Ehe­be­ding­te Nach­tei­le

Die Dar­le­gungs- und Beweis­last für ehe­be­ding­te Nach­tei­le im Sin­ne von § 1578 b BGB ist im Hin­blick auf die dem Unter­halts­be­rech­tig­ten gegen­wär­tig feh­len­de Mög­lich­keit, eine sei­ner Aus­bil­dung und frü­he­ren beruf­li­chen Stel­lung ent­spre­chen­de Tätig­keit zu erlan­gen, vor­greif­lich nach § 1577 BGB zu beur­tei­len und obliegt dem Unter­halts­be­rech­tig­ten. Gelangt das Fami­li­en­ge­richt hier zu der Über­zeu­gung, dass der Unter­halts­gläu­bi­ger kein adäqua­tes Ein­kom­men erzie­len kann, erüb­rigt sich inso­weit eine erneu­te Prü­fung im Rah­men von § 1578 b BGB.

Ehe­be­ding­te Nach­tei­le

Das OLG Bran­den­burg 1 hat­te in sei­nem Beru­fungs­ur­teil der Antrags­geg­ne­rin man­gels hin­rei­chen­der Erwerbs­be­mü­hun­gen ein fik­ti­ves Ein­kom­men zuge­rech­net. Dies wur­de vom BGH als im Ein­klang mit sei­ner Recht­spre­chung ste­hend gebil­ligt. Das gilt zunächst inso­weit, als die Antrags­geg­ne­rin im Rah­men der sie nach § 1569 BGB tref­fen­den unter­halts­recht­li­chen Eigen­ver­ant­wor­tung gehal­ten war, ihre nicht aus­rei­chend ertrag­rei­che selb­stän­di­ge Tätig­keit auf­zu­ge­ben und sich statt des­sen um eine nicht­selb­stän­di­ge Tätig­keit zu bemü­hen.

Im Rah­men der Unter­halts­be­dürf­tig­keit nach § 1577 Abs. 1 BGB trägt die Antrags­geg­ne­rin als Gläu­bi­ge­rin die Dar­le­gungs- und Beweis­last sowohl für hin­rei­chen­de Erwerbs­be­mü­hun­gen als auch das Feh­len einer rea­len Beschäf­ti­gungs­chan­ce 2. Das Beru­fungs­ge­richt hat das für die Antrags­geg­ne­rin aus einer nicht­selb­stän­di­gen Tätig­keit erziel­ba­re Ein­kom­men nach § 287 ZPO auf berei­nigt 1.000 € geschätzt. Dabei hat das Beru­fungs­ge­richt die Berufs­aus­bil­dung der Antrags­geg­ne­rin sowie eini­ge von ihr erwor­be­ne Zusatz­qua­li­fi­ka­tio­nen und Erfah­run­gen gewür­digt und ist zu dem Ergeb­nis gekom­men, dass die Antrags­geg­ne­rin eine Stel­le als Köchin, als Diät­as­sis­ten­tin oder im Pfle­ge­dienst­leis­tungs­be­reich habe erlan­gen kön­nen. Bei der Ein­kom­mens­hö­he sei­en jedoch wegen der län­ge­ren beruf­li­chen Absti­nenz, des Alters der Antrags­geg­ne­rin von fast 48 Jah­ren und der Lage auf dem Arbeits­markt Abstri­che zu machen, so dass der Antrags­geg­ne­rin kein höhe­rer Stun­den­lohn als 9 € zuge­rech­net wer­den kön­ne. Auch dies hält sich im zuläs­si­gen Rah­men tatrich­ter­li­cher Fest­stel­lun­gen. Ins­be­son­de­re steht damit zugleich fest, dass die Antrags­geg­ne­rin nicht sogleich eine voll­wer­ti­ge Beschäf­ti­gung in ihrem erlern­ten Beruf als Diät­as­sis­ten­tin erlan­gen kann.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 27. Mai 2009 – XII ZR 78/​08

  1. Fam­RZ 2008, 1952 – mit Anm. Ehin­ger FPR 2008, 393[]
  2. BGH, Urtei­le vom 30. Juli 2008 – XII ZR 126/​06Fam­RZ 2008, 2104, 2105 und vom 27. Janu­ar 1993 – XII ZR 206/​91Fam­RZ 1993, 789, 791 – jeweils zum Unter­halt wegen Erwerbs­lo­sig­keit nach § 1573 Abs. 1 BGB; Wendl/​Dose Das Unter­halts­recht in der fami­li­en­rich­ter­li­chen Pra­xis 7. Aufl. § 1 Rdn. 522[]