Merk­zei­chen "aG"

Mit der feh­len­den gesetz­li­chen Ermäch­ti­gung für den Nach­teils­aus­gleich "aG" in den "Ver­sor­gungs­me­di­zi­ni­schen Grund­sät­zen" (VG) hat­te sich aktu­ell erneut 1 das Lan­des­so­zi­al­ge­richt Baden-Würt­tem­berg zu befas­sen:

Merk­zei­chen "aG"

Auf Antrag des behin­der­ten Men­schen tref­fen die für die Durch­füh­rung des Bun­des­ver­sor­gungs­ge­set­zes zustän­di­gen Behör­den, wenn neben dem Vor­lie­gen einer Behin­de­rung wei­te­re gesund­heit­li­che Merk­ma­le Vor­aus­set­zung für die Inan­spruch­nah­me von Nach­teils­aus­glei­chen sind, die erfor­der­li­chen Fest­stel­lun­gen (§ 69 Abs. 4 SGB IX). Auf Antrag des behin­der­ten Men­schen stel­len die zustän­di­gen Behör­den auf Grund einer Fest­stel­lung der Behin­de­rung einen Aus­weis über die gesund­heit­li­chen Merk­ma­le aus (§ 69 Abs. 5 SGB IX).

Zu die­sen Merk­ma­len gehört die außer­ge­wöhn­li­che Geh­be­hin­de­rung im Sin­ne des § 6 Abs. 1 Nr. 14 StVG oder ent­spre­chen­der stra­ßen­ver­kehrs­recht­li­cher Vor­schrif­ten, für die in den Schwer­be­hin­der­ten­aus­weis das Merk­zei­chen aG ein­zu­tra­gen ist (§ 3 Abs. 1 Nr. 1 SchwbA­wV – Vier­te Ver­ord­nung zur Durch­füh­rung des Schwer­be­hin­der­ten­ge­set­zes). Die­se Fest­stel­lung zieht stra­ßen­ver­kehrs­recht­lich die Gewäh­rung von Park­erleich­te­run­gen im Sin­ne des § 46 Abs. 1 Nr. 11 StVO nach sich, ins­be­son­de­re die Nut­zung von geson­dert aus­ge­wie­se­nen Behin­der­ten­park­plät­zen (Roll­stuhl­fah­rer­sym­bol, Zusatz­zei­chen 1020-11, 1044-10, 1044-11 StVO) und die Befrei­ung von ver­schie­de­nen Park­be­schrän­kun­gen (zum Bei­spiel vom ein­ge­schränk­ten Hal­te­ver­bot für die Dau­er von drei Stun­den). Dar­über hin­aus führt sie unter ande­rem zur Befrei­ung von der Kraft­fahr­zeug­steu­er (§ 3a Abs. 1 Kraft­StG) bei gleich­zei­ti­ger Mög­lich­keit der unent­gelt­li­chen Beför­de­rung im öffent­li­chen Per­so­nen­nah­ver­kehr (§ 145 Abs. 1 SGB IX) und gege­be­nen­falls zur Aus­nah­me von all­ge­mei­nen Fahr­ver­bo­ten nach § 40 BIm­SchG. Sie macht die steu­er­li­che Gel­tend­ma­chung von Kos­ten des Kraft­fahr­zeu­ges, soweit sie nicht schon Wer­bungs- oder Betriebs­kos­ten sind, als außer­ge­wöhn­li­che Belas­tun­gen im Sin­ne des § 33 EStG in ange­mes­se­nem Umfang mög­lich.

