Zuwei­sung einer Ehe­wo­hung – Getrennt­le­ben oder Gewalt­schutz?

Für den Erfolg eines Antrags auf Zuwei­sung einer Ehe­woh­nung ist es uner­heb­lich, dass die Antrag­stel­le­rin zu Beginn des Ver­fah­rens ihren Antrag noch auf die § 2 GewSchG und nicht auf § 1361 b BGB gestützt hat.

Zuwei­sung einer Ehe­wo­hung – Getrennt­le­ben oder Gewalt­schutz?

Das Ver­hält­nis zwi­schen § 1361 b BGB und § 2 GewSchG ist strei­tig. Geht man mit der wohl h. M. davon aus, dass § 1361 b BGB für den Fall, dass es sich um Ehe­leu­te han­delt und die­se getrennt leben oder getrennt zu leben beab­sich­ti­gen, die spe­zi­el­le­re Norm ist, die § 2 GewSchG vor­geht 1, war § 1361 b BGB von Anfang an für das hie­si­ge Ver­fah­ren streit­ent­schei­dend.

Geht man davon aus, dass § 1361 b BGB und § 2 GewSchG kon­kur­rie­rend neben­ein­an­der ste­hen und es dar­auf ankommt, auf wel­che Anspruchs­grund­la­ge ein Anspruch­stel­ler sei­nen Anspruch stützt 2, ist hier eben­falls § 1361 b BGB maß­ge­bend, nach­dem die Antrag­stel­le­rin ihren Antrag zuletzt dahin­ge­hend umge­stellt hat, dass ihr die Ehe­woh­nung gemäß § 1361 b BGB zuge­wie­sen wird.

Ober­lan­des­ge­richt Stutt­gart, Beschluss vom 16. Dezem­ber 2014 – 17 UF 142/​14

  1. Münch­Komm-BGB/We­ber-Mon­ecke, 6. Aufl.2013, § 1361 b Rn. 2; Vop­pel in Stau­din­ger, BGB – Neu­be­ar­bei­tung 2012 – § 1361 b Rn. 88; Bru­der­mül­ler, Fam­RZ 2003, 1705, 1707; Lorenz in: Zöl­ler, Zivil­pro­zess­ord­nung, 30. Aufl.2014, § 200 FamFG Rn. 4; BTDrs 14/​5429, S 21; OLG Naum­burg, BeckRS 2009, 29089[]
  2. OLG Bam­berg, Fam­RZ 2011, 1419; Schwab in: Bork/​Jacoby/​Schwab, FamFG, Kom­men­tar, 2. Aufl.2013, § 210 FamFG Rn.20[]