Zah­lungs­kla­ge trotz gesell­schafts­recht­li­cher Durch­set­zungs­sper­re

Eine Kla­ge der Gesell­schaft im ordent­li­chen Ver­fah­ren, die unter Ver­ken­nung der Durch­set­zungs­sper­re auf Zah­lung (hier: der rück­stän­di­gen Ein­la­gen) gerich­tet ist, ent­hält ohne wei­te­res das Fest­stel­lungs­be­geh­ren, dass die ent­spre­chen­de For­de­rung in die Aus­ein­an­der­set­zungs­rech­nung ein­ge­stellt wird; bei einer Kla­ge im Urkun­den­pro­zess ist ein sol­ches Fest­stel­lungs­be­geh­ren dage­gen unstatt­haft.

Zah­lungs­kla­ge trotz gesell­schafts­recht­li­cher Durch­set­zungs­sper­re

Nach der – vom Beru­fungs­ge­richt zutref­fend gese­he­nen – stän­di­gen Recht­spre­chung des Senats unter­lie­gen sowohl die Ansprü­che des Gesell­schaf­ters gegen die Ge-sell­schaft als auch die der Gesell­schaft gegen die Gesell­schaf­ter zum Stich­tag des Aus­schei­dens einer Durch­set­zungs­sper­re; die gegen­sei­ti­gen Ansprü­che wer­den zu unselb­stän­di­gen Rech­nungs­pos­ten der Aus­ein­an­der­set­zungs­rech­nung 1.

Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs ist eine Kla­ge im ordent­li­chen Ver­fah­ren, die unter Ver­ken­nung der Durch­set­zungs­sper­re auf Zah­lung gerich­tet ist, ohne wei­te­res ein Fest­stel­lungs­be­geh­ren ent­hält, das dar­auf gerich­tet ist, dass die ent­spre­chen­de For­de­rung in die Aus­ein­an­der­set­zungs­rech­nung ein­ge­stellt wird; eines ent­spre­chen­den (aus­drück­li­chen) Hilfs­an­trags der kla­gen­den Par­tei bedarf es nicht2. Im Urkun­den­pro­zess ver­mag die­se Aus­le­gung der Kla­ge jedoch nicht zum Erfolg zu ver­hel­fen; sie wäre inso­weit als im Urkun­den­pro­zess unstatt­haft abzu­wei­sen.

Nach § 592 ZPO kann im Urkun­den­pro­zess (nur) ein Anspruch gel­tend gemacht wer­den, „wel­cher die Zah­lung einer bestimm­ten Geld­sum­me” zum Gegen­stand hat. Zweck des Urkun­den­pro­zes­ses ist es, dem durch Urkun­den legi­ti­mier­ten Gläu­bi­ger mög­lichst schnell einen voll­streck­ba­ren (§ 708 Nr. 4 ZPO), wenn auch viel­leicht nur vor­läu­fi­gen Titel zu ver­schaf­fen. Nur wo die­ser Zweck – einen Geld­an­spruch schnell durch­set­zen zu kön­nen – wirk­lich erreich­bar ist, kann der beklag­ten Par­tei zuge­mu­tet wer­den, sich mit etwai­gen Ein­wen­dun­gen auf das Nach­ver­fah­ren ver­wei­sen zu las­sen. Kann dage­gen der Beschleu­ni­gungs­zweck nicht oder nur unvoll­kom­men erreicht wer­den, dann besteht kein hin­rei­chen­der Grund, die beklag­te Par­tei der Gefahr eines – mög­li­cher­wei­se fal­schen – Vor­be­halts­ur­teils aus­zu­set­zen3.

Aus die­sem Grund ist die Erhe­bung einer Fest­stel­lungs­kla­ge im Urkun­den­pro­zess unstatt­haft4. Ein Fest­stel­lungs­ur­teil führt nicht zur schnel­len (vor­läu­fi­gen) Befrie­di­gung des Gläu­bi­gers; die Voll­stre­ckung eines Fest­stel­lungs­ti­tels – mit Aus­nah­me des Kos­ten­aus­spruchs – schei­det aus5.

Dies gilt im sel­ben Maße in einem Fall wie dem vor­lie­gen­den, in dem zu prü­fen ist, ob ein zunächst kla­ge­wei­se gel­tend gemach­ter Zah­lungs­an­trag im Urkun­den­pro­zess ein Fest­stel­lungs­be­geh­ren dahin­ge­hend ent­hält, die mit dem Zah­lungs­an­trag gel­tend gemach­te For­de­rung sei in eine Aus­ein­an­der­set­zungs­rech­nung der Par­tei­en ein­zu­stel­len. Dass die mit dem (fal­schen) Ziel auf Zah­lung einer Geld­for­de­rung erho­be­ne Kla­ge zunächst als im Urkun­den­pro­zess statt­haft bewer­tet wur­de, führt ent­ge­gen der Ansicht der Revi­si­on nicht dazu, dass ein sol­ches Fest­stel­lungs­be­geh­ren, wenn es durch Aus­le­gung dem Zah­lungs­an­trag auch in die­sem Fall zu ent­neh­men sein soll­te, des­halb eben­falls statt­haft wäre6. Die Beschnei­dung der Rech­te der beklag­ten Par­tei eines Urkun­den­pro­zes­ses lässt sich, wie aus­ge­führt, nur recht­fer­ti­gen, wenn die mit dem Urkun­den­pro­zess bezweck­te beschleu­nig­te Befrie­di­gungs­mög­lich­keit des Gläu­bi­gers erreicht wer­den kann. Dies ist bei der begehr­ten Fest­stel­lung, eine For­de­rung mit einem bestimm­ten Betrag in eine Aus­ein­an­der­set­zungs­rech­nung ein­zu­stel­len, nicht der Fall. Der Streit geht es die­sem Fall nicht mehr dar­um, ob ein bestimm­ter Geld­be­trag zu zah­len ist.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 22. Mai 2012 – II ZR 3/​11

  1. sie­he nur BGH, Urteil vom 15.05.2000 – II ZR 6/​99, ZIP 2000, 1208, 1209; Urteil vom 02.07.2001 – II ZR 304/​00, BGHZ 148, 201, 207 f.; Urteil vom 12.07.2010 – II ZR 492/​06, BGHZ 186, 167 Rn. 12 – FRIZ II; Urteil vom 17.05.2011 – II ZR 285/​09, ZIP 2011, 1359 Rn. 14, 17
  2. sie­he nur BGH, Urteil vom 09.03.1992 – II ZR 195/​90, NJW 1992, 2757, 2758; Urteil vom 15.05.2000 – II ZR 6/​99, ZIP 2000, 1208, 1210; Urteil vom 18.03.2002 – II ZR 103/​01, NZG 2002, 519
  3. BGH, Urteil vom 21.03.1979 – II ZR 91/​78, WM 1979, 614
  4. BGH, Urteil vom 31.01.1955 – II ZR 136/​54, BGHZ 16, 207, 213; Urteil vom 21.03.1979 – II ZR 91/​78, WM 1979, 614; Musielak/​Voit, ZPO, 9. Aufl., § 592 Rn. 3; Zöller/​Greger, ZPO, 29. Aufl., § 592 Rn. 3
  5. Zöller/​Greger, ZPO, 29. Aufl., § 704 Rn. 2; § 708 Rn. 13
  6. vgl. Musielak/​Voit, ZPO, 9. Aufl., § 597 Rn. 2