Aus­gangs­punkt für die Fest­stel­lung der außer­ge­wöhn­li­chen Geh­be­hin­de­rung ist Abschnitt II Nr. 1 zu § 46 Abs. 1 Nr. 11 VwV-StVO (All­ge­mei­ne Ver­wal­tungs­vor­schrift zur Stra­ßen­ver­kehrs­ord­nung; abge­druckt noch in „Anhalts­punk­te für die ärzt­li­che Gut­ach­ter­tä­tig­keit im sozia­len Ent­schä­di­gungs­recht und nach dem Schwer­be­hin­der­ten­recht (Teil 2 SGB IX)“ 2; nicht mehr in der Anla­ge „Ver­sor­gungs­me­di­zi­ni­sche Grund­sät­ze“ [VG] zu § 2 der Ver­ord­nung zur Durch­füh­rung des § 1 Abs. 1 und 3, § 30 Abs. 1 und § 35 Abs. 1 BVG). Dies ist, obwohl nach Art 84 Abs. 2 Grund­ge­setz erlas­se­ne Ver­wal­tungs­vor­schrif­ten kei­ne unmit­tel­ba­re Außen­wir­kung ent­fal­ten 3, stän­di­ge höchst­rich­ter­li­che Recht­spre­chung 4. Danach ist außer­ge­wöhn­lich geh­be­hin­dert im Sin­ne des § 6 Abs. 1 Nr. 14 StVG, wer sich wegen der Schwe­re sei­nes Lei­dens dau­ernd nur mit frem­der Hil­fe oder nur mit gro­ßer Anstren­gung außer­halb sei­nes Kraft­fahr­zeu­ges bewe­gen kann (Abschnitt II Nr. 1 Satz 1 zu § 46 Abs. 1 Nr. 11 VwV-StVO). Hier­zu zäh­len Quer­schnitts­ge­lähm­te, Dop­pel­ober­schen­kel­am­pu­tier­te, Dop­pel­un­ter­schen­kel­am­pu­tier­te, Hüft­ex­ar­ti­ku­lier­te und ein­sei­tig Ober­schen­kel­am­pu­tier­te, die dau­ernd außer Stan­de sind, ein Kunst­bein zu tra­gen, oder nur eine Becken­korb­pro­the­se tra­gen kön­nen oder zugleich unter­schen­kel- oder armam­pu­tiert sind (Abschnitt II Nr. 1 Satz 2 Halb­satz 1 zu § 46 Abs. 1 Nr. 11 VwV-StVO), sowie ande­re Schwer­be­hin­der­te, die nach ver­sor­gungs­ärzt­li­cher Fest­stel­lung, auch auf Grund von Erkran­kun­gen, dem vor­ste­hen­den Per­so­nen­kreis gleich­zu­stel­len sind (Abschnitt II Nr. 1 Satz 2 Halb­satz 2 zu § 46 Abs. 1 Nr. 11 VwV-StVO).

Zwar ent­hal­ten die VG hin­sicht­lich der Beur­tei­lung der Vor­aus­set­zun­gen für die Fest­stel­lung des Nach­teils­aus­gleichs aG wei­te­re Kri­te­ri­en. Danach darf die Annah­me einer außer­ge­wöhn­li­chen Geh­be­hin­de­rung nur auf eine Ein­schrän­kung der Geh­fä­hig­keit und nicht auf Bewe­gungs­be­hin­de­run­gen ande­rer Art bezo­gen wer­den (VG Teil D Nr. 3 c Satz 1, S. 142), ist bei der Fra­ge der Gleich­stel­lung von behin­der­ten Men­schen mit Schä­den an den unte­ren Glied­ma­ßen zu beach­ten, dass das Geh­ver­mö­gen auf das Schwers­te ein­ge­schränkt sein muss und ist des­halb als Ver­gleichs­maß­stab am ehes­ten das Geh­ver­mö­gen eines Dop­pel­ober­schen­kel­am­pu­tier­ten her­an­zu­zie­hen (VG Teil D Nr. 3 c Satz 2, S. 142) und sind als Erkran­kun­gen der inne­ren Orga­ne, die eine sol­che Gleich­stel­lung recht­fer­tig­ten, bei­spiels­wei­se Herz­schä­den mit schwe­ren Dekom­pen­sa­ti­ons­er­schei­nun­gen oder Ruhe­in­suf­fi­zi­enz sowie Krank­hei­ten der Atmungs­or­ga­ne mit Ein­schrän­kung der Lun­gen­funk­ti­on schwe­ren Gra­des anzu­se­hen (VG Teil D Nr. 3 c Satz 5, S. 142). Den VG las­sen sich aber im Ergeb­nis kei­ne wei­te­ren Beur­tei­lungs­kri­te­ri­en für die Fest­stel­lung der gesund­heit­li­chen Vor­aus­set­zun­gen des begehr­ten Nach­teils­aus­gleichs ent­neh­men. Denn die VG sind hin­sicht­lich der getrof­fe­nen Rege­lun­gen für die nach dem Schwer­be­hin­der­ten­recht zu beur­tei­len­den Nach­teils­aus­glei­che G, „Berech­ti­gung für eine stän­di­ge Beglei­tung“ (B), aG, „Gehör­lo­sig­keit“ (Gl) und „Blind­heit“ (Bl) unwirk­sam, da es inso­weit an einer gesetz­li­chen Ver­ord­nungs­er­mäch­ti­gung fehlt. Eine sol­che Ermäch­ti­gung fin­det sich näm­lich – mit Aus­nah­me des Nach­teils­aus­gleichs „Hilf­lo­sig­keit“ (H) – weder in § 30 Abs. 17 BVG, noch in sons­ti­gen Rege­lun­gen des BVG oder des SGB IX (LSG Baden-Würt­tem­berg, Urteil vom 04.11.2010 – L 6 SB 2556/​09, unter Hin­weis auf LSG Baden-Würt­tem­berg, Urtei­le vom 14.08.2009 – L 8 SB 1691/​08; und vom 24.09.2010 – L 8 SB 4533/​09; Dau, juris­PR-SozR 4/​2009, Anm. 4; so zuletzt auch LSG Baden-Würt­tem­berg., Urteil vom 09.05.2011 – L 8 SB 2294/​10)).

