Wer sich nicht beneh­men kann, darf nicht zum Aus­lands­spiel des Ver­eins

Hat ein deut­scher Fuß­ball­fan in der Ver­gan­gen­heit im Rah­men von Fuß­ball­spie­len erheb­li­che Gewalt­de­lik­te began­gen, kann die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land die Rei­se zu einem Aus­land­spiel unter­sa­gen.

Wer sich nicht beneh­men kann, darf nicht zum Aus­lands­spiel des Ver­eins

Mit die­ser Begrün­dung hat das Land­ge­richt Frank­furt am Main in dem hier vor­lie­gen­den Fall einem Hoo­li­gan den Scha­dens­er­satz ver­wei­gert. Geklagt hat ein Fan des SV Wald­hof Mann­heim, der in den Jah­ren 2015 – 2017 straf­recht­lich bei ver­schie­de­nen Fuß­ball­be­geg­nun­gen in Erschei­nung getre­ten ist, teils wegen Sach­be­schä­di­gung mit bra­chia­ler Gewalt, teils wegen gefähr­li­cher Kör­per­ver­let­zung. Unter ande­rem ver­folg­te er gemein­sam mit ande­ren Tätern eini­ge Anhän­ger von Han­no­ver 96 am Haupt­bahn­hof in Mann­heim, trat und schlug auf sie ein und stieß eine Per­son gegen eine Zug­tür. Ein Opfer wur­de erheb­lich am Kopf ver­letzt. Durch Schlag­stock­ein­sät­ze von Poli­zei­be­am­ten konn­te der Angriff been­det wer­den. Bei einem Spiel in Öster­reich zwi­schen Ein­tracht Frank­furt und Leeds United beging der Klä­ger einen Land­frie­dens­bruch.

Im Novem­ber 2018 woll­te der Klä­ger vom Flug­ha­fen Frank­furt nach Zypern flie­gen, um sich dort am nächs­ten Tag ein Fuß­ball­spiel von Ein­tracht Frank­furt gegen Apol­lon FC anzu­se­hen. Bei der Aus­rei­se­kon­trol­le wur­de er auf­ge­hal­ten. Bun­des­be­am­te erlie­ßen eine Aus­rei­se­un­ter­sa­gung gegen den Klä­ger: Es wur­de ihm gemäß § 10 Abs. 1 Pass­ge­setz unter­sagt, bis 23:59 Uhr des Fol­ge­ta­ges in die Repu­blik Zypern zu rei­sen. Außer­dem muss­te er sich am nächs­ten Tag bei der Poli­zei mel­den.

Der Klä­ger hat die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land vor dem Land­ge­richt Frank­furt am Main ver­klagt und Scha­dens­er­satz von knapp 300,00 Euro wegen der Kos­ten ver­langt, die er umsonst für die Rei­se nach Zypern auf­ge­wandt hat­te. Außer­dem hat er 350,00 Euro Schmer­zens­geld gefor­dert.

Nach Auf­fas­sung des Land­ge­richts Frank­furt am Main kön­ne einem Deut­schen unter ande­rem dann die Aus­rei­se ins Aus­land ver­sagt wer­den, wenn dadurch Belan­ge der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land gefähr­det wür­den. Gewalt­de­lik­te deut­scher Bür­ger bei Ver­an­stal­tun­gen im Aus­land beein­träch­tig­ten deut­sche Belan­ge. Beim Klä­ger habe die begrün­de­te Gefahr bestan­den, dass er bei dem Fuß­ball­spiel von Ein­tracht Frank­furt in Zypern Gewalt­ta­ten hät­te bege­hen kön­nen. Damit hät­te er dem Anse­hen der Bun­des­re­pu­blik schwe­ren Scha­den zufü­gen kön­nen.

Die vor­an­ge­gan­ge­nen Aus­ein­an­der­set­zun­gen mit Fuß­ball­fans hät­ten gezeigt, dass der Klä­ger gewalt­be­reit sei. Dass die letz­ten Vor­komm­nis­se bereits ein Jahr zurück­ge­le­gen hät­ten, als der Klä­ger nach Zypern aus­rei­sen woll­te, ände­re im kon­kre­ten Fall nichts. Denn der Klä­ger habe sich nicht dau­er- und ernst­haft von sei­ner Hoo­li­gan-Ver­gan­gen­heit distan­ziert. Es sei davon aus­zu­ge­hen, dass Aggres­si­ons­po­ten­ti­al bei ihm wei­ter­hin vor­han­den sei, das unver­mit­telt und grund­los aus­bre­chen kön­ne. Für einen Schmer­zens­geld­an­spruch des Klä­gers sah das Land­ge­richt Frank­furt am Main kei­ne Grund­la­ge. Die Unter­sa­gung der Aus­rei­se sei recht­mä­ßig gewe­sen.

Gegen das Urteil ist Beru­fung bei dem Ober­lan­des­ge­richt Frank­furt am Main ein­ge­legt wor­den.

Land­ge­richt Frank­furt am Main, Urteil vom 25. Sep­tem­ber 2019 – 2 – 04 O 219/​19