Indi­sche Leih­mut­ter und deut­sche Geburts­ur­kun­de

Bestehen kei­ne ver­nünf­ti­gen Zwei­fel dar­an, dass die Leih­mut­ter eines in Indi­en gebo­re­nen Kin­des zum Zeit­punkt der Geburt unver­hei­ra­tet war und mit der Aner­ken­nung der Vater­schaft durch den aus Deutsch­land stam­men­den, bio­lo­gi­schen Kinds­va­ter ein­ver­stan­den ist, so hat das Stan­des­amt die­sen als Vater in der Geburts­ur­kun­de ein­zu­tra­gen.

Indi­sche Leih­mut­ter und deut­sche Geburts­ur­kun­de

In dem jetzt vom Ober­lan­des­ge­richt Düs­sel­dorf ent­schie­den Fall lebt der bio­lo­gi­sche Vater in einer gleich­ge­schlecht­li­chen Lebens­part­ner­schaft. Um den gemein­sam mit sei­nem Part­ner geheg­ten Kin­der­wunsch zu erfül­len, ließ er in Indi­en eine dort von ihm erwor­be­ne Eizel­le mit sei­nem Samen befruch­ten und anschlie­ßend einer indi­schen Staats­an­ge­hö­ri­gen ein­set­zen. Nach der Geburt des Kin­des erkann­te er die Vater­schaft an. Dem stimm­te die Frau zu, die außer­dem bestä­tig­te, das Kind aus­ge­tra­gen zu haben. Sie erklär­te sich mit des­sen Adop­ti­on durch den Lebens­part­ner des bio­lo­gi­schen Vaters sowie mit der Aus­übung des gemein­sa­men Sor­ge­rechts durch bei­de Lebens­part­ner ein­ver­stan­den. Nach­dem der Vater in Indi­en einen deut­schen Pass für das Kind erhal­ten hat­te, reis­te er zurück nach Deutsch­land und bean­trag­te die Ein­tra­gung der Geburt.

Das Stan­des­amt sah sich an der Ein­tra­gung gehin­dert. Es bezwei­fel­te, dass die als Leih­mut­ter auf­tre­ten­de Frau das Kind tat­säch­lich zur Welt gebracht habe und dass sie ledig sei. In der Regel fun­gier­ten näm­lich ver­hei­ra­te­te Frau­en, die bereits eige­ne Kin­der zur Welt gebracht haben, als Leih­müt­ter. Bei einer ver­hei­ra­te­ten Leih­mut­ter jedoch kön­ne der bio­lo­gi­sche Vater nach deut­schem Recht die Vater­schaft nicht aner­ken­nen, weil hier­nach stets der Ehe­mann der Mut­ter als Vater des Kin­des gel­te. Über­dies kön­ne die hier­zu­lan­de ver­bo­te­ne Leih­mut­ter­schaft nicht nach­träg­lich durch einen Ein­trag im Gebur­ten­re­gis­ter lega­li­siert wer­den.

Die­se Zwei­fel hat das Ober­lan­des­ge­richt Düs­sel­dorf nicht geteilt: Durch eine ent­spre­chen­de Urkun­de der indi­schen Behör­den sowie die eides­statt­li­che Ver­si­che­rung der Frau sei hin­rei­chend nach­ge­wie­sen, dass die­se das Kind tat­säch­lich gebo­ren habe. Daher gel­te sie nach deut­schem Recht als des­sen Mut­ter. Auch der Umstand, dass die Frau unver­hei­ra­tet war, sei durch ein Attest indi­scher Behör­den und eine Erklä­rung ihres Bru­ders belegt. Somit habe zudem der bio­lo­gi­sche Vater die Vater­schaft wirk­sam aner­ken­nen kön­nen.

Für die Ent­schei­dung kam es dabei weder auf das in Deutsch­land gel­ten­de Embryo­nen­schutz­ge­setz an, das jeg­li­che ärzt­li­che Leis­tung bei Leih­mut­ter­schaf­ten ver­bie­tet, noch auf das im hie­si­gen Adop­ti­ons­ver­mitt­lungs­ge­setz ent­hal­te­ne Ver­bot der Ver­mitt­lung von Leih­müt­tern.

Ober­lan­des­ge­richt Düs­sel­dorf, Beschluss vom 26. April 2013 – I‑3 Wx 211/​12)