Wäh­rend die in Abschnitt II Nr. 1 Satz 2 Halb­satz 1 zu § 46 Abs. 1 Nr. 11 VwV-StVO auf­ge­führ­ten Schwer­be­hin­der­ten rela­tiv ein­fach zu bestim­men sind, ist dies bei der Grup­pe der gleich­ge­stell­ten Schwer­be­hin­der­ten nicht ohne Pro­ble­me mög­lich. Ein Betrof­fe­ner ist gleich­zu­stel­len, wenn sei­ne Geh­fä­hig­keit in unge­wöhn­lich hohem Maße ein­ge­schränkt ist und er sich nur unter eben­so gro­ßen Anstren­gun­gen wie die erst­ge­nann­ten Grup­pen von Schwer­be­hin­der­ten oder nur noch mit frem­der Hil­fe fort­be­we­gen kann 5. Schwie­rig­kei­ten berei­tet hier­bei der Ver­gleichs­maß­stab, weil die ver­schie­de­nen, in Abschnitt II Nr. 1 Satz 2 Halb­satz 1 zu § 46 Abs. 1 Nr. 11 VwV-StVO auf­ge­zähl­ten Grup­pen in ihrer Wege­fä­hig­keit nicht homo­gen sind und ein­zel­ne Ver­tre­ter die­ser Grup­pen – bei gutem gesund­heit­li­chem All­ge­mein­zu­stand, hoher kör­per­li­cher Leis­tungs­fä­hig­keit und opti­ma­ler pro­the­ti­scher Ver­sor­gung – aus­nahms­wei­se nahe­zu das Geh­ver­mö­gen eines Nicht­be­hin­der­ten errei­chen kön­nen 6. Sol­che Beson­der­hei­ten kön­nen aber ange­sichts des mit der Zuer­ken­nung des Merk­zei­chens aG bezweck­ten Nach­teils­aus­gleichs nicht als Maß­stab für die Bestim­mung der Gleich­stel­lung her­an­ge­zo­gen wer­den. Viel­mehr muss sich die­ser strikt an dem der ein­schlä­gi­gen Rege­lung vor­an­ge­stell­ten Ober­satz ori­en­tie­ren; dies ist Abschnitt II Nr. 1 Satz 1 zu § 46 Abs. 1 Nr. 11 VwV-StVO bezie­hungs­wei­se § 6 Abs. 1 Nr. 14 StVG 7. Dabei ist zu berück­sich­ti­gen, dass Park­raum für die­je­ni­gen Schwer­be­hin­der­ten geschaf­fen wer­den soll­te, denen es unzu­mut­bar ist, län­ge­re Wege zu Fuß zurück­zu­le­gen 8. Wegen der begrenz­ten städ­te­bau­li­chen Mög­lich­kei­ten, Raum für Park­erleich­te­run­gen zu schaf­fen, sind hohe Anfor­de­run­gen zu stel­len, um den Kreis der Begüns­tig­ten klein zu hal­ten 5.

