Beschluss vom 29.09.2011 – IX ZB 106/​11, WM 2011, 2113 Rn. 7; Urteil vom 17.02.2017 – V ZR 147/​16, NJW-RR 2017, 1040 Rn. 5[]
  5. Zöller/​Heßler, ZPO, 33. Aufl., vor § 511 Rn. 10 mwN[]
  6. Stein/​Jonas/​Althammer, ZPO, 23. Aufl., Allg. Einl. vor § 511 Rn. 76[]