Vom Affen gebis­sen

Hat eine gesetz­li­che Kran­ken­kas­se einen Anspruch auf Ersatz der Behand­lungs­kos­ten für einen Affen­biss? Das Land­ge­richt Mag­de­burg jeden­falls meint nein und wies eine Kla­ge der AOK gegen den Betrei­ber des Zoos in Aschers­le­ben ab:

Vom Affen gebis­sen

Die Ver­si­cher­te der AOK besuch­te am 23. Mai 2009 den Zoo in Aschers­le­ben und betrat dort auch das Affen­ge­he­ge, ein für Besu­cher zugän­gi­ges Frei­lauf­ge­he­ge, das über eine Schleu­se betre­ten wer­den kann. Gleich nach dem Betre­ten des Gehe­ges sprang der Frau ein Toten­ko­pfäff­chen auf den Kopf. Erschro­cken riss die Frau ihre Hän­de nach oben, wor­auf­hin der Affe der Ver­si­cher­ten in einen Fin­ger biss. Die Wun­de ent­zün­de­te sich, so dass die Frau sta­tio­när behan­delt wer­den muss­te. Die AOK bezahl­te die Behand­lungs­kos­ten von rund 5.400,00 € und woll­te das Geld nun von der Stadt als Zoo­be­trei­be­rin erstat­tet haben.

Das Gericht las­tet der Zoo­be­su­che­rin ein Mit­ver­schul­den von 100 % an, da ihr auf­grund der Hin­weis­schil­der klar sein muss­te, dass sie sich beim Betre­ten des Gehe­ges einer wenn auch über­schau­ba­ren Gefahr wie z.B. einem Affen­biss aus­setzt. Zumal auf den Hin­weis­schil­dern deut­lich von plötz­li­chen Bewe­gun­gen abge­ra­ten und vor Affen­bis­sen gewahrnt wur­de.

Wer sich bewusst auf­grund einer frei­en eigen­ver­ant­wort­li­chen Ent­schei­dung in eine Gefah­ren­si­tua­ti­on bege­ben hat, kann dann aber nicht Scha­dens­er­satz ver­lan­gen, wenn sich gera­de die­se Gefahr rea­li­siert hat.

Die Besu­che­rin konn­te sich frei ent­schei­den das Gehe­ge zu besu­chen oder sich nur den rest­li­chen Zoo anzu­schau­en. Wenn sie sich aber für den Besuch ent­schei­det ist ihr auch bewusst, dass sie sich mög­li­cher­wei­se selbst gefähr­det. Um das Risi­ko wei­ter zu mini­mie­ren, war sie ver­pflich­tet, sich an die Ver­hal­tens­re­geln zu hal­ten und kei­ne schnel­len und has­ti­gen Hand­be­we­gun­gen zu machen. Das Hoch­rei­ßen der Arme und Hän­de ist aber nichts ande­res. Also hat die Besu­che­rin den Affen­biss zu 100 % mit­ver­schul­det. Das Ver­hal­ten ihrer Ver­si­cher­ten muss sich die AOK zurech­nen las­sen und kann von dem Zoo­be­trei­ber kei­ne Kos­ten­er­stat­tung ver­lan­gen.

Land­ge­richt Mag­de­burg, Urteil vom 3. Novem­ber 2010 – 10 O 1082/​10