Für die Gleich­stel­lung ist bei dem Rest­geh­ver­mö­gen des Betrof­fe­nen anzu­set­zen. Dabei lässt sich ein anspruchs­aus­schlie­ßen­des Rest­geh­ver­mö­gen grif­fig weder quan­ti­fi­zie­ren noch qua­li­fi­zie­ren 7. Weder der gestei­ger­te Ener­gie­auf­wand noch eine in Metern aus­ge­drück­te Weg­stre­cke tau­gen grund­sätz­lich dazu. Denn die maß­geb­li­chen stra­ßen­ver­kehrs­recht­li­chen Vor­schrif­ten stel­len nicht dar­auf ab, über wel­che Weg­stre­cke ein schwer­be­hin­der­ter Mensch sich außer­halb sei­nes Kraft­fahr­zeu­ges zumut­bar noch bewe­gen kann, son­dern dar­auf, unter wel­chen Bedin­gun­gen ihm dies nur noch mög­lich ist: näm­lich nur mit frem­der Hil­fe oder nur mit gro­ßer Anstren­gung. Wer die­se Vor­aus­set­zung prak­tisch von den ers­ten Schrit­ten außer­halb sei­nes Kraft­fahr­zeu­ges an erfüllt, qua­li­fi­ziert sich für den ent­spre­chen­den Nach­teils­aus­gleich auch dann, wenn er gezwun­ge­ner­ma­ßen auf die­se Wei­se län­ge­re Weg­stre­cken zurück­legt. Der gleich­zu­stel­len­de Per­so­nen­kreis beschränkt sich daher auf Schwer­be­hin­der­te, deren Geh­fä­hig­keit in unge­wöhn­lich hohem Maß ein­ge­schränkt ist und die sich nur unter eben­so gro­ßen kör­per­li­chen Anstren­gun­gen fort­be­we­gen kön­nen wie die in Abschnitt II Nr. 1 Satz 2 Halb­satz 1 zu § 46 Abs. 1 Nr. 11 VwV-StVO ein­zeln auf­ge­führ­ten Ver­gleichs­grup­pen 9.

Auch soweit die­se gro­ßen kör­per­li­chen Anstren­gun­gen fest­zu­stel­len sind, kann nicht allein auf eine gegrif­fe­ne Grö­ße wie die schmerz­frei zurück­ge­leg­te Weg­stre­cke abge­stellt wer­den. Unab­hän­gig von der Schwie­rig­keit, eine sol­che Weg­stre­cke objek­tiv feh­ler­frei und ver­wert­bar fest­zu­stel­len, ist die Tat­sa­che, dass ein Betrof­fe­ner nach einer bestimm­ten Stre­cke eine Pau­se machen muss, ledig­lich Indiz für eine Erschöp­fung. Für die Zuer­ken­nung des Nach­teils­aus­gleichs aG rei­chen über­dies nicht irgend­wel­che Erschöp­fungs­zu­stän­de aus. Sie müs­sen in ihrer Inten­si­tät viel­mehr gleich­wer­tig mit den Erschöp­fungs­zu­stän­den sein, die Schwer­be­hin­der­te der in Abschnitt II Nr. 1 Satz 2 Halb­satz 1 zu § 46 Abs. 1 Nr. 11 VwV-StVO ein­zeln auf­ge­führ­ten Grup­pen erlei­den. Grad­mes­ser hier­für kann die Inten­si­tät der Schmer­zen bezie­hungs­wei­se der Luft­not nach dem Zurück­le­gen einer bestimm­ten Weg­stre­cke sein. Ein sol­ches Erschöp­fungs­bild lässt sich unter ande­rem aus der Dau­er der erfor­der­li­chen Pau­se sowie den Umstän­den her­lei­ten, unter denen der Schwer­be­hin­der­te nach der Pau­se sei­nen Weg fort­setzt. Nur kur­zes Pau­sie­ren mit anschlie­ßen­dem Fort­set­zen des Weges ohne zusätz­li­che Pro­ble­me ist im Hin­blick auf den durch die Ver­gleichs­grup­pen gebil­de­ten Maß­stab zumut­bar 9.

Ob die danach erfor­der­li­chen gro­ßen kör­per­li­chen Anstren­gun­gen beim Gehen vor­lie­gen, ist Gegen­stand tatrich­ter­li­cher Wür­di­gung, die sich auf alle ver­füg­ba­ren Beweis­mit­tel, wie Befund­be­rich­te der behan­deln­den Ärz­te, Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­ten oder einen dem Gericht per­sön­lich ver­mit­tel­ten Ein­druck, stüt­zen kann. Gera­de bei mul­ti­mor­bi­den Schwer­be­hin­der­ten liegt auf der Hand, dass allein das Abstel­len auf ein star­res Kri­te­ri­um kei­ne sach­ge­rech­te Beur­tei­lung ermög­licht, weil es eine Gesamt­schau aller rele­van­ten Umstän­de eher ver­hin­dert. Gera­de die Anwen­dung eines ein­zel­nen star­ren Kri­te­ri­ums birgt die Gefahr eines Ver­sto­ßes gegen den all­ge­mei­nen Gleich­heits­satz des Art. 3 Abs. 1 Grund­ge­setz 9.

