Rück­for­de­rung über­zahl­ter Betreu­er­ver­gü­tung – und der Ver­trau­ens­schutz

Mit dem Ver­trau­ens­schutz gegen­über der Rück­for­de­rung über­zahl­ter Betreu­er­ver­gü­tung hat­te sich aktu­ell der Bun­des­ge­richts­hof zu befas­sen:

Rück­for­de­rung über­zahl­ter Betreu­er­ver­gü­tung – und der Ver­trau­ens­schutz

Der Bun­des­ge­richts­hof hat bereits ent­schie­den, dass einer (Neu)Festsetzung der Betreu­er­ver­gü­tung, die eine Rück­for­de­rung über­zahl­ter Beträ­ge zur Fol­ge hät­te, im Ein­zel­fall der Ver­trau­ens­grund­satz ent­ge­gen­ste­hen kann, wenn das Ver­trau­en des Betreu­ers auf die Bestän­dig­keit einer ihm in der Ver­gan­gen­heit rechts­wid­rig gewähr­ten Ver­gü­tung schutz­wür­dig ist. Der öffent­lich­recht­li­che Erstat­tungs­an­spruch auf Rück­for­de­rung über­zahl­ter Betreu­er­ver­gü­tung kann ent­fal­len, wenn eine Abwä­gung im Ein­zel­fall ergibt, dass dem Ver­trau­en des Berufs­be­treu­ers auf die Bestän­dig­keit der ein­ge­tre­te­nen Ver­mö­gens­la­ge gegen­über dem öffent­li­chen Inter­es­se an der Wie­der­her­stel­lung einer dem Gesetz ent­spre­chen­den Ver­mö­gens­la­ge der Vor­rang ein­zu­räu­men ist 1.

Auch wenn von einem berufs­mä­ßig täti­gen Betreu­er die Kennt­nis der Ver­gü­tungs­ab­rech­nungs­vor­schrif­ten erwar­tet wer­den kann, steht dies im Ein­zel­fall der Annah­me eines Ver­trau­ens­tat­be­stan­des zuguns­ten des Betreu­ers nicht ent­ge­gen 2. Der Ver­trau­ens­schutz ist bereits bei der Fest­set­zung der Betreu­er­ver­gü­tung im gericht­li­chen Ver­fah­ren nach § 168 Abs. 1 Satz 1 FamFG zu prü­fen, da mit der gericht­li­chen Fest­set­zung der Ver­gü­tung im Fal­le bereits zuviel aus­ge­zahl­ter Beträ­ge zugleich der Rechts­grund für deren Rück­for­de­rung geschaf­fen wird 3.

Die Beru­fung auf die Unwirk­sam­keit des Dau­er­ver­gü­tungs­an­trags bzw. auf das Erlö­schen der Ver­gü­tungs­an­sprü­che nach § 2 VBVG für den streit­ge­gen­ständ­li­chen Zeit­raum ist aus­ge­schlos­sen, nach­dem – wie im vor­lie­gen­den Fall – das Amts­ge­richt durch sei­ne Pra­xis den Betreu­er von der jeweils nach­träg­li­chen Gel­tend­ma­chung sei­ner Ver­gü­tungs­an­sprü­che abge­hal­ten hat:

Das Jus­tiz­mi­nis­te­ri­um Meck­len­burg-Vor­pom­mern hat­te den nach­ge­ord­ne­ten Amts­ge­rich­ten mit Schrei­ben vom 21.08.2007 mit­ge­teilt, dass gegen die Zuläs­sig­keit von Dau­er­an­ord­nun­gen im Rah­men der Aus­zah­lung von Betreu­er­ver­gü­tun­gen aus betreu­ungs- und haus­halts­recht­li­cher Sicht kei­ne Beden­ken bestehen. Dar­auf­hin hat das Amts­ge­richt Dau­er­ver­gü­tungs­an­trä­ge für zukünf­ti­ge Betreu­er­ver­gü­tun­gen als wirk­sam erach­tet und hat die­se Pra­xis mit einem Schrei­ben an alle durch das Amts­ge­richt bestell­ten Berufs­be­treu­er vom 21.05.2012 aus­drück­lich bestä­tigt. Der Dau­er­ver­gü­tungs­an­trag des Betreu­ers vom 24.09.2009 wur­de zunächst weder bean­stan­det noch bear­bei­tet. Erst auf eine tele­fo­ni­sche Nach­fra­ge des Betreu­ers hat das Amts­ge­richt die Ver­gü­tung am 1.10.2012 für den Zeit­raum vom 19.09.2009 bis zum 18.09.2012 antrags­ge­mäß fest­ge­setzt. Am 12.04.2013 hat die Bezirks­re­vi­so­rin dage­gen die gericht­li­che Her­ab­set­zung der Betreu­er­ver­gü­tung für den streit­ge­gen­ständ­li­chen Zeit­raum auf 0 € bean­tragt. Von der Pra­xis der Fest­set­zung der Betreu­er­ver­gü­tung auf der Grund­la­ge von Dau­er­ver­gü­tungs­an­trä­gen ist das Amts­ge­richt dann all­ge­mein erst durch Schrei­ben vom 13.08.2013 an alle dort bestell­ten Berufs­be­treu­er abge­rückt. Vor die­sem Hin­ter­grund schei­det vor­lie­gend eine Rück­for­de­rung der bereits aus­ge­zahl­ten Betreu­er­ver­gü­tung und damit auch die von der Bezirks­re­vi­so­rin bean­trag­te Fest­set­zung auf 0 € aus.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 6. Juli 2016 – XII ZB 493/​14

  1. BGH, Beschluss vom 06.11.2013 XII ZB 86/​13 Fam­RZ 2014, 113 Rn. 24 f. mwN[]
  2. vgl. BGH Beschluss vom 24.10.2012 – IV ZB 13/​12 Fam­RZ 2013, 295 Rn. 12[]
  3. BGH, Beschluss vom 06.11.2013 XII ZB 86/​13 Fam­RZ 2014, 113 Rn. 24 mwN[]