Ein an einer bestimm­ten Weg­stre­cke und einem Zeit­maß ori­en­tier­ter Maß­stab liegt auch nicht wegen der Metho­de nahe, mit der die gesund­heit­li­chen Vor­aus­set­zun­gen des Merk­zei­chens G fest­ge­stellt wer­den (ver­glei­che dazu VG Teil D Nr. 1, S. 139 und 140). Denn für den Nach­teils­aus­gleich aG gel­ten gegen­über dem Nach­teils­aus­gleich G nicht gestei­ger­te, son­dern ande­re Vor­aus­set­zun­gen (BSG, Urteil vom 13.12.1994 – 9 RVs 3/​94, SozR 3 – 3870 § 4 Nr. 11).

Eben­so wenig lässt sich ein allein maß­geb­li­ches Weg­stre­cken-Zeit-Kri­te­ri­um aus dem stra­ßen-ver­kehrs­recht­li­chen Zweck des Nach­teils­aus­gleichs aG her­lei­ten. Inso­fern kommt es nicht auf die übli­cher­wei­se auf Groß­park­plät­zen zurück­zu­le­gen­de Stre­cke zwi­schen all­ge­mein nutz­ba­ren Park­plät­zen und Gebäu­de­ein­gän­gen an. Der Nach­teils­aus­gleich aG soll die stark ein­ge­schränk­te Geh­fä­hig­keit durch Ver­kür­zung der Wege infol­ge der gewähr­ten Park­erleich­te­run­gen aus­glei­chen 10. Ein bestimm­tes Weg­stre­cken­kri­te­ri­um erschie­ne nur dann als sach­ge­recht, wenn die betref­fen­de Weg­stre­cke grund­sätz­lich geeig­net wäre, den bestehen­den Nach­teil aus­zu­glei­chen. Das könn­te es nahe­le­gen, auf die Plat­zie­rung geson­dert aus­ge­wie­se­ner Behin­der­ten­park­plät­ze abzu­stel­len. Aber auch die­sem Ansatz ist nicht zuzu­stim­men. Abge­se­hen davon, dass es kei­ne empi­ri­schen Unter­su­chun­gen zur durch­schnitt­li­chen Ent­fer­nung zwi­schen geson­dert aus­ge­wie­se­nen Behin­der­ten­park­plät­zen und den Ein­gän­gen zu Ein­rich­tun­gen des sozia­len, wirt­schaft­li­chen und gesell­schaft­li­chen Lebens gibt, greift die allei­ni­ge Aus­rich­tung auf Behin­der­ten­park­plät­ze (Zusatz­zei­chen 1020-11, 1044-10, 1044-11 StVO) zu kurz. Denn dane­ben wer­den nach Abschnitt I Nr. 1 zu § 46 Abs. 1 Nr. 11 VwV-StVO wei­te­re umfang­rei­che Park­erleich­te­run­gen, wie zum Bei­spiel die Aus­nah­me vom ein­ge­schränk­ten Hal­te­ver­bot, gewährt 9.

Lan­des­so­zi­al­ge­richt Baden-Würt­tem­berg, Urteil vom 9. Juni 2011 – L 6 SB 6140/​09

  1. im Anschluss an LSG Baden-Würt­tem­berg – L 8 SB 1691/​08[]
  2. Aus­ga­be 2008 [AHP], Nr. 27, S. 135[]
  3. Ler­che in Maunz-Dürig, Grund­ge­setz, Kom­men­tar, Stand Janu­ar 1985, Art. 84, Rz. 94 bis 103[]
  4. zuletzt in BSG, Urteil vom 05.07.2007 – B 9/​9a SB 5/​06 R[]
  5. BSG, Urteil vom 11.03.1998 – B 9 SB 1/​97 R, BSGE 82, 37[][]
  6. BSG, Urteil vom 10.12.2002 – B 9 SB 7/​01 RBSGE 90, 180[]
  7. BSG, Urteil vom 10.12.2002 – B 9 SB 7/​01 R, BSGE 90, 180[][]
  8. BT-Drucks 8/​3150, S. 9 und 10 in der Begrün­dung zu § 6 StVG[]
  9. BSG, Urteil vom 05.07.2007 – B 9/​9a SB 5/​06 R; BSG, Urteil vom 29.03.2007 – B 9a SB 5/​05 R, Behin­der­ten­recht 2008, 138; BSG, Urteil vom 29.03.2007 – B 9a SB 1/​06 R, Ver­sorg­Verw 2007, 61[][][][]
  10. BSG, Urteil vom 06.11.1985 – 9a RVs 7/​83 – SozR 3870 § 3 Nr. 18[]